Jährliche Statuskontrolle – Nachtlauf Dresden

Nachtlaufmedaillen

Nachtlaufmedaillen

Zum vierten Mal fand der Nachtlauf Dresden gestern abend statt und zum vierten Mal war ich dabei. Schöne Tradition – sollte ich unbedingt beibehalten.
Ging es beim ersten Mal noch drum, überhaupt wieder Laufen zu können – ich hatte im Winter gerade angefangen und große Knieprobleme, doch mit den ersten ordentlichen Schuhen ging es dann doch noch gut – und anzukommen. Es war damals meine längste Strecke, die ich jemals gelaufen war. So war in den anderen beiden Jahren der Ehrgeiz geweckt und ich wollte eine gute Zeit und dieses Jahr?

Dieses Jahr ging es wohl eher wieder ums Ankommen bzw. erstmal ums Loslaufen. In den vergangenen Wochen habe ich wieder nichts gemacht außer mich einmal beim Lauftreff sehen lassen und nach den 10 km dort hatte ich ganz schön Muskelkater. Gestern dann war es so gemütlich nach Arbeit auf dem Sofa und ich hatte irgendwie nicht so richtig Motivation loszulaufen. Irgendwann riss ich mich dann aber doch zusammen, zog mich um und machte los und von da an war alles gut. Es war schön sich durch die immer dichter werdenden Menschenmassen zum Stadtfest zu kämpfen und hier und da schon einen Läufer zu entdecken. Am Start angekommen, gab ich meine Sachen ab und hielt dann hier und da noch ein Schwätzchen. Es war eine schöne Stimmung. Ab und an gab es auch die Frage, was man sich denn vorgenommen habe. Und ohne groß Nachzudenken, sondern weil es sich eher schon so herausgebildet hatte, gab es das Optimal-, Normal- und Minimalziel. Optimalziel wäre – wie die letzten Jahre auch – unter einer Stunde für die 13,6 km zu bleiben, wirklich zu erreichen glaubte ich eher eine Zeit um 1:05 h und minimal wollte ich zumindest schneller als beim ersten Nachtlauf bleiben, was unter 1:14 h heißen würde. Ich lief mich dann noch etwas ein und reihte mich bald in die Startaufstellung ein, die seit letztem Jahr in Blöcken aufgeteilt ist und diesmal auch noch der Startkanal verengt ist, so dass sich das Feld schön langzieht und man sich auf dem schmalen Radweg nicht über den Haufen rennt. Diesmal war der Start auch etwas zeitiger und nicht erst zum Sonnenuntergang, so dass die Kopfsteinpflasterpassage beim Blauen Wunder noch mit ordentlich Restlicht passiert werden kann. Bei der Laola-Welle machten auch die ambitionierten Leute in den ersten Reihen ordentlich mit und kurz darauf ging es dann los.

Schuss und ab. Es fühlte sich ganz gut an, ich sah auf die Uhr und war doppelt überrascht. Da stand kurz nach der ersten Kurve – also noch weit vor dem ersten Kilometerschild ein Pace von 4:00 Min/km und ich dachte eigentlich, dass müsste sich viel schlimmer anfühlen, andererseits stand da auch ein Puls von über 180. Hä? Das hab ich sonst kaum im Zielsprint. Das spinnt bestimmt meine Uhr und zeigt mir den Puls von jemand um mich herum an. Ich lief locker weiter, entdeckte zwei Läufer vom LSV, dachte, dass die bestimmt schön gleichmäßig laufen und orientierte mich an denen. Km 1 war nach 4:10 Min erledigt, km 2 nach weiteren 4:11, aber der Puls kletterte eher noch, es wurde schon schwerer und Läufer um mich herum setzten sich reihenweise nach vorn ab. Es war also wohl wirklich mein Puls und ich versuchte etwas ruhiger zu machen, damit ich das überhaupt durchhalte. Nach km 2 ging es dann auch ziemlich schnell bergab mit meiner Geschwindigkeit 4:30 oder 4:45 Min/km zu halten, gab ich schnell auf und versuchte eher insgesamt unter 5:00 Min/km zu bleiben. Doch es wurde schwer. Bald gab es die erste Verpflegungsstelle – hatte ich in den letzten Jahren diese immer ausgelassen, um schneller vorwärts zu kommen, so ging ich diesmal sogar ein paar Schritte, um das kühle Nass auch vollständig aufnehmen zu können. Weiter ging es und es blieb hart. Am Blauen Wunder sah ich auf einmal Reiner als Streckenposten – ich hatte mir irgendwie eingebildet, dass er gar nicht da ist – der Puls blieb hoch und als ich ihn passiert hatte, fragte ich mich innerlich, ob ich nicht aufhören sollte oder zumindest mal stoppen und ihn kurz nach seinem Rat fragen. Nun war ich aber schon weiter also lief ich auch weiter und freute mich schon auf die nächste Verpflegungsstation. Das zog sich noch ein bisschen, aber um so länger der Weg bis dahin wäre, um so kürzer wäre der Weg danach bis ins Ziel, also alles gut. Nur mir ging es nicht wirklich gut, die 5:00 Min/km konnte ich nicht halten. An der zweiten Verpflegungsstation ging ich wieder, nahm mir zwei sehr volle Becher und trank die ruhig aus. Der letzte Schluck ging noch über den Kopf und wieder weiter. Nun kämpfte ich eigentlich nur noch mit mir und gegen den Wunsch einfach dahin zu schlendern. Dabei genoss ich den Anblick der nun im Dunkeln liegenden aber bereits beleuchteten Waldschlösschenbrücke. Ich hatte Bilder in der Zeitung von der Probebeleuchtung an Tag zuvor gesehen und mich gefragt, ob die heute wohl auch brennt oder ob die bis zur offiziellen Eröffnung nächste Woche wieder abgeschaltet ist. Gehen – das würde ich nicht machen, ich würde wenigstens ordentlich durchlaufen. Die 1:05 h waren nicht mehr zu erreichen und auch auf einen Schnitt von 5:00 Min/km insgesamt würde ich nicht so richtig mehr eine Chance haben, aber 1:10 h sollten machbar sein. Die Albertbrücke war nochmal böse, aber dann war schon bald der letzte Mini-Anstieg an der Synagoge erreicht und jetzt ging es nur noch über die Zielgerade. Glücklich nahm ich meine Medaille entgegen. Traf noch ein paar Leute, aber wollte mich schnell aus dem Staub machen. Als ich nach ein paar Bechern Wasser in Ruhe mein alkfreies Bier trank ging es mir richtig schlecht. Mein Asthma-Spray lag natürlich zu Hause, aber ich machte ruhig und vermied noch zum Sanitäter zu gehen. Allerdings beschloss ich in den Momenten, dass die Saison 2013 hiermit zu Ende ist.

Knappenman-Halbdistanz in einer Woche kann ich mir irgendwie nicht vorstellen und eine Bestzeit beim Dresden Marathon dürfte z.Z. auch nicht drin sein. Morgen bin ich noch in Pöhl bei einer Sprintdistanz gemeldet und werde wohl auch fahren, aber das von Anfang an sehr ruhig angehen. Es macht einfach keinen Sinn. Es gibt derzeit einfach wichtigeres im Leben und das läßt mich aber oft nicht schlafen, wir durchleben eine schreckliche Achterbahn der Gefühle und wenn ich endlich mal schlafe, dann gönne ich mir jede einzelne Minute auch und stehe nicht zeitiger auf, um noch eine Runde laufen zu gehen. Falls alles in den nächsten Wochen wieder in einen Rhythmus kommt und ich wieder trainiere, kann ich mich auch noch kurzfristig zum Dresden Marathon melden, aber prinzipiell wird es eher mir dem OEM 2014 weiter gehen.

Das Fiasko in Zahlen kann man sich auf meiner Aufzeichnung betrachten.

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Und nun?

Erstmal möchte ich mich bei allen Leuten bedanken, die viel Trost in Ihren Kommentaren, Anrufen oder auch Gesprächen gespendet haben. Es tut schon noch weh es nicht geschafft zu haben, aber ich akzeptiere auch das es einfach nicht mein Tag war.

