Mein erstes Mal – Duathlon

Nach dem Event ist vor dem Event, aber erstmal nach dem Event und so spürte ich die Nachwirkungen des Oberelbemarathons doch noch deutlich und so ist sowohl das Lauftraining als auch das Schwimmen am Dienstag ausgefallen und es gab einen weiteren Ruhetag.

TT-Bike weihnachtlich

TT-Bike weihnachtlich

Am Mittwoch hieß es dann das TT-Bike von den Weihnachtskugeln zu befreien und endlich wieder auf den Asphalt zu bringen, denn am Samstag stand Duathlon an und vorher wollte ich wenigstens eine Ausfahrt haben und mich an das Bike gewöhnen. Die ersten Kilometer waren auch erstmal wieder etwas wackelig und der deutliche Wind brachte da nicht wirklich Ruhe rein, aber bald schon ging es. Genervt hat mich viel mehr, dass sich jemand 45 km an mich drangehangen hat. Aber das baute auch ein bisschen Druck auf und so habe ich nie nachgelassen und ja, das Bike macht gleich mal wieder 1 km/h schneller. Mein Schatten hat sich dann kurz vor Ende doch noch zu mir gesellt und wir hatten einen schönes Gespräch – hätten wir doch viel eher haben können. Er will in Moritzburg seine erste Olympische Distanz machen – ich glaub der ist schneller als ich, aber er ist ja auch jünger 🙂
Nach der Radausfahrt sollte es noch zum Laufen gehen und insgeheim wollte ich auch das sein lassen, aber dann kam der Ehrgeiz, Sabine fragte gar nicht gross und schneller als geglaubt, hatte ich auch die 45 Laufminuten hinter mir.
Den langen Lauf wollte ich diesmal nicht Freitagfrüh vor dem Event machen und so hatte ich mir für Donnerstagabend so einen halblangen Lauf in den Plan geschrieben, aber abends laufen ist so gar nicht meins und so wurde daraus nichts. Sabine machte mich drauf aufmerksam, dass ich in Roth auch abends laufen werde, aber das ignoriere ich jetzt einfach mal, da bin ich eh im Wettkampfmodus und bekomme von der Tageszeit eigentlich nix mit – oder?
Vor dem Wettkampf soll man tapern – also wurde aus der geplanten Schwimmeinheit am Freitagmorgen auch nix. Na gut, ich gebe zu, das war wirklich Faulheit und irgendwie hatte ich eigentlich auch Lust, aber trotzdem kippte die Waage ganz leicht auf Nein.

