Aus den Fluten auferstanden

Die letzten beiden Wochen waren einfach nur zum Ertrinken und ich mag auch gar nicht so sehr auf Details eingehen. Ich kann einfach keinen Regen mehr sehen und vor allem deshalb wurde die vorletzte Trainingswoche zur Katastrophe. Ich war da mal in der Halle schwimmen, aber das war es dann schon auch fast, denn draußen konnte man auch nur noch Schwimmen, ob im Wasser, auf der Laufstrecke oder mit dem Rad.

Die Verpflichtung für mein Firmen-Team bei der Team-Challenge Dresden hat mich einzig und allein an dem Tag bewegt mich doch noch abends auf in Richtung Innenstadt zu machen und mich in den Startblock zu begeben. Als Einzelstarter wäre ich garantiert zu Hause geblieben. Aber es hat sich gelohnt, der vorhergesagte Starkregen kam dann doch gar nicht, sondern es war eher Nieselregen als der Startschuss fiel. Wie schrieb heute jemand so schön: „die 5 km Distanz ist eher unbeliebt, weil es jedesmal das Gleiche ist, man geht viel zu schnell an, um bei km 3 festzustellen, dass man nicht mehr kann und auch keine Zeit hat mehr sich zu erholen und einbricht“. So ungefähr sah es auch bei mir zum wiederholten Male aus, nur schaffte ich es mich nach dem ersten Kilometer etwas zu bremsen, um dann nicht wirklich einzugehen, aber Kraft für einen echten Endspurt hatte ich auch nicht mehr zumal mir 500 m vor dem Ziel der Schnürsenkel aufgegangen war. Zubinden hätte mich aber zuviel Zeit gekostet, also bin ich weitergelaufen mit ordentlichem schönen Kniehub und mit gemischten Gefühlen ins Ziel gekommen. Einerseits hab ich meine 5 km Bestzeit deutlich verbessert, andererseits die 20 Minuten Marke immer noch deutlich verfehlt – am Ende standen 20:23 Min auf der Uhr.

Nach der Team Challenge kam das Frustwochenende schlechthin. Freitagabend war nach Arbeit wieder Wolkenbruch verhergesagt und eigentlich auf dem Wetterradar auch sichtbar und so entschied ich mich dafür doch lieber den Wochenendeinkauf zu erledigen. Völlig falsch. Das Gewitter kam 3 Stunden später und es wäre DIE Trainingszeit gewesen, aber so hoffte ich aufs Wochenende. Dies wurde mehr als enttäuscht, denn es war das ganze Wochenende einfach nur nass. Der Duathlon in Falkenstein wurde zum Lauf erklärt, der Ironman in der Schweiz abgebrochen und ich blieb einfach zu Hause. Der Frust hatte aber auch was Gutes, denn ich bin mir wirklich nicht sicher, wie es nach Roth weiter geht und ob ich mich dann überhaupt noch für Training motivieren kann, aber so gefrustet zu sein, dass ich nicht raus kann, nicht aufs Rad kann,… – das alles gibt mir doch die Überzeugung, dass ich ohne Sport nicht kann und auch langfristig weiter mache.