Die körperlichen Schmerzen klingen langsam ab. Dabei war es aber keine Erschöpfung, sondern die Folgen vom Radsturz und überhaupt vom Radfahren. Mir ging es letztes Wochenende schlimmer als den Tag direkt nach Roth. Die Woche nach Roth war eigentlich alles okay, die ersten zwei Tage hatte ich einen verspannten Nacken, aber sonst war alles okay. Danach merkte ich, dass da nicht nur ein verspannter Nacken war, sondern dass mein ganzer Oberkörper zu einem Betonklotz geworden ist, ich habe mir irgendeinen Nerv wohl eingeklemmt, da der kleine Finger und der Ringfinger der rechten Hand seit dem 14.07. kribbeln (wie eingeschlafen) und meine linke Körperhälfte war doch ziemlich blau. Der Sturz war wohl doch nicht so ganz ohne.
Es ist aber auch gut, dass mich die Schmerzen an die Situation im Wechselzelt in der WZ2 erinnern, so weiß ich, dass ich unbedingt noch eine Sitzanalyse vornehmen lasse. Die Verspanntheit kann nicht nur aus der Verspanntheit im Kopf kommen. Eine Ursache für das Scheitern, aber auch mit einer tollen druckvollen Sitzposition auf dem Rad wäre es noch lange nicht mein Tag gewesen.
Überhaupt, alle Gründe, die ich inzwischen für das Scheitern gefunden habe, sie hätten das Scheitern nicht verhindert und ich habe damit meinen Frieden gemacht – es war einfach nicht mein Tag und das habe ich akzeptiert. Ich habe die Entscheidung für den Ausstieg nicht eine Sekunde bereut und ich würde mich jedes Mal wieder so entscheiden und mich dabei gut fühlen.
Am Dienstag musste ich eh zum Arzt, der hat mich dann wegen meinem Arm/Finger zum Orthopäden geschickt und der hat mal kurz angefasst und mich komisch ausgehoben und schon hat es mehrfach gekracht und mein Rücken war deutlich lockerer, aber ich hatte innerhalb von Sekunden quasi Muskelkater. Leider hat das noch nicht wirklich zum Erfolg bei meinem Finger geführt. Morgen geht es wieder hin.
Die Sitzanalyse wird noch etwas warten müssen, aber auch die wird kommen.

„Entzaubert“ trifft es im Nachhinein wohl wirklich mehr. Der Zauber kam wieder auf, wenn ich mir im Nachhinhein die Aufnahmen im TV angeschaut habe, aber ich sehe jetzt die Bilder kritischer und steigere mich vor allem nicht in den Zauber hinein, der dann nicht eintrifft, sondern sehe es mit meinen eigenen Augen. Trotzdem war es sehr cool in den Einblendungen der Aufzeichnungen meinen Namen zu lesen und Sabine zu sehen. Sowas bleibt auch hängen.

Hängen bleibt auch – und da bewegen wir uns so langsam aus dem tiefen dunklnen Boden nach oben – das ziemlich gute Schwimmen. Klar, mir wurden andere Zeiten vorausgesagt und insgeheim habe ich auch auf ein kleines Wunder gehofft, aber ich wollte 1:45 h schwimmen und bin mit 1:41 h aus dem Wasser. Nach mehrfachen Äußerungen und den Schwimmzeiten der Pros war die Schwimmstrecke evtl. auch etwas zu lang und da noch schneller als gedacht – top. Zumal ich beim Schwimmen mich ja wirklich nur auf die Technik konzentriert hatte und kaum eine Einheit über 2 km hatte. Ich war von Anfang an ruhig und bin gut geschwommen. Klar geht es besser – auch in meinem Niveau – aber es ist Wettkampfsituation und gegenüber Moritzburg waren da Welten dazwischen. Beim Schwimmen war es einfach nur mein Ding und nicht der Kampf gegen Gegner. Dass es nicht gereicht hat, um durchzukraulen, war objektiv betrachtet abzusehen und stört mich insoweit eigentlich nur, dass ich evtl. darin schon ein erstes Scheitern auf der Radstrecke fest mache. 1 km Brust fordert die Beine doch schon ganz schön und hat mir am Ende vielleicht auch gefehlt.
Hängen bleibt auch, dass ich die 180 km Rad einfach mal bewältigt habe und das ich damit auch meine längste Wettkampfzeit jemals bewältigt habe. Klar an dem Tag gab es zig Leute, die es besser geschafft haben, aber ich habe es auch geschafft. Es war meine längste Radstrecke bisher und das nach einer Schwimmeinheit, die es bisher auch erst einmal in meinem Leben gegeben hat. Und auch wenn die Geschwindigkeit deutlich unter dem war, was ich gedacht hatte, so war sie doch höher als in jedem Training und das auf der längsten Radeinheit mit erheblicher Vorbelastung. Also bitte, man möge mir Respekt zollen. 🙂 Im Nachhinein bin wirklich ausgesöhnt mit meiner Leistung. Was mich nur ein bisschen rumtreibt ist der Aspekt, dass ich evtl. zu wenig im Wettkampfmodus war, dass ich evtl. am Anfang zu entspannt auf dem Rad war und gar nicht richtig Druck gemacht habe und wenn ich das gemacht hätte, mein Kopf dann evtl. stärker gewesen wäre. Ändern kann ich es aber eh nicht mehr.

Langfristig gesehen gewinne ich dem Scheitern jeden Tag ein bisschen mehr ab. Ich habe in den letzten zwei Wochen wieder – bis auf eine Radausfahrt – nichts gemacht, jetzt habe ich die Ausrede Regeneration und nicht mehr Tapering, außerdem kommt noch diese Gluthitze dazu. Und es könnte sein, dass ich nach dem erfolgreichen Finish wirklich wieder ziemlich faul geworden wäre – was ich momentan ja auch noch bin – aber die Langstrecke will ich schon noch bewältigen und eigentlich auch so schnell wie möglich. 2014 steht erstmal der kleine Mann im Fokus, aber 2015 könnte man es schon probieren. Dieses Entzaubern von Roth und die Laufstrecke in Frankfurt lässt mich aber auch ziemlich konkret überlegen, dass beim Ironman Germany zu machen. Ich werde mal versuchen eine Gelegenheit herbeizuführen und mir die Radstrecke anzuschauen.
Kurz vor Roth kam auch die Anfrage, ob ich beim Oberelbemarathon 2014 wieder Zeitläufer machen würde und ich habe zugesagt, somit sind ein paar Dinge fest, dass ich das mit dem Sport jetzt nicht auf einmal sein lasse. Es gilt jetzt Lebenskilometer zu sammeln und so ein ruhigeres Jahr bevor dann wieder neu durchgestartet wird, ist bestimmt nicht schlecht. Seit Herbst 2009 gab es bei mir ja eigentlich permanent nur steil bergauf und das kann halt nicht ewig gut gehen.
Konkret geht es dann dieses Jahr auch noch ordentlich weiter. Ich war bis jetzt nur für den Nachtlauf Dresden gemeldet, nun aber wird es noch den Sprint beim Pöhler Triathlon mit mir geben und erneut die Halbdistanz beim Knappenman. Noch nicht gemeldet bin ich für den Dresden Marathon, den ich aber fest im Blick habe, nur will ich da warten, was morgen raus kommt – beim Kinderchirugrischen Concil, wo wir dann hoffentlich eine Prognose und einen Fahrplan für die nächsten Wochen und Monate bekommen.

Traumschuhe

Traumschuhe

Und das Wichtigste 🙂 hätte ich ja fast vergessen. Ich hab es noch geschafft, die tollen Schuhe, die mir in Roth durch die Lappen gingen doch noch zu erstehen. Also, wenn da beim Knappenman keine Bestzeit in der Laufdisziplin folgt, dann weiß ich auch nicht.

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Der längste Tag meines Lebens muss noch etwas warten – Challenge Roth

Die meisten Leser werden es wohl schon wissen, ich habe am Sonntag die Challenge Roth nicht gefinisht.
Somit wird dieser Artikel leider keine schöne Schilderung des Events, sondern nur ein bisschen Darstellung des Tages und ein Versuch Gründe fürs Scheitern zu finden und wie man Dinge zukünftig evtl. auch besser machen kann.

