Wenn das große Kribbeln kommt…

…dann ist die Vorbereitungszeit quasi vorbei und es geht ins Tapering. Jetzt kann man kein Training mehr nachholen, an keinem Parameter mehr wirklich drehen, höchstens noch ein bisschen feinjustieren. Die Zielzeitenrechnungen unterscheiden sich nur noch um Nuancen und werden sicherer, zumindest hinsichtlich Schwimmen und Radfahren. Was am Ende dann wirklich noch beim Lauf drin sein wird, wird man erst in 4 Wochen sehen bzw. dann schon gesehen haben, denn in 4 Wochen ist schon Tag 1 nach Roth. Und nach dem Auf und Ab des Wetters in den letzten Wochen kann auch das ziemlich dominierend an dem Tag werden. Ich wünsche mir kein Regen, keinen heftigen Wind (ein bisschen darf ruhig sein) und vor allem keine wirkliche Hitzeschlacht. 36 Grad, wie für morgen vorausgesagt, müssen an dem Tag wirklich nicht sein.

Aber nochmal zurück zu letztem Sonntag. Mein Start am Samstag hatte ich ziemlich schnell verarbeitet. Am Abend konnte ich schon wieder Treppen hochsprinten und im Endeffekt bleibt hängen, dass es eine gute Probe war und mir nur wirklich Speed und der Willen zum Quälen auf der Laufstrecke gefehlt hat, aber der ja auch nicht zu früh verpulvert werden soll, sondern beim Saisonhöhepunkt eingesetzt werden soll. Die Nacht war dann nicht sehr lang, denn am Sonntag stand wieder Helfen auf dem Programm. Ich war beim Schwimmen dabei und nachdem die Atmosphäre erneut passte, leistete ich nicht nur das ab, wozu ich eingeteilt war, sondern betreute dann auch noch die Zone kurz vorm Ziel auf der Laufstrecke. Es war einfach schön, viele glückliche Teilnehmer zu sehen bei der Veranstaltung, die man ein Stück selbst auch darstellt. Der Moritzburger Triathlonverein hat als Hauptziel ja nicht die sportliche Betätigung, sondern die Organisation der Veranstaltung und da tat es gut, dass wir viele positive Rückmeldungen bekamen. Ganz persönlich habe ich mich über eine Geschichte gefreut, auch wenn es mir irgendwie nicht gelingt, die wirklich mit Fakten zu hinterlegen. Letztes Jahr war ich Streckenposten an der Laufstrecke beim Jedermann und wir mussten lange warten, bis die Letzte an uns vorbei kam. Ich weiß nicht mehr, ob sie gefinisht hat, ob sie Letzte, Vorletzte oder doch noch etwas vorher war, aber zumindest hab ich das Mädel mit den zwei Zöpfen und ihren Qualen noch ziemlich vor Augen und dieses Jahr in das gleiche Gesicht zu blicken bzw. nicht mehr in das gleiche Gesicht zu blicken, tat gut. Denn diejenige hatte wohl einige Pfunde verloren und war kontinuierlich dran geblieben, denn dieses Mal war sie weit weit vor dem Ende und eher am Ende des Hauptfeldes unterwegs und das Lächeln wich nicht aus ihrem Gesicht. Zu sehen, dass Training anschlägt und Spaß bringt, tat sehr gut.
Leider gab es zwischen Olympischer Distanz und Jedermann und auch beim Abbau ziemich heftige Niederschläge, aber die konnten nur kurzzeitig die Stimmung vermiesen.

