90 days to go

Als ich gestern abend auf dem Sofa saß und mir des Datums bewußt wurde, kamen ein paar Emotionsschübe und durchdrangen mich und auch Sabine. In 3 Monaten um die Zeit würde ich so etwa ins Ziel laufen und mir einen großen Traum erfüllt haben, evtl. die größte sportliche Leistung, die ich je in meinem Leben erbringen werde. Das ist schon krass, aber ich habe keine Angst davor – wie ich letztens schon schrieb – sondern „nur noch“ Respekt. Obwohl in manchen Dingen ich so langsam das Gefühl habe, die Zeit wird knapp. Aber andererseits merke ich langsam auch die Früchte der Arbeit und das fühlt sich verdammt gut an. Ich muss nur konzentriert bleiben – konzentriert auf mein Ziel. Dazu soll ich laut Sabine auch unbedingt das eine Kapitel in „Leben ohne Grenzen“ lesen, aber ich habe an dem Abend dann noch „Mensch, Papa“ vorgezogen.

Aber konkret. Nach dem Halbmarathon in Berlin war ich froh, dass ich laut Plan auch die Woche ruhig angehen durfte und am Dienstagmorgen nur 30 Minuten Laufen auf dem Programm standen, was aber schon wieder erstaunlich gut ging, trotz deutlichen Belastungserscheinungen nach dem Lauf am Sonntag. Die Enttäuschung wegen der nicht geknackten 1:30 h und PB war auch ziemlich schnell verflogen – denn das sollte eigentlich nur mit abfallen. Ich bin echt froh, dass es mir gelingt mich absolut auf mein Hauptziel zu konzentrieren. Dass ich den langen Lauf vor dem HM trotzdem gemacht habe, den Citylauf in Dresden einer langen Radeinheit geopfert habe und mich von zur Zeit noch schlechte(re)n Zeiten nicht irritieren lasse. Jetzt schon in Topform zu sein, wäre ja auch völlig falsch.
Am Dienstagabend ging ich dann noch entspannt schwimmen.

Mittwoch stand die erste große Koppeleinheit auf dem Programm. Ich hatte extra einen halben Tag frei genommen, um in Ruhe die Einheit zu absolvieren. 2:30 h Rad und anschließend 1:15 h laufen. Es wurde außerdem meine erste Ausfahrt für dieses Jahr mit dem Rennrad. Es ging auch gut los, das Tempo war überraschend hoch, trotz niedriger Belastung, aber irgendwie ging es dann doch abwärts. Parallel zum Tempo aber auch mit dem Puls, es lag also eher am Biss oder am Regen oder oder oder. Nach 2:43 h kam ich heim und sprang doch nicht nur in die Laufschuhe, sondern zog mich wegen der Nässe ganz um bevor es dann nach knapp 10 Minuten auf die Laufstrecke ging. Ich war schnell, der Puls war niedrig, ich versuchte mich zu bremsen, aber so richtig gelang mir das nicht. Es ist echt merkwürdig vom Rad zu steigen, alles kommt einem so langsam vor, aber man ist trotzdem schnell und irgendwann kommt dann auch der Einbruch bzw. die Realität, dass das so nicht bis zum Ende gehen kann. Die anschließenden knapp 14 km liefen aber gut und ich bin froh, dass noch einige solche Koppeleinheiten auf dem Programm stehen, um wirklich die Umstellung und das Laufen danach zu trainieren. Letztes Jahr habe ich das nur im Wettkampf gemacht, aber da würde ich beim Marathon in Roth wohl eine böse Überraschung bekommen, wenn ich das dieses Jahr auch so machen würde. Die Einheit war gut und in den restlichen 90 Tagen bekomme ich das bestimmt noch gut optimiert.