Und dann war er auch schon da, der Samstag, das erste Mal zum Duathlon. Es fühlte sich komisch an, am Samstag und nicht am Sonntag an den Start zu gehen. Es gab irgendwie nicht so richtig die Zeit, sich von der Arbeitswoche zu erholen bzw. durch zu schnaufen. Zum Glück war der Start aber erst 11 Uhr und man musste nicht mitten in der Nacht aufstehen. Wir waren zeitig genug da, um noch richtig freie Auswahl in der Wechselzone zu haben. Ich positionierte mich so, dass ich in den Radschuhen bis zum Radstart einen kurzen Laufweg hatte. Die Radschuhe am Rad ist noch nicht mein Fall, aber am Ende könnte man es ja mal probieren schon auf dem Rad aus den Schuhen raus zu gehen und besser zum Wechselplatz zu laufen. Das tat ich dann im Wettkampf aber doch nicht. Zwischendurch schreckte ich nochmal zusammen als ich meine Startnummer verloren hatte, aber die war schnell wiedergefunden und alles war in bester Ordnung. Die Kleiderfrage wurde auch immer eindeutiger, denn im Gegensatz zu den Ankündigungen in der Woche mit evtl. Regen wurde der Tag schöner und schöner und wärmer und wärmer und so würde der Einteiler reichen – keine Beinlinge, keine Armlinge, keine Jacke. Wettkampfeinweisung und dann ging es auch schon gleich los.
Startschuss und ab. Mit Daniel hatte ich im Vorfeld die möglichen Zeiten diskutiert. Die 5-Stunden-Marke für die 19 km Lauf – 84 km Rad – 5 km Lauf sollte fallen, auch wenn ich dafür nicht gerade bummeln dürfte. Sehr unsicher war ich mir, wie ich den ersten Lauf angehen sollte. Eigentlich ruhig, damit ich noch genug Kraft auf dem Rad habe, aber Laufen ist auch meine Stärke, also sollte ich da auch nicht bummeln, denn auf den letzten 5 km würde ich nicht viel gutmachen können und im Ziel festzustellen, dass man noch Kraft gehabt hätte, ist irgendwie blöd. Andererseits könnte ich auch nicht im Speed von einem Halbmarathon laufen, denn da konnte ich mir nicht wirklich im Ziel vorstellen schnell aufs Rad zu steigen, sondern musste mich erstmal ganz doll erholen. Im Kopf plante ich deshalb mit 5:00 bis 5:10 Min/km anzulaufen und wenn ich noch Kraft haben würde dann ab km 60 auf dem Rad Druck zu machen. Der Startschuss war gerade ein paar Sekunden her, aber der Plan war über den Haufen. Eigentlich hatte ich auch noch einen ganz anderen Plan, der hatte nichts mit Zahlen zu tun und Überlegungen und Taktik, der hieß einfach nur „Katrin schlagen“. Für die Leser, die nicht aus meinem direkten Umfeld stammen eine kurze Vorstellung. Katrin – wie der Name verrät weiblich. Etwas älter als ich. Mehrfach schon Langdistanz. Hawaii-Quali und auch Start in 2012. Aber überraschenderweise im Winter beim MTB-Training scheinbar nicht so fit, wie ich. Danach aber Rad-Trainingslager von ihr,….. Kurz und gut, für mich zum derzeitigen Zeitpunkt schwer einzuschätzen, in Roth wird sie weit vor mir sein, aber gerade hier und heute doch irgendwie im Bereich des Möglichen. Wenn sie auf dem letzten Kilometer kurz vor mir wäre, würde ich mich zumindest ein Tick mehr quälen als bei jemand anderem. – Katrin lief mit einer leuchtenden Weste kurz vor mir. Ich schaute mal nach ihr und schaute auch auf die Uhr. Die Uhr kam mit den Bäumen nicht so richtig zurecht, also einfach auf das Gefühl setzen. Durchschnittlich – nach Uhr – war ich zu schnell, gefühlsmäßig war ich in prächtiger Laune und im Sondermodus war Katrin immer nicht so weit weg im Sichtbereich. Ich versuchte sie ziehen zu lassen und mich auf meine 5:00 zu orientieren, aber irgendwie klappte das nicht. Ich lief ja auch locker, zwar zügig, aber nicht an der Grenze und schön sauber. Der Lauf war richtig schön. Im Vorfeld wurde mir da wegen profiliert und so ein klein wenig Angst, aber in Brandenburg gibt es wirklich keine Berge und das es mal 10 Meter hoch geht, ist auch okay, wenn es interessant herum aussieht. Der Abstand zu Katrin verringerte sich, er verringerte sich vor allem auf den winzigen Bergaufpassagen und dann, dann war ich dran – so ca. bei km 6. Kurzer Plausch, aber insgesamt lief ich konzentriert weiter. Ihren Hinweis, dass jetzt bald die Wasserstation kommt und ich – wenn ich denn wöllte – mein Gel nehmen könnte, nahm ich dankend an. Gleichzeitig ärgerte ich mich – ich wollte das Gel eigentlich erst 7 km später nehmen – dass ich kein zweites Gel mit auf die Laufstrecke genommen hatte. Egal, so lange wie möglich den Mangel aufschieben, also lieber eher als zu spät. Irgendwann wurde mir dann auch klar, dass es den ersten ansteigenden Kilometer nicht abwärts gehen würde, sondern, dass wir diese Passage nicht durchlaufen, sondern irgendwo im Wald zurück. Schade – ich hatte mich auf den Fliegen lassen meiner Beine gefreut, nun gingen diese 10 Höhenmeter irgendwie spurlos vorbei. Katrin hatte ich bei der ersten Passage des Verpflegungsstandes überholt und ich schaute auch nicht zurück. Wir waren uns aber einig, dass wir zu schnell liefen, um wirklich ordentlich Rad zu fahren. Das könnte hinkommen, aber trotzdem kam in meinem Kopf nicht an, wirklich langsamer zu machen. Ich lief die ersten 19 km mit 4:45 Min/km.

