Mein erstes Mal – Zeitläufer

Eine wunderbare Woche liegt hinter mir. Regenerationswoche und das hat voll geklappt, auch wenn das Trainingspensum mit insgesamt 11 Stunden Trainingszeit nicht unbedingt danach ausschaut.

Die Woche startete mit eine kurzen Läufchen am Dienstagmorgen bei dem ich Daniel auf dem Weg zur Arbeit traf und wir uns für die gemeinsame Radausfahrt am Mittwoch verabredeten. Abends gab es eine kurze Schwimmeinheit bevor dann am Mittwoch die Radausfahrt anstand. Im Plan stand eigentlich ein 90 Min Test, aber in der Entlastungswoche fühle ich mich freier das zu machen, was mir gerade in den Sinn kommt als das was im Plan steht, Hauptsache insgesamt passt es. Wir hatten es schon eine ganze Weile nicht geschafft gemeinsam auf die Piste zu gehen und so genossen wir die Ausfahrt und statt 50 – 70 Kilometer standen am Ende bei mir nach reichlich 3 Stunden 84 km auf dem Tacho – das Wetter war aber auch perfekt. Daniel hatte noch ein Stück mehr und koppelte dann noch ein Läufchen dran – Respekt.
Am Mittwoch hatten wir die Radstrecke des Schlosstriathlons u.a. absolviert, am Donnerstag beim Lauftreff wollte ich mich auf ein anderes Event einstellen. Am Sonntag würde es für mich als Zeitläufer auf den Oberelbemarathon gehen und ich würde langsam laufen müssen. Das versuchte ich auch am Donnerstagabend beim Lauftreff und diesmal gab es gar keine schnelle Truppe, sondern ich führte das Feld an. Irgendwie kam ich aber nicht über 6:07 Min/km und ich konnte mir noch nicht richtig vorstellen, wie ich nochmal fast 20 Sekunden langsamer laufen sollte. Wird schon irgendwie, auch wenn ich Bammel hatte, die Aufgabe ein bisschen zu vergeigen.
Freitagfrüh noch eine Schwimmeinheit und dann Ruhe. Eigentlich wollte ich Samstag noch auf eine kleine Radrunde starten, aber das regnerische Wetter hielt mich davon ab. Nach den warmen und pollenreichen Tagen kam der Regen gerade recht – nur zum Lauf am Sonntag sollte er doch bitte aufhören.
Samstagabend dann noch auf die Achim Achilles Show. Das war richtig gut. Da ich die Bücher alle kannte, dachte ich eigentlich, dass nix groß neues kommt und das vielleicht gar nicht so toll wird, doch der Abend war wunderbar. Noch schnell mit dem Rad durch den Regen nach Hause, nochmal die Wasserspeicher füllen und dann ab ins Bett.

Mitläufer M70

Mitläufer M70

Sonntagmorgen kam ich nach einer ziemlich erholsamen und schlafreichen Nacht gut aus dem Bett und war froh, dass der Regen aufgehört hatte. Anziehen, frühstücken, Sachen packen und los. Der Ablauf war blendend und mit dem Zug ging es zum Startort nach Königstein. Der Zug hatte durch die vielen Läufer und das längerdauernde Einsteigen dann am Ende aber ca. 15 Minuten Verspätung und so beeilte ich mich nochmal die Blase zu leeren, Pulsgurt anzulegen, Sachen abzugeben und schon kam der Ausruf, dass die Zeitläufer sich zum Foto treffen sollten, ich war aber gleichzeitig noch auf der Suche, wo ich denn meinen Ballon herbekommen würde. So ging es auch noch mind. einem anderen Zeitläufer und das Foto war wohl nicht vollständig. Der Start konnte aber auch nicht groß geschoben werden, denn die Strecke führt über zwei Bahnübergänge und die werden nur für begrenzte Zeit von der Deutschen Bahn offen gehalten. Also Aufstellung und dann hieß es auch schon gleich noch eine Minute, dann hieß es und jetzt noch eine Minute und dann wurde noch kurz auf den Begleitdampfer gewartet, der auch zu spät gewendet hatte, bis es dann endgültig hieß – noch eine Minute.