Donnerstagmorgen war dann mal wieder Wettkampf vor Arbeit angesagt. Der OSH-Lauf stand auf dem Programm. Das ist ein Crosslauf über reichlich 10 km der Offiziersschule des Heeres an dem unser Verein regelmäßig teilnimmt. In der Schwimmhalle dort gibt es auch das sonntägliche Vereinsschwimmen. Laufeinstimmung mit Appell und „Guten Morgen Herr General“ ist als Außenstehender ein bisschen amüsant, aber okay. Es starteten immerhin über 700 Leute, wobei ca. 90 Gäste waren und die anderen eher zwangsverpflichtet. Der Läufer vor mir mit Baumstamm auf der Schulter verneinte aber vehement, dass das eine Bestrafung sei, sondern antwortete zackig: „Nein, wir machen das freiwillig.“. Zum Glück hatte ich voriges Jahr schon teilgenommen und wusste, was auf mich zukam. Aufgrund dessen und der Vorbelastung aus den letzten Tagen ging ich das ganze entspannt an, trödeln wollte ich für den Verein zwar auch nicht, aber alles unter 55 Minuten wäre okay. Ich kam sogar unter 50 Minuten ins Ziel und war damit voll zufrieden. Ich war sogar eher ein wenig zu viel kontrolliert und hätte noch mehr rausholen können, doch das Bild letztes Jahr schon ziemlich kraftlos vor dem Anstieg zu stehen ging mir halt nicht wirklich aus dem Kopf.
Donnerstagabend hab ich das Schwimmtraining mal wieder ausfallen lassen. Wenn die Schwimmhalle nur schon eher aufgemacht hätte, so wäre es mit den privaten Dingen nicht so stressig gewesen und ich hätte im schönsten Sonnenschein zur Halle fahren können, aber so, zog ich den Ausfall und den stresslosen Abend vor.

Freitagmorgen hieß es erneut Laufschuhe schnüren. So richtig Lust hatte ich zwar nicht, aber ich hatte auch kein Problem damit zeitig aufzustehen und der Lauf lief richtig gut. Ich war schnell, der Puls war niedrig und so gab es erneut im Training auch den Halbmarathon unter zwei Stunden.

Am Samstag war es dann soweit und ich absolvierte mein zweites Schwimmseminar. Nach dem Radsturz hatte ich das in Riesa ja abgesagt und als Ausweichmöglichkeit den Samstag in Leipzig angeboten bekommen, was ich gern nutzte. Die Abläufe und das Vorgehen kannte ich schon und mir kam es vor allem ja auch darauf an, zu kontrollieren, ob sich in der Zwischenzeit was getan hatte. Bei den Aufnahmen für die Analyse war ich erst kurz enttäuscht, weil ich gar nicht so schnell in das Schwimmen kam, was ich eigentlich nun drauf hab, um so mehr überraschte es mich, dass die Auswertung doch sehr deutliche Fortschritte zeigte. Es ist erstaunlich wie viel so ein 1-Tages-Seminar bringen kann, wenn man gut zuhört und dann kontinuierlich an sich arbeitet. Es fühlt sich gut an, sich von einem Chaos, an dem man erstmal einen Punkt beruhigen muss und gezielt an einem anderen Punkte arbeiten muss, sich zu einem Schwimmer zu entwickeln bei dem man dann durchaus die Gesamtsituation positiv einschätzt und nur bestimmte Detailaufträge im Gepäck hat.
Krass ist aber auch wie sehr man aneinander vorbeireden kann und man Bilder als Gedankenstützen falsch interpretieren kann. Es wird beim Schwimmen ständig davon gesprochen, dass man sich vorstellen soll, dass man Tonnen oder Fässer unter sich wegschiebt. Bei mir lagen diese Tonnen immer längs an einer Schnur aufgefädelt im Wasser und ich habe die unter meinem Körper auf dem Tonnendeckel nach hinten geschoben und war immer ganz verwirrt mit der gleichzeitigen Aussage, dass der Armzug eigentlich neben dem Körper stattfinden soll. Dass die Tonnen quer im Wasser liegen und es eigentlich darum geht mit dem Arm den Bogen der Tonne nachzuempfinden wird mir gerade erst in diesem Moment bewusst. Ab jetzt ist dann aber das Bild klar.

Sonntag war Umzugsvorbereitung angesagt, Kisten packen, Küche abbauen,…. – und ich fand es schön, dass das nicht alles war, sondern Sabine noch zu einer Geburtstagsfeier von einer Freundin ging und ich doch noch zu einer längeren Radrunde kam. Zum Abschied eine Runde rund um Leipzig. Etwas kürzer als geplant, aber damit am Ende auch auf der Feier und vor allem mit der tollen Aussicht im Gepäck auf einen Kinderwagen mit dem ich auch richtig gut laufen gehen kann – das hat sich doch gelohnt.

Die Woche verlief also quasi wunderbar und ich bin sehr zufrieden, warum dann am Ende doch „nur“ 13:15 h statt 15:40 h auf dem Ergebnistablett stehen, ist mir eigentlich egal, zumal ich auch die ganze Woche noch mit dem Rad auf Arbeit gefahren bin.

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