Ab spätestens Sonntag wurde das dann alles nicht mehr lustig. Die Not und Informationsnachfrage der Bürger stieg deutlich an (ich bin beruflich mitverantwortlich für http://www.dresden.de) und mit dem steigenden Pegel durch die Regenschauer ließ die Lust auf Training schlagartig nach. Da steht dann erstmal anderes an erster Stelle. Sabine kam mit einem der letzten regulär verlaufenden Züge aus Dresden zur Wohungsübergabe nach Leipzig und verbrachte da bei einer Freundin auch noch zwei Nächte, während in Dresden die Situation kritisch wurde.
Dienstag war kopfmäßig am schlimmsten. Eigentlich stünde Training auf dem Plan, andererseits war niemand auf der Leipziger Straße beim Schutzaufbau und das Wasser kam immer näher und am Abend war Startertüten packen im Verein für den Schlosstriathlon Moritzburg angesagt. Über dem Abend lag auch die Stimmung, sollen wir oder sollen wir nicht. Aber erstmal weiter packen und auch wenn wir diesmal ein paar weniger waren, ging es doch schneller. So ganz nach Plausch war wohl auch niemand zumute und nachdem die Tüten gepackt waren wechselte ich die Sachen und stapelte in meiner Straße Sandsäcke. Der Fahrstuhl war tot, die Tiefgarage sollte nicht mehr benutzt werden und am nächsten Tag war dann auch der Kabelanschluss hinüber. Das Gerücht der Stromabschaltung, welches ich beim Starterüten packen übermittelt bekam, bestätigte sich zum Glück nicht. Mittwoch der gleiche „Spaß“, Notfallseite auf Arbeit betreuen, Startnummern und Chips zuordnen und dann wieder Sandsäcke. Zum Glück gab es mittlerweile etwas gesicherte Vorhersagen und das Wochenende könnte etwas entspannter werden, alle Stellen (Polizei, Landratsamt, Sanitäter,…) gaben uns auch grünes Licht und bestärkten uns den Schlosstriathlon 2013 durchzuführen und so gab es dann auch die Entscheidung, dass wir das Event durchziehen.

Irgendwie wäre es auch blöd gewesen, nicht zu starten. Die Starter kamen mehrheitlich von außerhalb und könnten direkt vor Ort eine Einschränkung nicht nachvollziehen, es wäre einer der wenigen Triathlons dieser Saison, die auch ordentlich als Triathlon über die Bühne gehen könnten und so stieg Wetter, Laune und Wassertemperatur.
Am Donnerstag hieß es Atem anhalten, der Pegelhöchststand war erreicht, die Vorbereitungen für den Triathlon waren weitgehenst getroffen und tapern musste man ja auch noch 🙂 Tapern hieß in dem Fall aber nur, mal versuchen etwas mehr zu schlafen, denn eine Trainingseinheit gab es nach wie vor nicht. Mein Laufrevier stand ja auch unter Wasser und an Sandsäcken vorbei zu laufen hatte ich irgendwie keine Lust. Da fühlt man sich dann auch schnell schlecht, obwohl man selbst mit gestapelt hat.

Freitag muss man nun wirklich keine Trainingseinheit mehr einlegen, wenn es am Samstag zum Wettkampf gehen würde. Der Aufbau ging zügig vonstatten, so dass ich nach Feierabend gar nicht mehr helfen konnte und stattdessen friedlichen Minuten bei der Pasta-Party geniesen durfte als es mal nicht nur um Hochwasser ging. Die Gespräche taten gut und endlich kam so etwas wie Vor-Wettkampf-Stimmung auf. Der Start am Samstag war trotzdem doof. Die Woche war noch im Körper und statt Freitagabend durchzuatmen musste man auch Wettkampfutensilien zusammensuchen. Schnell besorgte ich mir noch die neue Vereinskleidung, um dann ganz unvernünftigerweise mit neuen Sachen am Samstag am Start zu stehen.