Alles fing am Donnerstag schön an. Wir fuhren sehr entspannt noch Roth, meldeten uns in unserer Unterkunft in Schwanstetten an und gingen dann zur Startnummernausgabe und auf die Triathlonmesse. Das war sehr angenehm und alles noch ruhig und so ziemlich alle Pros waren auch anzutreffen. Da wurde gleich mal der Challenge-Rucksack mit einem Autogramm von Caroline Steffen aufgewertet, sich noch etwas im Challenge-Shop vergnügt und ein Schnäppchen abgesahnt.
Für den Nightrun hatte ich zwar noch meine Laufklamotten zusammengepackt, aber der Tag hatte dann doch zu sehr geschlaucht und so bin ich lieber zeitig ins Bett. Kurz vorher hatte ich mir noch meinen Starterbeutel angeschaut – da passte Badekappe und Startgruppe nicht zusammen. Es sind zwar alles grüne (Datev-)Badekappen für jede Startgruppe, aber die Gruppe und Uhrzeit waren drauf vermerkt und so bin ich am nächsten Morgen nochmal hin und hab die umgetauscht. Dabei entdeckte ich auf der Messe noch ein paar tolle Schuhe, als ich mich bis zum Abend durchgerungen hatte wirklich das viele Geld auszugeben, waren sie in meiner Größe leider nicht mehr da. Den Rest des Tages verbrachten wir ziemlich ruhig am Rothsee, immer wieder war es so bedeckt und damit kühl, dass ich dann doch nicht im Wasser war. Samstagmorgen bin ich dann auch nicht zum Schwimmen im Kanal, sondern gönnte mir wieder eine Mütze mehr Schlaf. Das Kribbeln wurde aber größer und größer, ich freute mich drauf, ich hatte so richtig viel Lust vor allem auf den Marathon. Samstag Bike einchecken – dabei merkte man das erste Mal so richtig die Größe der Veranstaltung als die ganzen Massen zusammen strebten. Der Vorgang selbst war aber unspektakulär und auf ging es danach zur Wettkampfbesprechung. Nicht wirklich was neues gehört, was nicht auch noch irgendwo in den Unterlagen stand und wenn sich Präsentation und Aussage des Wettkampfleiters widersprechen ist das schon komisch. So u.a. bei dem wichtigen Punkt bis wann man sein Rad wieder abgeholt haben muss. Dabei geht es nämlich um die wichtige Fragen, mache ich das vor oder nach dem Abschlussfeuerwerk. Danach schnell ins Bett, denn der Wecker klingelt 3:30 Uhr.

Raceday. Die Anreise klappte gut und als wir über die Kanalbrücke zur Wechselzone gingen und die Musik hörten wurde die Tränendrüse ganz schön gereizt. Radbeutel pünktlich ablegen und dann hieß es warten bis ich dann irgendwann mal endlich starten dürfte. „Entzaubert“ war auch ein möglicher Titel dieses Blogeintrages und entzaubert war ich an dem Tag das erste Mal als ich den Schwimmstart erlebte. Dieser eine Satz, der so viel für mich bedeutete und mir immer wieder Gänsehaut beschert hatte – „One minute to go“ – war live nix anderes als eine sehr nüchterne Ansage des Sprechers. Einen Startschuss hatte ich in der Wechselzone überhaupt nicht gehört. Irgendwie war mir nicht so, als ob das Rennen läuft und überhaupt war bei mir aber auch wieder was anders. Ich hatte an dem Tag irgendwie wieder Angst und nicht mehr nur Respekt. Irgendwann verabschiedete ich mich dann endgültig von Sabine und ging in die Wechselzone, zog den Neo ganz an, vergaß den Fahrradtacho fest zu machen (wie ich während des Schwimmens feststellte – der war aber im Radbeutel), gab meinen „After Race“-Beutel ab, obwohl ich noch die Jacke an hatte, also noch einen zweiten vom Helfer bekommen und den noch abgegeben und dann hieß es Minuten runterzählen. Während ich noch auf meinen Start wartete, konnte ich schon die Wechsel der Führenden Männer und Frauen beobachten. Sekunden bevor auch für mich die Startleine nach oben ging, wurde meine Schwimmbrille auf einmal auf der einen Seite total locker und es drang heftig Wasser ein.

