Wundertüte – Pöhler Triathlon

Nach einem schönen von Manu organisierten Abendessen mit ein paar Lauffreunden am Samstagabend nach dem Nachtlauf hieß es am Sonntagmorgen nicht gar zu lange schlafen. Der Pöhler Triathlon stand vor der Tür. Zwar ist erst 14 Uhr statt, aber ich hatte noch nix zusammengepackt und auch noch knapp 150 km Wegstrecke vor mir.
Ich musste schon mit mir kämpfen überhaupt loszufahren. Meine Lust hielt sich doch arg in Grenzen und nach dem Fiasko am Freitag hab ich da eigentlich nur die nächste Katastrophe erwartet. Es lockte aber auch ein schönes Event – vor zwei Jahren war das mein zweiter Triathlon und hat mir doch sehr gut gefallen. Also Sachen zusammen suchen, frühstücken und los. Ich freute mich auf den Tag, wollte ruhig den Wettbewerb absolvieren und danach noch ein bisschen baden. Auf der Autobahn in Höhe Chemitz – also schon bei ca. der Hälfte der Strecke – gab es einen grellen Schrei meinerseits im Auto. Sabine rätselte etwas Chip? Startnummernband? – nein leider viel schlimmer – Helm vergessen. Ohne Helm wäre ein Start nicht möglich. Startnummerband kann man ersetzen und auch Schuhe vergessen wäre nicht so schlimm, da ich zu solchen Events meistens auch mit ein paar Laufschuhen hinfahre, aber Helm würde nur über Nachkauf gehen. Ich versuchte noch meinen Bruder zu erreichen, aber der war leider gar nicht in der Nähe von Chemnitz, ein Bekannter, der auch dort starten würde, war ebenfalls schon losgefahren also blieb mir nur die Hoffnung auf eine Leihgabe von evtl. irgendeinem Helfer oder der Nachkauf. Vor Ort angekommen war die Sache aber ganz schnell geregelt, auf dem Parkplatz den Nachbarn gefragt und da er öfter bei Veranstaltungen den Radservice macht, hatte er auch einen Leihhelm dabei.

Jetzt hieß es anmelden, einchecken, umziehen und Wechselplatz fertig machen. Die Veranstaltung war ausgebucht und so suchten noch einige einen Startplatz. Ich überlegte die ganze Zeit noch, ob ich nicht wieder auschecken sollte und jemand anderem die Chance geben sollte, der richtig Lust auf die Veranstaltung hatte, hab mich dann aber doch entschieden zu starten. Der Veranstalter war außerdem so kulant und hat die teilweise von weit entfernt angereisten Sportler noch alle starten lassen, so dass auch ein neuer Teilnehmerrekord von 615 Teilnehmern aufgestellt wurde. Super Sache. Schön, dass es noch solche Veranstaltungen gibt, wo dann die Nachmelder mit schnell handgemalten Startnummern auf die Strecke gehen.