Radsplit

Radsplit

Den Wechsel erledigte ich ruhig, aber beim Aufsteigen auf das Rad war es schon passiert – Katrin war an mir vorbei. Egal, jetzt kam ja die Unbekannte, meine MTB-Form gegen ihr Trainingslager. Nach nicht mal zwei Kilometern war klar, dass ihr Trainingslager gewonnen hatte. Ich redete mir noch kurz Hoffnung auf das Ende der Radstrecke ein, schließlich würde man das Tempo auch erstmal halten müssen, aber richtig daran geglaubt hab ich schon nicht mehr. Ich war überrascht, wie ich auf der Radstrecke flog – 32, 33, 34, 36 und das bei entspanntem Puls. Leider brach das Märchenschloss spätestens bei km 12 ein. Zwischendurch hatte ich noch jemand seinen Schlauch wechseln sehen und war froh, dass ich heil durch kam. Nun wurde die Strecke blöd. Man kam im Kopf auf dem Radsplit an, der Lauf war vergessen, der Wind drehte, es ging 5 Meter aufwärts, die Landschaft war dröge, der Verkehr auf der ungesperrten Strecke nervte und auf einmal war alles blöd. Bei km 25 hatte ich die Schnauze voll – es ging auf 2 Runden a 42 km. Mein Hintern tat mir weh. Den Tag vorher hatte ich noch meinen Sattel verstellt, denn die Mittwochsausfahrt hatte mir längerfristige Eindrücke hinterlassen. Die Verstellung war auch gut, aber leider nicht gut genug. Ich wollte nicht mehr sitzen, ich wollte kein Scheuern mehr – ich hatte keine Lust. Gleichzeitig entspannte ich aber auch im Pulsbereich. Es war also wirklich Kopfsache. Die Brandenburgische Steppe war aber auch ätzend und auf den 84 km sah ich fast niemand – mich überholten 7 oder 8 Leute und ich überholte so 3 oder 4. In der zweiten Runde war ich schon ziemlich entnervt, aber scheinbar drehte auch ein bisschen der Wind, so dass mir die Strecke nicht mehr so böse vor kam, allerdings wollte ich wirklich nicht mehr sitzen und wie ich das in Roth über eine doppelt so lange Zeit überstehen soll, ist mir irgendwie schleiherhaft.
Zieleinlauf

Zieleinlauf

Beim Passieren von Start/Ziel sah ich Daniel am Streckenrand stehen – hä, was war das denn, wieso ist er nicht aufs Rad? Egal, aus dem gerade noch schlecht gelaunten Kerl wurde zunehmend Zuversicht. Bergfest war geschafft und auch wenn der Hintern schmerzte, so ging es doch kontinuierlich Richtung Zielstreifen. In der zweiten Runde war einfach nur noch Durchbeißen angesagt. Im Kopf ging es besser, aber der Hintern schmerzte mehr und mehr. Mit den abnehmenden Kilometern wurden aber auch die Schmerzen aushaltbar. Das Gleiche aber noch mal 3 bis 4 Stunden länger kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Da muss noch irgendwas passieren. Für heute hatte ich den Teil zwar mit deutlich abnehmender Laune und immer langsam währender Geschwindigkeit, aber trotzdem noch immer mit über 30 km/h geschafft. Als ich das zweite Mal in die Wechselzone einlief sah ich nicht mehr gut aus, aber die restlichen 5 km standen auch nicht in Frage. Das ich diesen Teil dann langsamer laufen würde als die 19 km am Beginn hätte ich mir aber auch nicht träumen lassen. Der Lauf war ein kompletter Eiertanz. Nach der Radausfahrt fühlte sich der Lauf schrecklich an und man war einsam unterwegs. Nach 2 Kilometern lief ich dann doch noch auf Teilnehmer auf und durfte noch dreimal überholen, aber so richtig inspirierend war das nicht mehr! Klingt jetzt alles ziemlich negativ, kam mir auch etwas so vor, aber ich bin unter 1:30 h gelaufen, deutlich unter 3:00 h Rad gefahren und dann nicht ganz so leicht unter 25 Minuten geblieben, aber insgesamt sehr sehr deutlich die 5 Stunden geknackt. 4:41:44 – davon hätte ich vorher nicht zu träumen gewagt. Super Sache das – Duathlon – ich komme wieder.

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2 Antworten zu Mein erstes Mal – Duathlon

  1. Din schreibt:

    Wow, herzlichen Glückwunsch. Was für eine Leistung! Super gemeistert und ein wirklich deutliches Ergebnis.

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