Schuss und los. Brille leeren und losschwimmen. Es ging verhältnismäßig ruhig los, ich war auch nicht in Panik, sondern schwamm halbwegs ordentlich. Nur wie Bahnenschwimmen ist Kanalschwimmen überhaupt nicht. Ich hatte ja gehofft, da deutlich besser zu schwimmen als im See, aber man kann auch im Kanal noch ordentlich Zick-Zack schwimmen. Ich war jetzt zwar im Wettkampf in meinem großen Rennen, auf das ich so lange hin gearbeitet hatte, aber es war nicht wirklich Spannung in mir. Das Hochwasser, der Regen, die Sorgen um mein Kind – es war ein Zu-Ende-bringen, nicht das große Fest, sondern eher die ungeliebte Abschlussbericht. Das Schwimmen lief anfangs trotzdem gut, zur ersten Wendeboje zog es sich dann aber doch, dort endlich rum, ging es wieder besser aber auch immer mehr im Zick-Zack als geradeaus. Als die Wechselzone dann doch nicht so schnell näher kam, wie gehofft, wurde es zäh und ich bin dann auch irgendwann kurz vor der Wechselzone ins Brustschwimmen über gegangen, so dass ich ca. die letzten 1.000 m um die zweite Boje und zurück Brust geschwommen bin. Nachdem ich vorher Platz um Platz verloren hatte, hatte ich mit Brust wieder etwas aufgeholt und schließlich bin ich voll im Zeitrahmen aus dem Wasser – 1:42 h. Leider gehörte ich trotzdem schon den letzten an und mir wurde mein Radbeutel schon gereicht. Neo aus, Schuhe an, Tacho an, nochmal eine Dosis Sonnenmilch mir verpassen lassen, ab zum Rad, Helm auf und los. Wir durften schon vor dem Bike-Start-Bogen aufsteigen, ob das aus Mitleid passiert ist oder weil die hinteren Räder einen längeren Laufweg hatten und das geplant war, weiß ich nicht. Auch egal. Ich war froh, dass ich Sabine noch gesehen und gehört habe, hab ihr noch einen Kuss zugeworfen und los ging es. Es rollte aber nicht wirklich, ich war noch immer ziemlich aus der Puste. Als ich das Marathonschwimmen vor einem Jahr mitgemacht hatte, war ich für den Rest des Tages fertig, nun standen noch 180 km Rad und ein Marathon auf dem Plan. Ich zwang mich gleich zu essen und zu trinken, aber ich musste mich dazu zwingen. Das war komisch. In Eckersmühlen dann die erste Verpflegungsstation kurz nach der Biermeile. Also eine Meile sind bei mir ca. 1.600 m – das waren höchstens 160 m – ich war ein bisschen entzaubert. Die Verpflegungsstation war ganz schön kurz – was mir gerade beim Schreiben auffällt, die eine Station machte doch immer die Bundeswehr, hab ich aber nicht gesehen an dem Tag – man musste an der Station seinen Abfall entsorgen, dann ganz schnell zur Flasche greifen, die möglichst zügig verstauen, damit man noch Banane, Gel oder Riegel einsammeln konnte und dann war es auch schon wieder vorbei. In einem Prospekt zur Challenge mit den Stimmungsnestern zur Radstrecke stand, dass man kaum noch einsame Abschnitte hat, da es mittlerweile so viele Stimmungsnester und Zuschauer gibt. Also ich fühlte mich ziemlich schnell, ziemlich einsam auf der Radstrecke, obwohl nicht ganz, unterbrochen wurde die Einsamkeit von so tollen Ereignissen, dass Profis und Topfahrer an einem vorbei sind, man schon fast auf dem weißen Strich gefahren ist, trotzdem böse beschimpft wurde, dass man doch rechts fahren sollte und die Akteure in einem Abstand von nicht mal 30 cm an mir vorbei sind. Das es dabei teilweise noch regelrechte Gruppen gab wo die Windschattenbedinungen garantiert nicht eingehalten wurden, fand ich einfach nur traurig. Bei mir kam der Speed nicht wirklich auf, aber noch beunruhigte mich das nicht, da wir bei der Streckenbesichtigung nach Greding auf dem Rückweg auch deutlich schneller unterwegs waren. Von meinen 6 Stunden verabschiedete ich mich aber trotzdem so langsam. In der Nähe von Thalmässig ging es auch einen kleinen Berg rauf und dort war richtig Stimmung angesagt, also Oberlenker den Arm kreisen, Leute abklatschen und hoch geht es. Nach 100 m war aber auch das wieder vorbei und die gute Laune, die da aufkam, hielt leider nicht mal einen Kilometer an. Der Kavalarienberg machte richtig Spaß, ich wusste was kommt, kurbelte locker hoch und sammelte dabei noch ein. Leider wurde ich zunehmend auch von Staffelradfahrern überholt. Oben angekommen dachte ich dann nur, dass darf doch nicht war sein, bläßt mir doch so richtig der Wind ins Gesicht und zwar nicht nur mit Windstärke 1-2 wie beim letzten mir bekannten Wetterbericht angekündigt. Das nervte gewaltig. Bis endlich der Solarer Berg kam, zog es sich unendlich. Schneller wurde ich auch nicht, aber auch nicht langsamer. Achso, mein Tacho wollte erst nach ca. 4 km funktionieren, deshalb war meine Durchschnittsgeschwindigkeit auch nicht so aussagekräftig, denn die Zeit zählte von Anfang an. Der Solarer Berg war schön, aber Mythos, nee zumindest nicht für mich heute. Ich freute mich, dass ich Uwe gesehen hatte und er mich anfeuerte, aber bevor der Berg zu Ende war, waren auch die Leute schon zu Ende. Am Ende der Runde fühlte ich mich wie vor einem Jahr bei meiner ersten Streckenerkundung, aber diesmal ging es nochmal rum. Nun wurde es noch einsamer, denn es gab keine Pros mehr, die einen überrundeten, stattdessen traf man mehr und mehr auf Leidende. Verpflegungsstationen wurden teilweise schon abgebaut, Flaschen bekam man manchmal nur noch auf Aufforderung gereicht und das Publikum hatte sich überwiegend wieder in seine Häuser oder an andere Plätze verzogen. Es wurde schwer und die 13 Stunden waren in Gefahr. Irgendwann war das auch egal, dann es war mehr und mehr die Cut-Off-Zeit in Gefahr. Der Kavalarienberg war nochmal gut und die Abfahrt danach schön. Der Wind war etwas schwächer, aber ich leider auch. Wolken kamen keine auf, aber der Wind und Fahrtwind ließ einen die Hitze gar nicht so spüren. Ich verfluchte die Anstiege, aber so weit war es ja auch nicht mehr. Halbzeit des Gesamtrennens war nun wohl auch vorüber, aber es wurde härter und härter und dann passierte es, direkt nach einer Verpflegungsstation wollte ich wohl noch irgendwas sortieren oder so als mir kurz schwummrig und wohl auch schwarz vor Augen wurde und ich kurzerhand rechts in die Leitplanke abbog und schon lag ich da – „Scheiße“ schrie ich kurz aus und dann waren auch schon Helfer bei mir. Ich blieb erstmal auf dem Boden sitzen und atmete durch. Arm, Hand, Finger und Knie bluteten, aber grundsätzlich schien alles okay. Ich bekam Wasser, zum Trinken, zum Hände waschen und Wunden reinigen und dann bekam ich das Königreich auf Erden – ein Taschentuch. Einfach nur göttlich. Mir lief andauernd die Nase und oft musste ich auch noch niesen und nun endlich mal so richtig frei schnaupen, traumhaft. Die Helfer hatten inzwischen einen Sani angefordert, doch ich wollte weiter, grundsätzlich ging es ja, ich war wieder halbwegs auf den Beinen und ich wollte auch keine 5 Minuten im Schatten warten, um so schlimmer würde es mir der Cut-Off-Zeit. Inzwischen (schon vor dem Sturz) ging es bei mir sowieso nur noch ums Finish und ich rechnete schon damit, dann erst kurz vor dem Feuerwerk einzulaufen. Also wieder rauf aufs Rad und weiter. Jetzt ging es auch kurz wieder gut, die Pause hatte gut getan. Zwar gab es noch eine kurze Schrecksekunde, denn als ich losfuhr schleifte was und ich dachte schon jetzt nimmt mich ein technischer Defekt aus dem Rennen, aber zum Glück war nur die Bremse etwas verdreht. Die bessere Verfassung hielt aber nur ca. 20 km an. Der Solarer Berg war auf der zweiten Runde fast menschenleer, also zumindest im Vergleich zur ersten. Es waren vielleicht noch 100 Leute dort. Und dann war der Ofen richtig aus. Ich wurde reihenweise überholt, wollte am liebsten ausklicken und stehen bleiben, aber heim rollen wäre eh das Schnellste. Den Marathon mochte ich mir gar nicht vorstellen. Ab Greding war mir irgendwie auch die Lust aufs Essen total vergangen, aber ab und an zwang ich mich noch zu einem Gel. Selbst 2 km vor dem Radende wollte ich noch aufhören, aber da musste man ja nur noch in die Wechselzone rollen. Dort kam ich nach 8:48 h an und nahm mir eine Wasserflasche mit ins Zelt, trank in Ruhe und saß auf meiner Bank. Die Frage, ob alles in Ordnung ist, konnte ich erst beim dritten Mal beantworten, ein klares Ja, kam da aber nicht mehr über meine Lippen, sondern eher „Ja, es geht.“ Schuhe wechseln, Wunden nochmal waschen, Armcooler an, Mütze auf und dann los. Ich wollte wenigstens bis zum Ländle. Dort wollte Sabine stehen, ich würde mich mit ihr 5 Minuten in den Schatten setzen und dann mal sehen oder wenn es mir bis dahin wieder besser gehen würde, freute ich mich auf ein paar Meter Begleitung durch sie. Nach dem Wechselzelt gab es erstmal Schwämme – reichlich, Kopf, Arme, Gesicht, Nacken. Das war aber schon fast wieder verdampft als ich dann über die Matte am Ende der Wechselzone ging. Ja, ich ging. An Laufen war nicht zu denken. Nach einer Weile versuchte ich dann das erste Mal anzulaufen. Das ging keine 30 Sekunden gut, wieder Schwämme, nächster Versuch, ging nicht besser. Das Wasser auf dem Kopf war schnell verdampft, aber das am Einteiler löste auf einmal Beklemmungen aus. Gar nicht schön. Nochmal loslaufen, wieder nichts. Ich rechnete. Mit meinem Spaziergangtempo war ich mit 6 km/h unterwegs – da hieß für den Marathon eine Endzeit von 7 Stunden und über eine Stunde nach Zielschluss. Das wird wohl nix mehr. Endlich Ländle, aber ich sehe Sabine nicht. Noch um die Ecke und ich sehe sie immer noch nicht. Okay, dann war es das jetzt. Ob ich die 7 Stunden überstehen würde, weiß ich nicht, zumal ich ja noch vor 20.30 Uhr den Halbmarathon hinter mich gebracht haben müsste und ich am Ende wohl ohne Verpflegung zu Ende laufen müsste. Wie ich das im Kopf überstehen sollte, wusste ich erst recht nicht. Es machte für mich einfach keinen Sinn mehr. Es wäre nur noch ein Überlebenskampf. Ich nahm meine Startnummer ab und kehrte um. Als Aussteiger sollte man sich am Musikpavillion melden und dort würde es auch den Rückholservice geben. Die wussten aber von nix und Rückholung gab es auch nicht. Telefonieren konnte ich auch nicht. Eine Helferin gab mir dann Ihr Telefon und ich sagte Sabine Bescheid. Die war im Zielpark – sieht hatte selbst mit dem Kreislauf zu tun und war beim Sanitäter. Ich schleppte mich dann zum Shuttlebus und vom dort dann zum Zielpark. Im Vergleich zu den meisten Zuschauern war ich aber immer noch fitter, aber ich wollte jetzt auch nur noch weg. Ich ging über die Bande, querte den Zielkanal, versuchte mich im Ziel dann nochmal mit offiziell als ausgestiegen zu melden, aber das interessierte irgendwie keinen.
Im Zielbereich traf ich Katrin und Roman, sie wollten mir gratulieren, aber ich klärte sie schnell auf und dann wollte ich einfach nur weg. Sachen abholen, Duschen und dann endlich Sabine wieder sehen.
Auf dem Weg zur Fahrradabholung erzählte ich ihr was passiert war. Danach ging es noch auf den längeren Weg zum Auto, wir ruhten uns noch etwas aus und beschlossen dann doch nochmal zum Zielpark zurückzukehren und uns das Feuerwerk anzusehen. Wir waren dann beide aber doch zu fertig und müde und eigentlich interessierte es mich auch nicht und die ganzen glücklichen Gesichter brauchte ich auch nicht unbedingt, also ging es heim und ins Bett.

Der Schlaf tat gut und der Abfall der ganzen Spannung und von der ersten Sekunde meines Ausstieges war ich mir sicher, dass ich das nicht bereue, sondern das es an diesem Tag genau die richtige Entscheidung war. Es war einfach nicht mein Tag, an so einem Tag muss halt alles passen und bei mir passte so einiges nicht. Ob nun die nervlichen Belastungen im Vorfeld, die Hitzeschlacht an dem Tag Schuld sind oder ich mir doch ein Jahr lang mehr Zeit hätte nehmen sollen, alles egal. Der Tag war nicht mein Tag und das hab ich akzeptiert. Es ist sehr schade und ja ich bin auch traurig darüber, aber mittlerweile kann ich schon wieder sagen „na dann hab ich wenigstens noch ein Ziel vor mir.“

Ich weiß ja nicht, wie das so ist als Langdistanz-Finisher, aber jetzt gerade während ich die letzten Zeilen schreibe, ist es für mich derzeit genauso befriedigend einfach glücklich neben meiner Freundin mit dem Blick auf Neuschwanstein einzuschlafen – traumhaft. (Das kann eigentlich nur das Taschentuch der Helferin toppen.)

