Jährliche Statuskontrolle – Nachtlauf Dresden

Nachtlaufmedaillen

Nachtlaufmedaillen

Zum vierten Mal fand der Nachtlauf Dresden gestern abend statt und zum vierten Mal war ich dabei. Schöne Tradition – sollte ich unbedingt beibehalten.
Ging es beim ersten Mal noch drum, überhaupt wieder Laufen zu können – ich hatte im Winter gerade angefangen und große Knieprobleme, doch mit den ersten ordentlichen Schuhen ging es dann doch noch gut – und anzukommen. Es war damals meine längste Strecke, die ich jemals gelaufen war. So war in den anderen beiden Jahren der Ehrgeiz geweckt und ich wollte eine gute Zeit und dieses Jahr?

Dieses Jahr ging es wohl eher wieder ums Ankommen bzw. erstmal ums Loslaufen. In den vergangenen Wochen habe ich wieder nichts gemacht außer mich einmal beim Lauftreff sehen lassen und nach den 10 km dort hatte ich ganz schön Muskelkater. Gestern dann war es so gemütlich nach Arbeit auf dem Sofa und ich hatte irgendwie nicht so richtig Motivation loszulaufen. Irgendwann riss ich mich dann aber doch zusammen, zog mich um und machte los und von da an war alles gut. Es war schön sich durch die immer dichter werdenden Menschenmassen zum Stadtfest zu kämpfen und hier und da schon einen Läufer zu entdecken. Am Start angekommen, gab ich meine Sachen ab und hielt dann hier und da noch ein Schwätzchen. Es war eine schöne Stimmung. Ab und an gab es auch die Frage, was man sich denn vorgenommen habe. Und ohne groß Nachzudenken, sondern weil es sich eher schon so herausgebildet hatte, gab es das Optimal-, Normal- und Minimalziel. Optimalziel wäre – wie die letzten Jahre auch – unter einer Stunde für die 13,6 km zu bleiben, wirklich zu erreichen glaubte ich eher eine Zeit um 1:05 h und minimal wollte ich zumindest schneller als beim ersten Nachtlauf bleiben, was unter 1:14 h heißen würde. Ich lief mich dann noch etwas ein und reihte mich bald in die Startaufstellung ein, die seit letztem Jahr in Blöcken aufgeteilt ist und diesmal auch noch der Startkanal verengt ist, so dass sich das Feld schön langzieht und man sich auf dem schmalen Radweg nicht über den Haufen rennt. Diesmal war der Start auch etwas zeitiger und nicht erst zum Sonnenuntergang, so dass die Kopfsteinpflasterpassage beim Blauen Wunder noch mit ordentlich Restlicht passiert werden kann. Bei der Laola-Welle machten auch die ambitionierten Leute in den ersten Reihen ordentlich mit und kurz darauf ging es dann los.