Nachdem zuletzt das Training sehr gelitten hatte, ging ich am Dienstag wieder auf die Bahn. Meine Standardlaufrunde konnte ich leider noch nicht als Runde absolvieren, sondern stand an einem Punkt dann doch noch vor dem Hochwasser und erklärte den Lauf kurzerhand zur Wendepunktstrecke.
Mittwoch wertete ich mit Daniel das Wochenende auf einer schönen gemeinsamen Radtour aus. Am Ende der 85 km merkte ich aber schon, was ich am Wochenende getan hatte und das die Speicher ohne Nachlegen auf der Tour ziemlich leer waren.
Am Donnerstag gab es dann die eigentliche Eröffnung der Freiwassersaison mit einer kleinen Runde in der Kiesgrube Pratzschwitz. Freitag strich ich den langen Lauf und widmete mich ganz meinem Fotojob – Hochzeit einer Bekannten fotografieren – bevor es am Abend noch zur Dankeschönparty vom Verein ging.
Samstag sollte es dann nochmal auf eine lange Radeinheit gehen. Irgendwie passte es diesmal zeittechnisch nicht so ganz zusammen und so ging ich allein auf eine Runde. Die Runde war wunderbar – eine große Runde durch den Landkreis Meißen. Es war richtig schön wieder mal viele neue Orte seiner Heimat kennen zu lernen. Die Sicht war bombastisch und der Wind günstig. Nur auf den letzten, der insgesamt 140 km, hat er genervt. Leider war zu dem Zeitpunkt auch kein wirklicher Flüssigkeitsvorrat mehr vorhanden und in über 5 Stunden nur ein Gel und ein Riegel zu essen war auch grenzwertig. Trotzdem kam ich mit einem Schnitt von 27 km/h wieder zu Hause an. Ordentlich essen und trinken, Wettkampfstimmung und 180 km in Roth mit 28 km/h oder mehr sollten gesetzt sein.
Am Abend war dann noch Bergfilmnacht in der Buschmühle in der Sächsischen Schweiz angesagt. Ich freute mich darauf und hatte auch große Lust, aber so ein Abend steht beispielhaft für die Entbehrungen die man während einer Langdistanzvorbereitung hinnehmen muss. Die Laune in meinem Kopf drehte sich schnell ins Negative als die Anfahrt durch das Hochwasser und ungenaue Angaben ziemlich schnell zur Tortour wurde. Endlich vor Ort war ich müde, abgespannt und nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Über 5 Stunden Rad verschwinden halt nicht mit 20 Minuten Wannenbad aus dem Körper. Nach drei Stunden brachen wir das dann ab und waren froh, als wir endlich im Bett lagen.

Dort lagen wir dann aber nicht bis zur völligen Erholungen, denn es klingelte der Wecker – Stadtlauf in Dresden war angesagt. Ich hatte mich für die 10 km Distanz gemeldet. So ein schneller Zehner ohne Schnee muss auch endlich mal sein. Zwischenzeitlich hatte ich noch überlegt mich auf die Halbmarathondistanz umzumelden, um meinen langen Lauf vom Freitag nachzuholen. Letztendlich war mir das aber alles egal. Ganz ehrlich – die Stadtlaufserie ist ziemlich perfekt organisiert. Ich sehe jetzt mal großzügig darüber hinweg, dass es keinen gesonderten Schalter zwischen Voranmeldern und Nachmeldern bei der Startnummernabholung am Sonntag gab. Aber so richtig Atmosphäre kommt da nicht auf. Keine Startnummer, kein Vorname den man ablesen kann, diesmal auch keine Medaille, auf den Bildern der farbliche Gleichklang. Es fühlt sich einfach nur wie eine lebende Litassäule an, obwohl objektiv betrachtet gar nicht so viel mehr Werbung als andersorts auf den T-Shirts ist. Und ganz persönlich betrachtet – als BMW-Kunde kostet mich der Start nichts, was ich wirklich dafür bereit wäre auszugeben – keine Ahnung, es würde mich aber auch nichts motivieren, da wirklich dran teilzunehmen. Durch das eher (gefühlte) schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch nicht wirklich die echt Konkurrenzsituation da. Die 10 km Läufe sind im Frühjahr, da ist der Lauf zu spät. Der Halbmarathon läuft eher so pro forma ab, beim 5er fehlt die Konkurrenz und der Eventcharakter ist für mich irgendwie nicht gegeben. Das mag aber auch mittlerweile an meiner Betrachtung als Triathlet liegen, aber trotzdem ist der Nachtlauf in Dresden dagegen ein absolutes Highlight. Die Vattenfall-City-Night in Berlin ist zwar gut, aber gegenüber Halbmarathon und Marathon fällt die auch deutlich ab, vielleicht sollte man das auch einfach alles nicht überbewerten.
Naja, genug geschwafelt, letztendlich bin ich über die 10 km gestartet und das Trägershirt wird dann in meinem Schrank nicht so ganz schnell deklassiert. Durchs Hochwasser gab es eine angepasste Streckenführung. Klar hatte die viele Wenden, aber irgendwie war ich doch ziemlich schnell allein unterwegs, unterwegs zwischen schnellen Läufern und „allgemeiner Bevölkerung“. Die erste von drei Runden ging noch halbwegs, aber dann wurde es eng. Bestzeit war außer Sicht also einfach nur noch als Tempoeinheit finishen. Leider verfehlte ich dabei auch die 45 Minuten Marke, wenn auch knapp. Ohne das Event wäre ich am Sonntag aber evtl. nicht laufen gegangen und damit ist das für Roth ziemlich gut.
Und auch wenn es nur wenige Einheiten waren, am Ende standen knapp 11 Stunden auf der Wochenzusammenfassung. Das Kribbeln wächst.

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