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Fit werden ohne Training

Roth-Vorbereitung - lokale Herkunft klar machen.

Roth-Vorbereitung – lokale Herkunft klar machen.

Jetzt sind es nur noch ein paar Nächte, bis der entscheidende Startschuss fällt und so viel ich in der eigentlichen Vorbereitung richtig gemacht habe (zumindest bilde ich mir das ein), so viel geht jetzt im Tapering schief. Training findet quasi gar nicht mehr statt und ich glaube, ich bin schon in eine Art Regenerationserholung gekommen, statt in Vorwettkampfsspannung, aber so ist es nun mal. Das nennt man wohl Leben. Letzte Woche gab es einen einzigen Lauf, das war es dann schon. Radtraining ist auch ausgefallen und gestern hatten wir die Schwimmsachen vergessen, aber trainingstechnisch sind die Einheiten wohl eh egal. Wichtig ist eher, dass ich mich unter den Bedingungen doch auf Roth einlasse und meinen Spaß daran haben kann und mein Kopf auch kämpfen will. Neben zahlreichen Arztbesuchen gab es viele Gespräche und kleine schöne Aktionen und entspannte Stunden. Das baut einen auf bzw. es baut mich auf. Schön ist auch, dass wir nun schon Donnerstag nach Roth fahren können, wie ich es mir eigentlich gewünscht hatte, und ich so noch das Steigern der Wettkampfatmospähre fühlen darf und nicht nur ankommen muss, Startunterlagen abholen, Rad einchecken, Wettkampfbesprechung und ab. So ist etwas mehr Ruhe und am Donnerstag laufe ich dann abends wohl auch noch den kleinen Lauf mit und kann auch noch im Kanal trainieren. Das finde ich richtig gut. Sonst hatte ich seit Freitagabend wirklich schon Urlaubszeit. Es war entspannt, aber auch ereignisreich und trotzdem dabei ruhig. Alle Dinge mit der Schwangerschaft, die wir zur Zeit regeln können, sind auch erstmal geregelt. Reichlich eine Woche nach Roth gehen wir zum MRT und eine Woche später gibt es dann eine erste Prognose und Planung der nächsten Monate und vor allem sind Sabine und ich mittlerweile in der Situation angekommen, wir müssen, aber werden auch, kämpfen und haben jetzt aber mal kurz Zeit inne zu halten und sich in Ruhe auf ein anderes Thema konzentrieren zu können. Es kommt bei mir auch gerade an, wie schön doch überhaupt so ein Finish ist, ich fühle, wie stark sowas ist und das eine Zeit völlig egal ist. Den Schritt ohne Uhr zu laufen, werde ich aber trotzdem wohl nicht schaffen zu gehen. Evtl. ohne Brustgurt, aber so ganz orientierungslos möchte ich dann doch nicht sein, zumal ich auch sehr entspannt mit Uhr sein kann.
Und wisst Ihr was aber richtig krass ist – der nächste Blogeintrag wird dann schon der NACH der Langdistanz sein, ich hoffe himmelhochjauchzend statt zu Tode betrübt. Aber es kann eigentlich nur gut werden, denn ich will durch dieses verdammte Ziel, endlich die Vision, die mich zu vielen Einheiten motiviert hat, live erleben.

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Rot und Roth und …

Vorab: Wer nichts privates und sportlich nicht relevantes lesen möcht, der hört bitte nach dem zweiten Absatz auf!

Alarmstufe Rot herrscht schon wieder an der Elbe. Meine Laufstrecke ist schon wieder an einigen Stellen überflutet, das Elbnächteareal gerade aufgebaut musste schon wieder abgebaut werden, der Regen nervte und es scheint, als ob es auch gleich wieder los geht. Das macht echt keinen Spaß. Aber diesmal soll bei 5,60 m Pegelstand Schluß sein.

Vereinsausfahrt

Vereinsausfahrt

Rot war auch ein schönes Erlebnis in den letzten Tagen mit den sehr sehr wenig Trainingseinheiten. Am Sonntag war ich auf einer schönen Radausfahrt mit drei Vereinskameraden und unabgesprochen standen wir alle in Vereinskleidung da – das war echt schön und da merkt man sehr, wie wichtig jedem einzelnen doch auch der Verein und das Zusammengehörigkeitsgefühl und Indifikationsgefühl ist. Die Ausfahrt war geplant schon länger als eigentlich auf meinem Plan stand, aber da wir bei 72 km Pause machten, war es dann auch okay. Trotz allem waren die 120 km mit knapp 1.700 Höhenmeter am Ende ziemlich anstrengend und ich musste meine Kameraden ein bisschen ziehen lassen. Da aber insgesamt nur 3 Einheiten in der Woche zustande gekommen sind, war es auch in Ordnung. Und mal wieder eine andere Runde und Region zu erleben war auch sehr schön. Die Ausfahrt war auch mit wenig Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verbunden und da ich beim Wettkampf immer reichlich zu mir nehme, stimmte es mich auch zuversichtlichlich, dass Roth kommen kann.

Roth – Roth steht zwischen „Rot“ und den drei Punkten und den Ernst der Lage habe ich nicht in die Überschrift genommen, aber er ist vorhanden. Zum einen ist es nur ein Wortspiel „Rot und Roth und tot“ welches meinen derzeitigen Kampf mit dem Start zum Ausdruck bringt, zum anderen aber auch die echte Bedeutung dieses kurzen Wortes. Der Kampf mit dem Start resultiert aus den folgenden Gegebenheiten und der echten Bedeutung des Wortes.
Am Montag hatten wir den Termin zur Feindiagnostik und eigentlich wollten wir nur feststellen lassen, ob die Vermutung des Geschlechtes unseres Kindes nun stimmt oder nicht, ob wir also zukünftig stolze Eltern einer kleinen Starterin oder unser Kind eher in den Ergebnislisten der männlichen Kategorie finden. (Bitte nicht falsch verstehen, nein wir wollen unserem Kind keinen Druck aufbauen in die Triathlon-Stapfen des Vaters zu treten, aber man spielt schon ab und an mit dem Gedanken und es ist ab und an ein schönes Sinnbild.) Bis wir endlich dran kamen, mussten wir noch einige Zeit warten. Ein Paar vor uns, kam erst ganz freudig raus, da es nun wusste, welches Geschlecht ihr Kind hat. Als sie ein zweites Mal im Zimmer waren, sahen sie irgendwie nicht mehr ganz so glücklich aus. Ich machte mir da schon so meine Gedanken, was die gerade gehört hatten. Als wir – (gefühlt) kurze Zeit später – feststellten, dass wegen uns alle nachfolgenden Patienten nach Hause geschickt worden waren sah die Welt schon ganz anders aus. Was war geschehen? Nach Sekunden war die Frage des Tages gelöst und die Altersklasse unseres Wurms fängt mit m an. Dann waren die wissenschaftlichen Untersuchungen dran, wir hatten ausgiebig Baby-TV, aber ganz oft sahen wir nur das Herz. Gerade jetzt erst beim Schreiben wird mir klar, dass der Arzt sich evtl. absichtlich verständnislos gestellt hat und mir meine Frage, wo denn vorn, hinten, rechts und links ist, erst nach einigen Nachfragen beantwortet hat. Immer wieder gab es Aufnahmen des Herzens, ich dachte er muss eine bestimmte Position des Herzschlages erfassen, aber irgendwann kam dann der Satz „Für heute machen wir hier mal einen Punkt.“ Und dann wurde der Tonfall ganz schnell ernst, nach anfänglichen Gesprächen war es inzwischen (unbemerkt) auch ruhig geworden. …Sprachfetzten….Trauer….krampfende Hände….- das Herz ist gar kein Problem, völlig in Ordnung und völlig gesund, aber das Herz sitzt auf der falschen Seite …. eine Folge der Zwerchfellhernie. Da stand er nun, der Begriff, der alles anders macht, Zweitmeinung, europäische Spezialklinik, etc. beruhigten einen nicht wirklich. Zum Glück hatte ich vor kurzem von einer Herzoperation im Mutterleib gehört und damit doch alles nicht so ganz aus einem Science-Fiction-Film empfunden. Mit so einer offenen Situation ging es in die Nacht, auf der Rückfahrt liefen die Tränen und für einen kurzen Bruchteil einer Sekunde überlegte ich das Lenkrad zu verreißen.
Am Abend forderte Sabine von mir noch ein, ihr den Roth-Start zu versprechen. Das habe ich bis heute nicht. In dem ganzen Gedankenchaos der folgenden Tage, tauchte der Roth-Gedanke aber immer wieder auch auf. Es kamen Erinnerungen an den OEM 2012 hoch, der mehr als hart für mich war, aber am Ende konnte ich Sabine die Medaille in die Hand drücken, die sie auf dem Weg durch den Krebs bis heute begleitet. Ich werde ruhig werden müssen und schlafen können, sonst wird das Ziel ganz ganz fern werden, aber gleichzeitig wird das Ziel auch unwichtig. Einige Termine später gibt es eine neue Zeitschiene, Roth könnte klappen und bei meinem gestrigen Lauf durch das Hochwasser wäre ich liebend gern einfach noch 20 km mehr gelaufen, überlegte Roth ohne Uhr zu laufen, nur mit dem Namen meines Sohnes auf dem Unterarm (dabei überlegte ich aber auch, dass der nicht auf ein Bild kommt und vorher bekannt wird). Heute sieht die Welt erstmal (das ändert sich z.Z. aber innerhalb von Stunden) wieder deutlich besser aus. Es gibt Glück im Unglück, auch wenn der Weg hart wird, aber das kleine Wörtchen „tot“ ist doch wieder ziemlich weit weg. Allerdings unter der Voraussetzung – und wir sitzen hier wie auf Kohlen, dass das Telefon mit dem Bescheid des Schnelltests endlich klingelt – dass da kein genetischer Defekt vorliegt (was aber auch unwahrscheinlich ist). Nach dem Lauf gestern und der freudigeren Zukunft seit heute sehe ich dem Roth-Start dann doch wieder positiv entgegen und die nicht vorhandenen Trainingseinheiten beunruhigen mich auch gar nicht mehr, denn eine Zielzeit ist nochmal unwichtiger geworden, aber der Kopf dafür um so klarer. Ich weiß wofür ich im kämpfe und das gibt mir ganz viel Kraft.