Schuss und los. In der Startaufstellung hatten mich zwei Leute angesprochen, die sich zu mir gesellen wollten und ich merkte, dass ich hinter meinem Ballon schon noch ein paar mehr Leute eingefunden hatten. Sonst versuchte ich immer etwas Luft vor mir zu lassen bevor ich über die Matte gehe, damit ich wirklich ordentlich loslaufen kann – diesmal versuchte ich einen relativ gleichmäßigen Starterstrom aufrecht zu erhalten. Ich war schließlich Teil der Veranstaltung und somit auch für deren gelingen zuständig. Ruhig lief ich los und versuchte ja nicht zu schnell zu sein. Bahndamm, Elektroleitungen, etc. führten nicht gerade zu einem gesicherten GPS-Signal und so versuchte ich vor allem gleichmäßig zu bleiben und mir von meiner eigenen Unsicherheit nix anmerken zu lassen. Ziemlich schnell kam ich mit dem Mann aus der Startaufstellung ins Gespräch. Er war Altersklasse M70 und so wie ich es verstand, war das sein zweiter Marathon. Bei km 1 zeigte meine Uhr 6:37 Min an – Mist zu langsam, nur nix anmerken lassen, alles im grünen Bereich, besser als zu schnell, es durfte nur keiner mitkriegen oder sich kritisch dazu äußern. Überhaupt hatte ich ein paar Bedenken, dass irgendwann die Sprüche kommen, dass wir doch zu langsam wären. Das war aber Absicht. Ich wollte den Marathon nach dem Greif-Marathon-Taktikplan laufen – bis km15 etwas langsamer (6:27), zwischen 15 und 25 etwas schneller (6:17) und dann in der eigentlichen Geschwindigkeit (6:23) ins Ziel. Das zweite Kilometerschild verpasste ich gleich mal, aber bei km 3 war ich eigentlich wieder im Plan. Die Ungenauigkeiten des GPS unter den Bäumen störten mich schon gar nicht mehr, denn ich hatte jetzt das Tempo drin, immer ein paar Sekündchen zu schnell, aber insgesamt doch im richtigen Bereich. So langsam sortierten sich die Läufer und ich war doch überrascht, dass sich hinter mir eine Traube von bestimmmt 60 -70 Läufern gebildet hatte. Genauso überrascht war ich übrigens, dass wir am zweiten Bahnübergang vor verschlossener Schranke standen und den Ausweichweg durch die Bahnhofsunterführungen nehmen mussten – beim 4 h Kurs passiert einem das nicht. So viel Zeit kostete das aber auch nicht und es war amüsant die laufende Erdinger-Flasche sich durch die niedrige Deckenhöhe quälen zu sehen. Alle blieben dran und nun war auch ein wichtiger Momemnt des Zeitläufers – es ging bergauf und dort einfach ruhig hochzulaufen und zu wissen, dass man zwar jetzt zu langsam ist, aber das wieder aufholt und man hier auch nicht zu schnell hochlaufen sollte, dafür ist man da und die Mitläufern vertrauen auf einen. Im Gespräch war ich hauptsächlich mit dem Mann der AK M70 und einer Frau mittleren Alters bei der es auch nicht der erste Marathon war, aber wenn sie bis zum Ende bei mir bleiben würde, dann ihr schnellster. Bei km 11 ließ ich den Ballon steigen, die Gruppe hatte sich gebildet und durch Wind und Luftzug stand der Ballon immer schräg nach hinten von mir ab und dem Hintermann quasi im Gesicht, so dass ich ihn davon befreien wollte. Wir kamen so langsam in Pirna an. Ich hörte ein paar Mitläufer schon ziemlich schnaufen, gab noch den Hinweis, dass das tiefe Ausatmen wichtiger ist als das Einatmen und dann auch den Hinweis, dass ich gedenke zwischen km 15 und 25 einen Hauch schneller zu laufen, aber da wir eh alle voller Energie sind in der Belastung man das kaum spüren wird. Trotzdem merkte ich, dass der ein oder andere doch abfiel. Die Gruppe blieb aber groß. Wir durchliefen Pirna und erfreuten uns jedes einzelnen Zuschauers. Es war toll einfach den Menschen zu begegnen. In Pirna ging es bergan, es gab Kopfsteinpflaster und das GPS-Signal war in den Straßenschluchten auch alles andere als exakt, also hieß es für mich einfach gefühlt kontinuierlich ein Tick schneller als ganz ganz gemütlich weiter zu laufen. Gelang mir doch recht gut, auch wenn ich mal wieder ein Kilometerschild übersah. Wir waren wieder auf dem Radweg, der Halbmarathon war geschafft und die Planabweichung betrug ca. 20 Sekunden – perfekt. Was mich richtig freute, war der Fakt, dass ich alle die an mir dran bleiben würden, zum negativen Split führen würde. Das sollte denen erstmal jemand nachmachen 🙂 Bald darauf war auch km 25 geschafft und jetzt hieß es „nur noch“ mit 6:23 Min/km nach Hause laufen. Das „nur noch“ tat ich als „locker“ kund und dabei merkte ich, dass so mancher an meiner Seite schon ziemlich kämpft. Es fiel mir schwer mich in diejenigen hinein zu versetzten, denn bei mir stieg der Spaßfaktor von Kilometer zu Kilometer. Ich hatte die Lage unter Kontrolle, ließ die Gels in der Tasche und genoss das Umfeld. Nach den Verpflegungsstationen lief ich ein paar Meter rückwärts um zu schauen, dass meine Schäfchen sich wieder zu mir gesellten und erfreute mich bei dem Kilometerstand noch so locker drauf zu sein. Genau das ist aber wohl auch wichtig für den Zeitläufer, denn wenn man selbst gut drauf ist und Spaß hat, ist das wohl ziemlich ansteckend und schon fällt es den Leuten um einen herum leichter dran zu bleiben. Km 30 war geschafft, ab km 32 war es nur noch ein Zehner und auch km 35 ging ohne Hammer vorbei. Ich stimmte meine Begleiter auch darauf ein, dass es zwischen dem blauen Wunder und dem Fährgarten Johannstadt etwas hart werden würde und das sie da bitte dranbleiben sollten, denn wenn der Fährgarten einmal geschafft wäre, dann wäre das Ziel quasi gleich da, denn dann kämen wieder Zuschauer, die Kilometerzahlen wären nur noch winzig und die Euphorie würde mit einem durchgehen. Leider musste ich kurz vor der Getränkestation am Blauen Wunder auch sagen, dass ich diesmal nicht mehr ganz so lange wie an der Station vorher auf Anschluss warten könnte und man zwar trinken sollte, aber auch wieder zügig zu mir kommen sollte. Wir waren dort ziemich exakt im Plan. Was danach passierte war aber krass. Schon seit gut 15 Kilometern sammelten wir Leute ein, nun wurden es aber von Meter zu Meter mehr und die Euphorie stieg. Ich hatte schon mehrfach erwähnt, dass nach km 35 die Leute, die noch Kraft haben an mir vorbei sollten und ruhig noch ein paar Minuten gut machen könnten. Es wollte keiner, alle bescheinigten mir – es folgten mir noch ca. 15 – 20 Leute – dass sie froh wären, noch mitzuhalten. Trotzdem merkte ich, dass sie schneller wurden und ich mehr und mehr hinter ihnen lief. Ich musste höllisch aufpassen mich nicht anstecken zu lassen, sondern beim gemäßigten Tempo zu bleiben. Da mir die Sache mit 4:29:59 zu riskant war, stellte ich mich innerlich auf eine Zeit zwischen 4:29 und 4:30 h ein. Nachdem ich ihn ein paar Kilometer vermisst hatte, er sich dann aber doch wieder zu mir gesellte, seilte er sich trotz anderer Beteuerungen nun doch nach vorn ab – der Herr aus der AK M70. Leider sah ich die Frau mit der ich einige Gespräche geführt hatte nun nicht mehr. Dafür freute es mich, dass auch ein paar Jungspunde nun die letzte Kraft spürten und an mir vorbeizogen. Da fühlte ich doch, einiges richtig gemacht zu haben. Den Dank der Laufgruppe Rügen hab ich noch erhalten und kurz darauf war auch sie weg. Schließlich lief ich einsam und allein ins Stadion ein und auch wenn das dann ein ganz klein wenig traurig war, so blieben doch wunderbare 41 km davor und vor allem nach dem Zieleinlauf noch viele dankbare Gesichter meiner Begleiter. Herrlich – da kann man Lust auf mehr bekommen. Also Zeitläufer war ich wohl nicht das letzte Mal.