Schuss und ab. Es fühlte sich ganz gut an, ich sah auf die Uhr und war doppelt überrascht. Da stand kurz nach der ersten Kurve – also noch weit vor dem ersten Kilometerschild ein Pace von 4:00 Min/km und ich dachte eigentlich, dass müsste sich viel schlimmer anfühlen, andererseits stand da auch ein Puls von über 180. Hä? Das hab ich sonst kaum im Zielsprint. Das spinnt bestimmt meine Uhr und zeigt mir den Puls von jemand um mich herum an. Ich lief locker weiter, entdeckte zwei Läufer vom LSV, dachte, dass die bestimmt schön gleichmäßig laufen und orientierte mich an denen. Km 1 war nach 4:10 Min erledigt, km 2 nach weiteren 4:11, aber der Puls kletterte eher noch, es wurde schon schwerer und Läufer um mich herum setzten sich reihenweise nach vorn ab. Es war also wohl wirklich mein Puls und ich versuchte etwas ruhiger zu machen, damit ich das überhaupt durchhalte. Nach km 2 ging es dann auch ziemlich schnell bergab mit meiner Geschwindigkeit 4:30 oder 4:45 Min/km zu halten, gab ich schnell auf und versuchte eher insgesamt unter 5:00 Min/km zu bleiben. Doch es wurde schwer. Bald gab es die erste Verpflegungsstelle – hatte ich in den letzten Jahren diese immer ausgelassen, um schneller vorwärts zu kommen, so ging ich diesmal sogar ein paar Schritte, um das kühle Nass auch vollständig aufnehmen zu können. Weiter ging es und es blieb hart. Am Blauen Wunder sah ich auf einmal Reiner als Streckenposten – ich hatte mir irgendwie eingebildet, dass er gar nicht da ist – der Puls blieb hoch und als ich ihn passiert hatte, fragte ich mich innerlich, ob ich nicht aufhören sollte oder zumindest mal stoppen und ihn kurz nach seinem Rat fragen. Nun war ich aber schon weiter also lief ich auch weiter und freute mich schon auf die nächste Verpflegungsstation. Das zog sich noch ein bisschen, aber um so länger der Weg bis dahin wäre, um so kürzer wäre der Weg danach bis ins Ziel, also alles gut. Nur mir ging es nicht wirklich gut, die 5:00 Min/km konnte ich nicht halten. An der zweiten Verpflegungsstation ging ich wieder, nahm mir zwei sehr volle Becher und trank die ruhig aus. Der letzte Schluck ging noch über den Kopf und wieder weiter. Nun kämpfte ich eigentlich nur noch mit mir und gegen den Wunsch einfach dahin zu schlendern. Dabei genoss ich den Anblick der nun im Dunkeln liegenden aber bereits beleuchteten Waldschlösschenbrücke. Ich hatte Bilder in der Zeitung von der Probebeleuchtung an Tag zuvor gesehen und mich gefragt, ob die heute wohl auch brennt oder ob die bis zur offiziellen Eröffnung nächste Woche wieder abgeschaltet ist. Gehen – das würde ich nicht machen, ich würde wenigstens ordentlich durchlaufen. Die 1:05 h waren nicht mehr zu erreichen und auch auf einen Schnitt von 5:00 Min/km insgesamt würde ich nicht so richtig mehr eine Chance haben, aber 1:10 h sollten machbar sein. Die Albertbrücke war nochmal böse, aber dann war schon bald der letzte Mini-Anstieg an der Synagoge erreicht und jetzt ging es nur noch über die Zielgerade. Glücklich nahm ich meine Medaille entgegen. Traf noch ein paar Leute, aber wollte mich schnell aus dem Staub machen. Als ich nach ein paar Bechern Wasser in Ruhe mein alkfreies Bier trank ging es mir richtig schlecht. Mein Asthma-Spray lag natürlich zu Hause, aber ich machte ruhig und vermied noch zum Sanitäter zu gehen. Allerdings beschloss ich in den Momenten, dass die Saison 2013 hiermit zu Ende ist.

Knappenman-Halbdistanz in einer Woche kann ich mir irgendwie nicht vorstellen und eine Bestzeit beim Dresden Marathon dürfte z.Z. auch nicht drin sein. Morgen bin ich noch in Pöhl bei einer Sprintdistanz gemeldet und werde wohl auch fahren, aber das von Anfang an sehr ruhig angehen. Es macht einfach keinen Sinn. Es gibt derzeit einfach wichtigeres im Leben und das läßt mich aber oft nicht schlafen, wir durchleben eine schreckliche Achterbahn der Gefühle und wenn ich endlich mal schlafe, dann gönne ich mir jede einzelne Minute auch und stehe nicht zeitiger auf, um noch eine Runde laufen zu gehen. Falls alles in den nächsten Wochen wieder in einen Rhythmus kommt und ich wieder trainiere, kann ich mich auch noch kurzfristig zum Dresden Marathon melden, aber prinzipiell wird es eher mir dem OEM 2014 weiter gehen.

Das Fiasko in Zahlen kann man sich auf meiner Aufzeichnung betrachten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Lauftreff, Nachtlauf, Wettkampf/Event veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Jährliche Statuskontrolle – Nachtlauf Dresden

  1. Heiko schreibt:

    Hallo Ralf,

    auch wenn es Dir vielleicht nicht wirklich hilft: Kopf hoch, es kommen auch wieder bessere Zeiten. Sehe den Sport als was erholsames an. Leistungsdruck komplett raus und wirklich nur aus Spaß und Freude. Was auch immer so bei Euch geschieht, ich wünsche Euch viel Kraft und Ausdauer um alles vernünftig zu überstehen.

    Mit besten Grüßen

    Heiko

    • Ralf schreibt:

      Hat am Sonntag in Pöhl zumindest schon mal funktioniert. Nach dem Knappenman (wenn ich ihn denn mache) ist die Saison aber trotzdem vorbei.

  2. Din schreibt:

    Lieber Ralf,

    ich fühle mit dir. Über meinen letzten Triathlon möchte ich eigentlich auch nicht mehr nachdenken… Trotzdem: super, du hast gefinished. Dafür schicke ich dir natürlich auch Glückwünsche. Manchmal wünscht man sich, dass es besser oder sogar viel viel besser gelaufen wäre, aber was soll’s…

    Weiterhin viel Kraft und alles Liebe,
    Din

    • Ralf schreibt:

      Vielen Dank Din, ich muss endlich mal bei Dir nachlesen, wie es Dir so ergangen ist, da wartet immer noch der Bericht Deiner ersten Halbdistanz drauf gelesen zu werden. Vielleicht komme ich dann in Berlin zur Marathonstaffel wenigstens zum anfeuern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s