Roth ich komme!

PS: Falls jemand mehr wissen will und sich interessiert, was uns bevorstehen kann (!!!), dem sei folgender Artikel empfohlen. Beim Lesen aber bitte beachten, dass der Verlauf bei uns prinzipiell aber eher positiv sein wird. Der Artikel ist hier.

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Wenn das große Kribbeln kommt…

…dann ist die Vorbereitungszeit quasi vorbei und es geht ins Tapering. Jetzt kann man kein Training mehr nachholen, an keinem Parameter mehr wirklich drehen, höchstens noch ein bisschen feinjustieren. Die Zielzeitenrechnungen unterscheiden sich nur noch um Nuancen und werden sicherer, zumindest hinsichtlich Schwimmen und Radfahren. Was am Ende dann wirklich noch beim Lauf drin sein wird, wird man erst in 4 Wochen sehen bzw. dann schon gesehen haben, denn in 4 Wochen ist schon Tag 1 nach Roth. Und nach dem Auf und Ab des Wetters in den letzten Wochen kann auch das ziemlich dominierend an dem Tag werden. Ich wünsche mir kein Regen, keinen heftigen Wind (ein bisschen darf ruhig sein) und vor allem keine wirkliche Hitzeschlacht. 36 Grad, wie für morgen vorausgesagt, müssen an dem Tag wirklich nicht sein.

Aber nochmal zurück zu letztem Sonntag. Mein Start am Samstag hatte ich ziemlich schnell verarbeitet. Am Abend konnte ich schon wieder Treppen hochsprinten und im Endeffekt bleibt hängen, dass es eine gute Probe war und mir nur wirklich Speed und der Willen zum Quälen auf der Laufstrecke gefehlt hat, aber der ja auch nicht zu früh verpulvert werden soll, sondern beim Saisonhöhepunkt eingesetzt werden soll. Die Nacht war dann nicht sehr lang, denn am Sonntag stand wieder Helfen auf dem Programm. Ich war beim Schwimmen dabei und nachdem die Atmosphäre erneut passte, leistete ich nicht nur das ab, wozu ich eingeteilt war, sondern betreute dann auch noch die Zone kurz vorm Ziel auf der Laufstrecke. Es war einfach schön, viele glückliche Teilnehmer zu sehen bei der Veranstaltung, die man ein Stück selbst auch darstellt. Der Moritzburger Triathlonverein hat als Hauptziel ja nicht die sportliche Betätigung, sondern die Organisation der Veranstaltung und da tat es gut, dass wir viele positive Rückmeldungen bekamen. Ganz persönlich habe ich mich über eine Geschichte gefreut, auch wenn es mir irgendwie nicht gelingt, die wirklich mit Fakten zu hinterlegen. Letztes Jahr war ich Streckenposten an der Laufstrecke beim Jedermann und wir mussten lange warten, bis die Letzte an uns vorbei kam. Ich weiß nicht mehr, ob sie gefinisht hat, ob sie Letzte, Vorletzte oder doch noch etwas vorher war, aber zumindest hab ich das Mädel mit den zwei Zöpfen und ihren Qualen noch ziemlich vor Augen und dieses Jahr in das gleiche Gesicht zu blicken bzw. nicht mehr in das gleiche Gesicht zu blicken, tat gut. Denn diejenige hatte wohl einige Pfunde verloren und war kontinuierlich dran geblieben, denn dieses Mal war sie weit weit vor dem Ende und eher am Ende des Hauptfeldes unterwegs und das Lächeln wich nicht aus ihrem Gesicht. Zu sehen, dass Training anschlägt und Spaß bringt, tat sehr gut.
Leider gab es zwischen Olympischer Distanz und Jedermann und auch beim Abbau ziemich heftige Niederschläge, aber die konnten nur kurzzeitig die Stimmung vermiesen.

Nachdem zuletzt das Training sehr gelitten hatte, ging ich am Dienstag wieder auf die Bahn. Meine Standardlaufrunde konnte ich leider noch nicht als Runde absolvieren, sondern stand an einem Punkt dann doch noch vor dem Hochwasser und erklärte den Lauf kurzerhand zur Wendepunktstrecke.
Mittwoch wertete ich mit Daniel das Wochenende auf einer schönen gemeinsamen Radtour aus. Am Ende der 85 km merkte ich aber schon, was ich am Wochenende getan hatte und das die Speicher ohne Nachlegen auf der Tour ziemlich leer waren.
Am Donnerstag gab es dann die eigentliche Eröffnung der Freiwassersaison mit einer kleinen Runde in der Kiesgrube Pratzschwitz. Freitag strich ich den langen Lauf und widmete mich ganz meinem Fotojob – Hochzeit einer Bekannten fotografieren – bevor es am Abend noch zur Dankeschönparty vom Verein ging.
Samstag sollte es dann nochmal auf eine lange Radeinheit gehen. Irgendwie passte es diesmal zeittechnisch nicht so ganz zusammen und so ging ich allein auf eine Runde. Die Runde war wunderbar – eine große Runde durch den Landkreis Meißen. Es war richtig schön wieder mal viele neue Orte seiner Heimat kennen zu lernen. Die Sicht war bombastisch und der Wind günstig. Nur auf den letzten, der insgesamt 140 km, hat er genervt. Leider war zu dem Zeitpunkt auch kein wirklicher Flüssigkeitsvorrat mehr vorhanden und in über 5 Stunden nur ein Gel und ein Riegel zu essen war auch grenzwertig. Trotzdem kam ich mit einem Schnitt von 27 km/h wieder zu Hause an. Ordentlich essen und trinken, Wettkampfstimmung und 180 km in Roth mit 28 km/h oder mehr sollten gesetzt sein.
Am Abend war dann noch Bergfilmnacht in der Buschmühle in der Sächsischen Schweiz angesagt. Ich freute mich darauf und hatte auch große Lust, aber so ein Abend steht beispielhaft für die Entbehrungen die man während einer Langdistanzvorbereitung hinnehmen muss. Die Laune in meinem Kopf drehte sich schnell ins Negative als die Anfahrt durch das Hochwasser und ungenaue Angaben ziemlich schnell zur Tortour wurde. Endlich vor Ort war ich müde, abgespannt und nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Über 5 Stunden Rad verschwinden halt nicht mit 20 Minuten Wannenbad aus dem Körper. Nach drei Stunden brachen wir das dann ab und waren froh, als wir endlich im Bett lagen.