Schließlich hieß es Schuß und los. Für mich in der ersten Startgruppe von dreien. In der Vorbetrachtung fand ich es blöd in der schnellen Welle starten zu müssen, aber im Wettkampf selbst war es schön, denn es passierte genau das nicht, was in Roth passierte. Trotzdem man nicht vorn mitmischte, war man noch mittendrin, denn es gab noch zwei Gruppen danach, die jeweils mit 8 Minuten Abstand starteten. Achso, wir sprechen beim Pöhler Triathlon übrigens von einem Sprint, also 750 m schwimmen (ich glaube aber die eine Boje war etwas abgetrieben und es war weiter, aber nicht so weit wie vor zwei Jahren), 20 km Rad (diesmal einmal um den Stausee, vor zwei Jahren gab es da eine Ersatzstrecke) und 5,9 km Lauf aufgeteilt in zwei Runden. Ich schwamm eigentlich ganz ordentlich (für meine Verhältnisse), aber kam doch mehr und mehr am Ende des Feldes an. Es gab durch den immer stärker werdenden Wind doch auch ein bisschen Wellengang und so schluckte ich ab und an Wasser bis ich schließlich noch kurz vor der ersten Boje zu Brust wechselte. Das war entspannter. Auf dem Weg zur zweiten Boje ging es gut und zügig wieder mit Kraul weiter, aber irgendwie gefiel mir Brust besser und warum sich abquälen nur um einen Tick schneller zu sein und ein paar Plätze weiter vorn, die sowieso niemand interessieren. Ich wollte das Event geniesen und so schwamm ich ruhig Brust weiter, es ging für mich nicht um Plätze oder Zeiten. Ich wollte und will wieder bei mir ankommen und in der schwierigen privaten Situation ein bisschen Abwechslung und Spaß haben. Aus der zweiten Startgruppe gab es nur ganz wenige, die mich einholten (das hätte ich schlimmer erwartet) als ich entspannt aus dem Wasser stieg. Beim Lauf zu meinem Rad merkte ich, dass ich bei den mir Umgebenden derjenige war, der vom Schwimmen nicht fertig war, sondern locker flockig loslaufen konnte. Beim Wechsel hab ich mir trotzdem Zeit gelassen (aber ohne wirklich zu bummeln) und ab ging es auf die Strecke. Streckenkenntnis ist echt von Vorteil, denn im Gegensatz zu meinem ersten Start hatte ich diesmal einen kleinen Gang drauf und so war die Rampe, die kam, um wirklich auf die Radstrecke zu kommen für mich kein Problem.
Überraschend zügig ging es vorran, doch mit den ersten Höhenmetern wurde dann die 30 km/h Marke doch unterschritten, obwohl dort wohl einige auch mit 30 km/h hochfahren. Der Wind stand auf den ersten Kilometern auch günstig, aber es war doch ein ständiges bergauf bergab. Immer wieder kleine giftige Anstiege. Auf der kleinen Runde gab es insgesamt 280 Höhenmeter – im Vergleich also war der Kurs bergiger als Roth. Die angekündigte böse Stelle mit dem frischen groben Split fand ich dann gar nicht so schlimm, also vom Split her, ich hätte gern den einen oder anderen Gang mehr gehabt, aber bald danach war es dann auch schon geschafft und die Zentimeter, die ich vorher zu zeitig aufgestiegen war, stieg ich nur mehrfach zu zeitig ab. Das auf dem Tacho nur ein Durchschnitt von 26,5 km/h stand, war einfach nur eine Information – es interessierte mich eigentlich nicht, ich hatte es geschafft. Ab zum Platz, Schuhe wechseln und weiter.
Ohne jeden Druck ganz locker laufen, nur keinen Stress. Es ging gleich munter bergauf. Über 7:00 Min/km auf der Uhr wechselten dann aber doch bald auf 5:10 Min/km und der Puls war diesmal wenigstens nicht bei 180, sondern „nur“ bei 170. Ich lief bewusst locker, freute mich Sabine zu sehen, war froh, dass ich Streckenkenntnis hatte und den steilen Anstieg am Campingplatz kannte und dort einsammelte. Überhaupt, obwohl ich richtig locker machte wurde ich nicht groß überholt, zumindest konnte ich ungefähr genauso viele Leute auch einsammeln. Sabine wieder treffen, am Ziel vorbei auf die zweite Runde, von der Strecke abweichen und Sabine einen Kuss geben – es ging ja nicht um Zeit und mir war danach – und weiter gehts. Ein ganz klein wenig geärgert hab ich mich dann, dass ich den Kampf mit einem aus meiner Startgruppe dann doch verlor. Wir überholten uns ständig gegenseitig, am Berg war ich immer stärker, aber so 1,5 km vorm Ziel zog er an, ich ging mit, aber schließlich konnte ich ihn dann doch nicht mehr halten, zumindest nicht mit einer entspannten Einstellung. Aber egal. Ich war im Ziel und war glücklich. Der Wettkampf war von Kilometer zu Kilometer immer mehr mein Freund geworden.

Zielverpflegung genießen, Schweiß abbaden, Tasche packen, auschecken (einzige Kritik am Veranstalter: das geht gar nicht – so ohne Kontrolle, ich will nicht, dass da jemand mit dem Rad seiner Wahl rausspazieren kann), Massage mitnehmen, Auto einräumen und dann Belohnungsbier. Als ich das so gemütlich saß kam eine Bekannte vorbei und gratulierte mir zum dritten Platz. „Hä?“, „Wie bitte?“, „Das kann nicht sein!“ – „Doch, die haben Dich bei der Siegerehrung aufgerufen!“ – ungläubig spazierte ich zur Siegerehrung, traf dort noch Vereinskollegen und auch die bestätigten mir das. Ich hätte tatsächlich auf dem Podest gestanden. Aber ich hab es verpasst. Keine Angst liebe Leser, es ist kein Understatement, was ich hier mit der Leistung vorher an den Tag gelegt habe, es war wirklich auf für einen Untrainierten sehr entspannt. Ich bin lediglich Dritter meiner Altersklasse in der Sachsenmeisterschaft geworden. Und das wahrscheinlich nur deswegen, weil ganz viele Leute, die vor mir rein sind halt keinen Startpass besitzen. Aber egal – ich freue mich trotzdem und es tut mir gerade richtig gut. Nur blöd, dass ich jetzt nix davon habe, kein Podiumsgefühl, kein Bild, nix – aber den nicht Anwesenden soll wohl die Urkunde zugeschickt werden. Da bin ich ja mal gespannt, so richtig glauben kann ich das immer noch nicht. Es ist aber bemerkenswert, was sowas auslöst – ich überlege jetzt tatsächlich doch noch beim Knappenman zu starten und habe da auch wieder Zuversicht ins Ziel zu kommen. Auch da ist mir alles egal, ich muss nur 5:00 h nach Rad und Schwimmen und 8:00 h insgesamt schaffen, das sind die Cut-Off-Zeiten, aber das sollte doch zu machen sein.
So wie ich privat aber jetzt nur von Untersuchung zu Untersuchung denke, so denke ich im Sport jetzt nur von Event zu Event, also vorerst sind die Bestzeitenambitionen zum Dresden Marathon gestrichen.

Es bleibt auf jeden Fall spannend. Als ich den Blog gegründet habe, hatte ich ja Angst, dass ich dann schon bald gar nix mehr zu sagen habe, aber das Gefühl habe ich gerade gar nicht.

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Eine Antwort zu Wundertüte – Pöhler Triathlon

  1. Manu schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz! Echt schade, dass Du die Siegerehrung verpasst hast! Das wäre doch noch ein toller Abschluss gewesen. Und glücklicherweise konntest Du auch noch so schnell einen Ersatzhelm besorgen 🙂

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