Zur Gepäckausgabe und Dusche konnte ich noch richtig rennen, traf ein paar bekannte Gesichter und schloß glücklich und zufrieden meine Freundin und meine Eltern in den Arm. Am Abend und heute merke ich dann allerdings schon, dass ich einen Marathon gelaufen bin und Stufen ganz schön hoch sein können. OEM – ich komme wieder und gern auch wieder als Zeitläufer, auch wenn ich die 4 h auf dem OEM noch knacken will.

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4 Antworten zu Mein erstes Mal – Zeitläufer

  1. Manu schreibt:

    Ein toller Bericht, der Lust auf Marathon macht! Vielleicht engagiere ich Dich mal als Zeitläufer 🙂

  2. Heiko schreibt:

    Toller und ausführlicher Bericht. Da hat aber einer die Sache als Zeitläufer wirklich ernst genommen. Finde ich echt gut. Ich glaube einige Läufer unterschätzen was möglich ist wenn man am Anfang wirklich ruhig beginnt.

  3. Claudi schreibt:

    Toller Bericht… danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast alles so genau zu beschreiben. Manchmal machen so lange Posts Angst… aber hier hat sich jeder Buchstabe gelohnt. Super, dass Du als Zeitläufer aktiv warst.
    Viele Grüße!

  4. Ralf schreibt:

    Danke.
    Angst vor meinen Posts? So lang oder deutlich länger als meine anderen Posts (die alle meist recht lang sind) fand ich den jetzt gar nicht und im Nachhinein sind mir noch zig Dinge eingefallen, die ich noch vergessen habe. 🙂

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