Dort lagen wir dann aber nicht bis zur völligen Erholungen, denn es klingelte der Wecker – Stadtlauf in Dresden war angesagt. Ich hatte mich für die 10 km Distanz gemeldet. So ein schneller Zehner ohne Schnee muss auch endlich mal sein. Zwischenzeitlich hatte ich noch überlegt mich auf die Halbmarathondistanz umzumelden, um meinen langen Lauf vom Freitag nachzuholen. Letztendlich war mir das aber alles egal. Ganz ehrlich – die Stadtlaufserie ist ziemlich perfekt organisiert. Ich sehe jetzt mal großzügig darüber hinweg, dass es keinen gesonderten Schalter zwischen Voranmeldern und Nachmeldern bei der Startnummernabholung am Sonntag gab. Aber so richtig Atmosphäre kommt da nicht auf. Keine Startnummer, kein Vorname den man ablesen kann, diesmal auch keine Medaille, auf den Bildern der farbliche Gleichklang. Es fühlt sich einfach nur wie eine lebende Litassäule an, obwohl objektiv betrachtet gar nicht so viel mehr Werbung als andersorts auf den T-Shirts ist. Und ganz persönlich betrachtet – als BMW-Kunde kostet mich der Start nichts, was ich wirklich dafür bereit wäre auszugeben – keine Ahnung, es würde mich aber auch nichts motivieren, da wirklich dran teilzunehmen. Durch das eher (gefühlte) schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch nicht wirklich die echt Konkurrenzsituation da. Die 10 km Läufe sind im Frühjahr, da ist der Lauf zu spät. Der Halbmarathon läuft eher so pro forma ab, beim 5er fehlt die Konkurrenz und der Eventcharakter ist für mich irgendwie nicht gegeben. Das mag aber auch mittlerweile an meiner Betrachtung als Triathlet liegen, aber trotzdem ist der Nachtlauf in Dresden dagegen ein absolutes Highlight. Die Vattenfall-City-Night in Berlin ist zwar gut, aber gegenüber Halbmarathon und Marathon fällt die auch deutlich ab, vielleicht sollte man das auch einfach alles nicht überbewerten.
Naja, genug geschwafelt, letztendlich bin ich über die 10 km gestartet und das Trägershirt wird dann in meinem Schrank nicht so ganz schnell deklassiert. Durchs Hochwasser gab es eine angepasste Streckenführung. Klar hatte die viele Wenden, aber irgendwie war ich doch ziemlich schnell allein unterwegs, unterwegs zwischen schnellen Läufern und „allgemeiner Bevölkerung“. Die erste von drei Runden ging noch halbwegs, aber dann wurde es eng. Bestzeit war außer Sicht also einfach nur noch als Tempoeinheit finishen. Leider verfehlte ich dabei auch die 45 Minuten Marke, wenn auch knapp. Ohne das Event wäre ich am Sonntag aber evtl. nicht laufen gegangen und damit ist das für Roth ziemlich gut.
Und auch wenn es nur wenige Einheiten waren, am Ende standen knapp 11 Stunden auf der Wochenzusammenfassung. Das Kribbeln wächst.

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Aus den Fluten auferstanden

Die letzten beiden Wochen waren einfach nur zum Ertrinken und ich mag auch gar nicht so sehr auf Details eingehen. Ich kann einfach keinen Regen mehr sehen und vor allem deshalb wurde die vorletzte Trainingswoche zur Katastrophe. Ich war da mal in der Halle schwimmen, aber das war es dann schon auch fast, denn draußen konnte man auch nur noch Schwimmen, ob im Wasser, auf der Laufstrecke oder mit dem Rad.

Die Verpflichtung für mein Firmen-Team bei der Team-Challenge Dresden hat mich einzig und allein an dem Tag bewegt mich doch noch abends auf in Richtung Innenstadt zu machen und mich in den Startblock zu begeben. Als Einzelstarter wäre ich garantiert zu Hause geblieben. Aber es hat sich gelohnt, der vorhergesagte Starkregen kam dann doch gar nicht, sondern es war eher Nieselregen als der Startschuss fiel. Wie schrieb heute jemand so schön: „die 5 km Distanz ist eher unbeliebt, weil es jedesmal das Gleiche ist, man geht viel zu schnell an, um bei km 3 festzustellen, dass man nicht mehr kann und auch keine Zeit hat mehr sich zu erholen und einbricht“. So ungefähr sah es auch bei mir zum wiederholten Male aus, nur schaffte ich es mich nach dem ersten Kilometer etwas zu bremsen, um dann nicht wirklich einzugehen, aber Kraft für einen echten Endspurt hatte ich auch nicht mehr zumal mir 500 m vor dem Ziel der Schnürsenkel aufgegangen war. Zubinden hätte mich aber zuviel Zeit gekostet, also bin ich weitergelaufen mit ordentlichem schönen Kniehub und mit gemischten Gefühlen ins Ziel gekommen. Einerseits hab ich meine 5 km Bestzeit deutlich verbessert, andererseits die 20 Minuten Marke immer noch deutlich verfehlt – am Ende standen 20:23 Min auf der Uhr.

Nach der Team Challenge kam das Frustwochenende schlechthin. Freitagabend war nach Arbeit wieder Wolkenbruch verhergesagt und eigentlich auf dem Wetterradar auch sichtbar und so entschied ich mich dafür doch lieber den Wochenendeinkauf zu erledigen. Völlig falsch. Das Gewitter kam 3 Stunden später und es wäre DIE Trainingszeit gewesen, aber so hoffte ich aufs Wochenende. Dies wurde mehr als enttäuscht, denn es war das ganze Wochenende einfach nur nass. Der Duathlon in Falkenstein wurde zum Lauf erklärt, der Ironman in der Schweiz abgebrochen und ich blieb einfach zu Hause. Der Frust hatte aber auch was Gutes, denn ich bin mir wirklich nicht sicher, wie es nach Roth weiter geht und ob ich mich dann überhaupt noch für Training motivieren kann, aber so gefrustet zu sein, dass ich nicht raus kann, nicht aufs Rad kann,… – das alles gibt mir doch die Überzeugung, dass ich ohne Sport nicht kann und auch langfristig weiter mache.

Ab spätestens Sonntag wurde das dann alles nicht mehr lustig. Die Not und Informationsnachfrage der Bürger stieg deutlich an (ich bin beruflich mitverantwortlich für http://www.dresden.de) und mit dem steigenden Pegel durch die Regenschauer ließ die Lust auf Training schlagartig nach. Da steht dann erstmal anderes an erster Stelle. Sabine kam mit einem der letzten regulär verlaufenden Züge aus Dresden zur Wohungsübergabe nach Leipzig und verbrachte da bei einer Freundin auch noch zwei Nächte, während in Dresden die Situation kritisch wurde.
Dienstag war kopfmäßig am schlimmsten. Eigentlich stünde Training auf dem Plan, andererseits war niemand auf der Leipziger Straße beim Schutzaufbau und das Wasser kam immer näher und am Abend war Startertüten packen im Verein für den Schlosstriathlon Moritzburg angesagt. Über dem Abend lag auch die Stimmung, sollen wir oder sollen wir nicht. Aber erstmal weiter packen und auch wenn wir diesmal ein paar weniger waren, ging es doch schneller. So ganz nach Plausch war wohl auch niemand zumute und nachdem die Tüten gepackt waren wechselte ich die Sachen und stapelte in meiner Straße Sandsäcke. Der Fahrstuhl war tot, die Tiefgarage sollte nicht mehr benutzt werden und am nächsten Tag war dann auch der Kabelanschluss hinüber. Das Gerücht der Stromabschaltung, welches ich beim Starterüten packen übermittelt bekam, bestätigte sich zum Glück nicht. Mittwoch der gleiche „Spaß“, Notfallseite auf Arbeit betreuen, Startnummern und Chips zuordnen und dann wieder Sandsäcke. Zum Glück gab es mittlerweile etwas gesicherte Vorhersagen und das Wochenende könnte etwas entspannter werden, alle Stellen (Polizei, Landratsamt, Sanitäter,…) gaben uns auch grünes Licht und bestärkten uns den Schlosstriathlon 2013 durchzuführen und so gab es dann auch die Entscheidung, dass wir das Event durchziehen.

Irgendwie wäre es auch blöd gewesen, nicht zu starten. Die Starter kamen mehrheitlich von außerhalb und könnten direkt vor Ort eine Einschränkung nicht nachvollziehen, es wäre einer der wenigen Triathlons dieser Saison, die auch ordentlich als Triathlon über die Bühne gehen könnten und so stieg Wetter, Laune und Wassertemperatur.
Am Donnerstag hieß es Atem anhalten, der Pegelhöchststand war erreicht, die Vorbereitungen für den Triathlon waren weitgehenst getroffen und tapern musste man ja auch noch 🙂 Tapern hieß in dem Fall aber nur, mal versuchen etwas mehr zu schlafen, denn eine Trainingseinheit gab es nach wie vor nicht. Mein Laufrevier stand ja auch unter Wasser und an Sandsäcken vorbei zu laufen hatte ich irgendwie keine Lust. Da fühlt man sich dann auch schnell schlecht, obwohl man selbst mit gestapelt hat.