Vor dem Start

Vor dem Start

Samstagmorgen hatte sich die Hochwassersituation weiter entspannt und ich war froh, dass richtige Wettkampfnervosität eintrat. Isabell, Michael und Uwe waren schon auf der Strecke als mein Wecker klingelte. Aber bald war auch ich bereit. Den ersten Parkplatz und einen längeren Fussmarsch nahm ich in Kauf und traf auf dem Parkplatz noch Katrin. Noch schnell die Entscheidung für die Laufschuhe und dann ging es los, Badelatschen vergessen für den Weg zum Schwimmstart, neue Pulsuhr nicht mehr mit meiner Lieblingsanzeige eingestellt und auch an das Startnummernband hat mich nur kurz vorher Sabine erinnert.
In der Vorbereitungszeit entschied ich mich noch für den Kauf eines Schnellschnürsystems für die Laufschuhe, mit den Brooks T7 Racer (in denen ein solches schon vorhanden war) wollte ich nicht wirklich laufen, wenn ich nach 95 km vom Rad steige. Auf dem Weg zum Schwimmstart traf ich dann auch meine Eltern. Ich schwamm mich kurz ein – erstes Freiwasser dieser Saison – und war eigentlich guten Mutes. Oder auch nicht, das Schwimmen gab mir gerade ein gutes Gefühl, insgesamt spürte ich aber noch keinen Biss und ging davon aus, nach der ersten Laufrunde auszusteigen. Kurz vor dem Startschuss fragte ich mich dann wieder, warum ich das mache, aber ich war auch mit Marcus im Gespräch und so hatte ich gar nicht so viel Zeit zum Nachdenken.

Startschuss

Startschuss

Schuss und ab. Nach ca. 200 m setzte es einen gewaltigen Tritt in mein Gesicht, etwas Wasser lief in meine Brille, aber sonst war eigentlich alles gut. Ich entschied mich dafür in dem Getümmel nicht das Wasser aus meiner Brille zu bringen, sondern einfach weiter zu schwimmen. Blöd war nur, dass ich jetzt noch weniger sah. Eigentlich trage ich eine Brille, jetzt habe ich noch Wasser in der Schwimmbrille und das Schlimmste die Bojen und auch alle Köpfe sind Gelb. Leider bin ich in der Welle mit den gelben Badekappen und Bojen und Köpfe zu unterscheiden ist echt schwer. Viel blöder ist aber, dass ich scheinbar alles Techniktraining vergessen habe und zwar wohl nicht ganz langsam, aber gar nicht koordiniert durch den Schlossteich pflüge. Ich merke, wie schlecht ich schwimme, aber kann es nicht abstellen, ab und zu gelingt mir mal ein Zug, bei dem ich richtig durchziehe, aber dann ist gleich wieder die Orientierung dahin, immer mehr mache ich ein paar Züge Brust um ich zu orientieren.
Schwimmausstieg

Schwimmausstieg

Irgendwann war es aber auch geschafft und beim Schwimmausstieg brachte ich es auch schon wieder fertig auf die richtige Präsentation der Vereinskleidung für den Fotografen zu achten.
Den Wechsel nahm ich ziemlich entspannt und Danke Tape verlor ich diesmal nicht die Aeroflasche und machte mich auf die Radstrecke. In Bärwalde auf dem Kopfsteinpflaster nahm ich dann aber die Dusche, weil die Aerobottle auf ging. Auf den ersten Kilometern fühle es sich schwer an und ich überlegte echt, ob es denn Sinn machen würde. Dabei sagte ich mir aber auch, es würde Kopftraining sein, völlig demotiviert dennoch mit einer 26er Speed den Radpart hinter sich zu bekommen. Nach ein paar Kilometern auf der Runde stieg die Durchschnittsgeschwindigkeit aber kontinuierlich an. Ich hatte inzwischen auch aufgegeben meine Pulsuhr mit dem GPS-Sensor und dem Trittfrequenz-Sensor zu verbinden. Ich hatte wohl das falsche Radprofil gewählt. Ich fuhr und fuhr und fuhr und wurde überholt und ja ich überholte auch den einen oder anderen, aber eigentlich blieb alles gleich. Am Ende der zweiten (von dreien) Radrunde sah ich Gewitterblitze in der Ferne und legte noch einen Zahn zu und so überholte ich in der dritten Runde noch einige.
Radstart

Radstart

Bemerkenswert kam mir dabei vor, dass ich bergauf ziemlich stark war. Nach denkbar optimaler Zeit ging auch die dritte Radrunde mit einer Speed über 30 km/h zu Ende und ich war mehr als zufrieden. Ich könnte das Ergebnis bis jetzt – auch wenn ich jetzt abbreche – meinem Kopf auf jeden Fall für ein gutes Ergebnis verkaufen.

Laufstart

Laufstart

Der Wechsel auf den Lauf verlief unproblematisch und schnell, das Schnellschnürsystem war echt gut und das Experiment mit den neuen Vereinssachen klappte auch richtig gut. Also die Vereinskleidung sitzt echt tadellos, aber einen großen Anteil hat auch die Sitzcreme. Gegenüber dem Duathlon sind da Welten in meinem Gefühl. Ich kann den Sattel noch optimieren, aber insgesamt doch sehr entspannt vom Sattel zu steigen ist echt gut. Ich war deutlich schneller (4:50 Min/km) als gedacht (5:20 Min/km) in der ersten Runde, aber es fühlte sich entspannt an. Leider war nach 300 m auf der zweiten Runde der Ofen aus. Wenn das 500 m eher passiert wäre, wäre ich wohl ausgestiegen. Auf einmal fühlte sich alles schwer an, ich musste mich anstrengen, aber auf anstrengen war ich irgendwie nicht ausgerichtet und ich war ja im Durchschnitt noch deutlich unter der Geschwindigkeit unter der ich laufen wollte, also alles entspannt. Außerdem sagte ich mir auch, dass das ja nur ein Trainingswettkampf ist und ich hier eigentlich auch nur 95 Prozent geben soll. Das entspannte Gefühl setzte sich irgendwie durch. Auf der Radstrecke hatte ich schon das falsche Radprofil auf der Uhr gewählt und so keine Trittfrequenz und Geschwindigkeit (die hatte ich aber über den separaten Radtacho) und vorher hatte ich ja meine Lieblingsansicht vergessen einzustellen und so auch keine Ahnung wie es mit der Gesamtzeit aussieht, war mir aber auch egal. Ich war sehr sehr glücklich über meinen Radsplit und hatte noch genug Kraft zum Laufen. Mein Kopf spielte dennoch nicht so richtig mit, denn statt sich zu freuen, sah er die Qualen auf der Laufstrecke und als ich mich auf der dritten und letzten Runde mal entschloss einfach Freude zu haben ging es auch besser und schneller, aber irgendwie hielt das nicht an. Dennoch bin ich überglücklich ins Ziel gelaufen und ich bin nicht gegangen zwischendurch und ich bin deutlich unter den angestrebten 6 Stunden geblieben.
Zieleinlauf

Zieleinlauf

Also alles okay bzw. Schwimmen naja, Radfahren gut, Laufen brauchbar. Klingt für mich als Kritiker an mir selbst jetzt gar nicht so schlecht. Am Abend gab es dann noch eine schöne Überraschung im Briefkasten, ich habe bei swim.de ein tolles Handtuch gewonnen. So fühlte ich mich dann wirklich wie ein Sieger.

Die letzten zwei Wochen waren vom Training echt blöd und kosten mich in Roth bestimmt auch ein paar Minuten, aber insgesamt kann es vorwärts gehen.
Meine Roth-Startnummer und Zuteilung auf die letzte (langsamste) Startgruppe gefällt mir irgendwie nicht so doll und mit einer Zielzeit von 13 h finde ich das auch komisch, aber so kann es nur nach vorn gehen und befreit mich vom Kopf auch, denn jeden den ich an dem Tag dann überhole, überhole ich auch in der Nettozeit! So wird das Denken an dem Tag wieder einfacher und die Motivation leichter.

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2 Antworten zu Aus den Fluten auferstanden

  1. Din schreibt:

    Schöne Einstellung am Schluss gefunden! Ich halte dir für Roth weiter die Daumen.

    Glückwunsch zum Finish und in Anbetracht der Umstände hast du das doch super gemacht.

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