Freitag muss man nun wirklich keine Trainingseinheit mehr einlegen, wenn es am Samstag zum Wettkampf gehen würde. Der Aufbau ging zügig vonstatten, so dass ich nach Feierabend gar nicht mehr helfen konnte und stattdessen friedlichen Minuten bei der Pasta-Party geniesen durfte als es mal nicht nur um Hochwasser ging. Die Gespräche taten gut und endlich kam so etwas wie Vor-Wettkampf-Stimmung auf. Der Start am Samstag war trotzdem doof. Die Woche war noch im Körper und statt Freitagabend durchzuatmen musste man auch Wettkampfutensilien zusammensuchen. Schnell besorgte ich mir noch die neue Vereinskleidung, um dann ganz unvernünftigerweise mit neuen Sachen am Samstag am Start zu stehen.

Vor dem Start

Vor dem Start

Samstagmorgen hatte sich die Hochwassersituation weiter entspannt und ich war froh, dass richtige Wettkampfnervosität eintrat. Isabell, Michael und Uwe waren schon auf der Strecke als mein Wecker klingelte. Aber bald war auch ich bereit. Den ersten Parkplatz und einen längeren Fussmarsch nahm ich in Kauf und traf auf dem Parkplatz noch Katrin. Noch schnell die Entscheidung für die Laufschuhe und dann ging es los, Badelatschen vergessen für den Weg zum Schwimmstart, neue Pulsuhr nicht mehr mit meiner Lieblingsanzeige eingestellt und auch an das Startnummernband hat mich nur kurz vorher Sabine erinnert.
In der Vorbereitungszeit entschied ich mich noch für den Kauf eines Schnellschnürsystems für die Laufschuhe, mit den Brooks T7 Racer (in denen ein solches schon vorhanden war) wollte ich nicht wirklich laufen, wenn ich nach 95 km vom Rad steige. Auf dem Weg zum Schwimmstart traf ich dann auch meine Eltern. Ich schwamm mich kurz ein – erstes Freiwasser dieser Saison – und war eigentlich guten Mutes. Oder auch nicht, das Schwimmen gab mir gerade ein gutes Gefühl, insgesamt spürte ich aber noch keinen Biss und ging davon aus, nach der ersten Laufrunde auszusteigen. Kurz vor dem Startschuss fragte ich mich dann wieder, warum ich das mache, aber ich war auch mit Marcus im Gespräch und so hatte ich gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken.

Startschuss

Startschuss

Schuss und ab. Nach ca. 200 m setzte es einen gewaltigen Tritt in mein Gesicht, etwas Wasser lief in meine Brille, aber sonst war eigentlich alles gut. Ich entschied mich dafür in dem Getümmel nicht das Wasser aus meiner Brille zu bringen, sondern einfach weiter zu schwimmen. Blöd war nur, dass ich jetzt noch weniger sah. Eigentlich trage ich eine Brille, jetzt habe ich noch Wasser in der Schwimmbrille und das Schlimmste die Bojen und auch alle Köpfe sind Gelb. Leider bin ich in der Welle mit den gelben Badekappen und Bojen und Köpfe zu unterscheiden ist echt schwer. Viel blöder ist aber, dass ich scheinbar alles Techniktraining vergessen habe und zwar wohl nicht ganz langsam, aber gar nicht koordiniert durch den Schlossteich pflüge. Ich merke, wie schlecht ich schwimme, aber kann es nicht abstellen, ab und zu gelingt mir mal ein Zug, bei dem ich richtig durchziehe, aber dann ist gleich wieder die Orientierung dahin, immer mehr mache ich ein paar Züge Brust um ich zu orientieren.
Schwimmausstieg

Schwimmausstieg

Irgendwann war es aber auch geschafft und beim Schwimmausstieg brachte ich es auch schon wieder fertig auf die richtige Präsentation der Vereinskleidung für den Fotografen zu achten.
Den Wechsel nahm ich ziemlich entspannt und Danke Tape verlor ich diesmal nicht die Aeroflasche und machte mich auf die Radstrecke. In Bärwalde auf dem Kopfsteinpflaster nahm ich dann aber die Dusche, weil die Aerobottle auf ging. Auf den ersten Kilometern fühle es sich schwer an und ich überlegte echt, ob es denn Sinn machen würde. Dabei sagte ich mir aber auch, es würde Kopftraining sein, völlig demotiviert dennoch mit einer 26er Speed den Radpart hinter sich zu bekommen. Nach ein paar Kilometern auf der Runde stieg die Durchschnittsgeschwindigkeit aber kontinuierlich an. Ich hatte inzwischen auch aufgegeben meine Pulsuhr mit dem GPS-Sensor und dem Trittfrequenz-Sensor zu verbinden. Ich hatte wohl das falsche Radprofil gewählt. Ich fuhr und fuhr und fuhr und wurde überholt und ja ich überholte auch den einen oder anderen, aber eigentlich blieb alles gleich. Am Ende der zweiten (von dreien) Radrunde sah ich Gewitterblitze in der Ferne und legte noch einen Zahn zu und so überholte ich in der dritten Runde noch einige.
Radstart

Radstart

Bemerkenswert kam mir dabei vor, dass ich bergauf ziemlich stark war. Nach denkbar optimaler Zeit ging auch die dritte Radrunde mit einer Speed über 30 km/h zu Ende und ich war mehr als zufrieden. Ich könnte das Ergebnis bis jetzt – auch wenn ich jetzt abbreche – meinem Kopf auf jeden Fall für ein gutes Ergebnis verkaufen.

Laufstart

Laufstart

Der Wechsel auf den Lauf verlief unproblematisch und schnell, das Schnellschnürsystem war echt gut und das Experiment mit den neuen Vereinssachen klappte auch richtig gut. Also die Vereinskleidung sitzt echt tadellos, aber einen großen Anteil hat auch die Sitzcreme. Gegenüber dem Duathlon sind da Welten in meinem Gefühl. Ich kann den Sattel noch optimieren, aber insgesamt doch sehr entspannt vom Sattel zu steigen ist echt gut. Ich war deutlich schneller (4:50 Min/km) als gedacht (5:20 Min/km) in der ersten Runde, aber es fühlte sich entspannt an. Leider war nach 300 m auf der zweiten Runde der Ofen aus. Wenn das 500 m eher passiert wäre, wäre ich wohl ausgestiegen. Auf einmal fühlte sich alles schwer an, ich musste mich anstrengen, aber auf anstrengen war ich irgendwie nicht ausgerichtet und ich war ja im Durchschnitt noch deutlich unter der Geschwindigkeit unter der ich laufen wollte, also alles entspannt. Außerdem sagte ich mir auch, dass das ja nur ein Trainingswettkampf ist und ich hier eigentlich auch nur 95 Prozent geben soll. Das entspannte Gefühl setzte sich irgendwie durch. Auf der Radstrecke hatte ich schon das falsche Radprofil auf der Uhr gewählt und so keine Trittfrequenz und Geschwindigkeit (die hatte ich aber über den separaten Radtacho) und vorher hatte ich ja meine Lieblingsansicht vergessen einzustellen und so auch keine Ahnung wie es mit der Gesamtzeit aussieht, war mir aber auch egal. Ich war sehr sehr glücklich über meinen Radsplit und hatte noch genug Kraft zum Laufen. Mein Kopf spielte dennoch nicht so richtig mit, denn statt sich zu freuen, sah er die Qualen auf der Laufstrecke und als ich mich auf der dritten und letzten Runde mal entschloss einfach Freude zu haben ging es auch besser und schneller, aber irgendwie hielt das nicht an. Dennoch bin ich überglücklich ins Ziel gelaufen und ich bin nicht gegangen zwischendurch und ich bin deutlich unter den angestrebten 6 Stunden geblieben.
Zieleinlauf

Zieleinlauf

Also alles okay bzw. Schwimmen naja, Radfahren gut, Laufen brauchbar. Klingt für mich als Kritiker an mir selbst jetzt gar nicht so schlecht. Am Abend gab es dann noch eine schöne Überraschung im Briefkasten, ich habe bei swim.de ein tolles Handtuch gewonnen. So fühlte ich mich dann wirklich wie ein Sieger.

Die letzten zwei Wochen waren vom Training echt blöd und kosten mich in Roth bestimmt auch ein paar Minuten, aber insgesamt kann es vorwärts gehen.
Meine Roth-Startnummer und Zuteilung auf die letzte (langsamste) Startgruppe gefällt mir irgendwie nicht so doll und mit einer Zielzeit von 13 h finde ich das auch komisch, aber so kann es nur nach vorn gehen und befreit mich vom Kopf auch, denn jeden den ich an dem Tag dann überhole, überhole ich auch in der Nettozeit! So wird das Denken an dem Tag wieder einfacher und die Motivation leichter.

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