Abrechnung in Theorie und Praxis

Die letzten Tage waren, wie schon geschrieben, etwas chaotisch und es war klar das ich die geplanten Einheiten nicht alle absolviere.
So ging ich am Donnerstagvormittag zur Leistungsdiagnostik aber abends nicht mehr zum Schwimmen, absolvierte meinen langen Lauf am Freitagmorgen, aber versuchte mich durch den Wegfall von kurzem Lauf und Athletiktraining für Sonntag wieder aufzubauen. So dass am Ende der Woche wieder nur knapp 7 Stunden auf der Uhr standen – allerdings mit sehr intensiven Einheiten. Aber von vorn.

Donnerstagmorgen war also Leistungsdiagnostik angesagt. Beim dritten Mal kann man da schon etwas von Routine sprechen. Kurzer Gesundheitscheck vorab und dann noch etwas warten, weil der Radfahrer vor mir wohl ein paar mehr Stufen schaffte als gedacht. Aber es ging dann auch bald los, verkabeln, sichern und die erste Stufe als Einlaufen nehmen. Eine Stufe unter der letztjährigen ersten Stufe – aber da war ich mich auch kurz ohne Registrierung eingelaufen. Schnell stand fest, dass es dieser Stufe nicht bedarf hätte und das Ergebnis sich deutlich verbessert haben wird. Und das, obwohl ich noch nicht so viele Geschwindigkeitseinheiten gemacht habe, der Test etwas zeitiger im Jahr ist und ich den Tag vorher auch keinen Ruhetag gemacht habe. Nächste Stufe und noch alles sehr grün, die Kurve steigt fast nicht an. Ich arbeite mich vorwärts und obwohl ich von dem Anstieg jetzt aufhören könnte, hängen wir noch eine Stufe dran – die aber nur noch 3 Minuten statt 5. Im Wettkampf wären da auch noch 5 gegangen, aber ich hatte es ja nicht mehr nötig und meine Gedanken waren dann auch schon etwas bei Sonntag – beim Berliner Halbmarathon. Insgesamt alles sehr gut, eine deutliche Verbesserung der Fettverbrennung – was auch Trainingsziel war und 0,5 km/h schneller an der Schwelle. Super. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die 0,5 km/h würden an der Schwelle ca. 13 Sekunden für den Kilometer entsprechen und so hatte ich Hoffnung in Berlin die 1:30 h wirklich knacken zu können. Theoretisch errechnete Zeit für Freizeitläufer wären aber 1:47 h – da wäre ich aber sehr unzufrieden. Ein Ergebnis war aber auch die Bestätigung meiner Toleranz gegenüber hohen Laktatwerten – sprich ich kann mich noch ganz schön lange quälen.

Donnerstagabend verließ dann meine Rolle endgültig den Haushalt und machte sich auf den Weg zu einem anderen Triathleten. Mit der Einstellung dieses Jahres gegenüber der Rolle, der Anschaffung des MTBs und der Aussicht nächsten Winter mich eher um einen kleinen Zwerg zu kümmern als um Trainingskilometer war die Entscheidung nicht schwergefallen die Rolle wegzugeben, zumal das Ergometer von Sabine immer noch da ist.

Freitagmorgen ging es dann auf einen langen Lauf. Anfänglich lief alles sehr gut, ich genoß die schneefreien Wege und erinnerte mich daran, dass die Grundlage doch auch bis zu einem etwas höheren Pulsbereich geht, aber nach einigen Kilometern spürte ich schon, dass am Tag nach der Leistungsdiagnostik nicht alle Kräfte zur Verfügung stehen und als die Kohlenhydratvorräte aufgebraucht waren ging der Puls trotz gleicher Geschwindigkeit hoch, aber noch im Rahmen. Ich freute mich aber bei der Halbmarathonmarke noch keine zwei Stunden auf der Uhr stehen zu haben und ging glücklich nach 23 km unter die Dusche. Ein bisschen Bedenken hatte ich dabei schon, ob das für Sonntag so gut war, denn auf den letzten Kilometern hatte ich meine Beinmuskulator doch schon deutlich gespürt. Vor dem Loslaufen hatte ich mich aber dafür entschieden, den Lauf zu absolvieren, da Berlin nur Zwischenziel und nicht Hauptziel ist und ich mich für solche Späße nicht von meinem Hauptziel abbringen lassen wollte. Es reichte zu, dass durch das Wochenende die lange Radausfahrt wegfallen würde.
Ich versuchte die Regenerierung zu beschleunigen, in dem ich für den Rest des Tages Kompressionsstrümpfe trug.

Samstag zog ich die Strümpfe wieder an, obwohl ich mir nicht sicher war, ob das gut sein würde, denn eigentlich hatte ich am Freitag hauptsächlich weiterhin meine geschwächten Muskeln gefühlt als eine Verbesserung. Erst am Samstagabend hatte ich das Gefühl, dass die Strümpfe mir vielleicht doch gut tun könnten. Den Tag hatten wir auf der Marathonmesse verbracht und abends dann beim Pastaessen, welches Manu wieder freundlicherweise organisiert hatte. Mit Vorsuppe hatte ich persönlich nicht ganz so eine lange Wartezeit auf mein Essen, aber durch das lange Warten hatte man auch gut Gelegenheit mit den anderen zu quatschen und das war sehr sehr schön.

Bei Manu konnten wir dankenswerter Weise auch übernachten und hatten so am Sonntag nur ein ganz kurzen Weg zu Start und Ziel. Der Sonntagmorgen zeigte sich sehr freundlich und bestätigte meine Kleiderfrage – mit Untershirt, Kurzarmshirt, Armlingen und 3/4-Hose. Die Schuhfrage ging in letzter Sekunde für den Brooks Green Silence aus und die bereute ich im Lauf auch nicht. Auf das Untershirt und die Armlinge hätte ich eigentlich verzichten können. Trotz kühler Temperaturen half die Sonne doch erheblich beim Wohlbefinden.
Spät gingen wir zum Start, noch ein kurzer Wortwechsel und dann wollte ich aber auch in meinen Startblock. Zum Glück fand ich noch etwas Wasser und konnte so ein Gel noch vor dem Start einnehmen.
Im Startblock hörte ich irgendwie nix über den Lautsprecher, aber irgendwann erfolgte auch der Start. Im Vorfeld war ich noch aufgeregt geworden und hatte auch richtig Lust schnell zu laufen, beim direkten Loslaufen war das dann leider nicht mehr ganz so da. Aber die Matte kam schnell näher und los ging es.
Der GPS-Sensor blieb wieder mal daheim und ich wollte locker laufen und mich an den km-Schildern orientieren. Schnell fand ich in den Rhythmus und konnte auch gut einordnen, wer sich etwa auf meinem Zielzeitenkurs bewegte. Ich entschied mich einen etwas älterem Läufer mit grauem lockigen Haar und gar nicht stylischem Jogginganzug zu folgen. Bestimmt ein halber Veteran der konstant sein Tempo läuft. Die Entscheidung war bei Kilometer eins erfolgt, den ich mit 4:18 Min erledigt hatte – schon etwas über dem Fahrplan von 4:15, aber eigentlich richtig gut auf Kurs. Ich blieb auf seiner Höhe bis zur ersten Verpflegungsstation. Dort bei km 6 folgte ich dann jemand anderem und blieb konsequent in seinem Windschatten. Uhr und Puls interessierte mich nicht, nur bei den Kilometerschildern drückte ich immer ab und schaute kurz auf die Uhr. Bis auf eine 4:14, war es immer leicht über die 4:15, aber ich hoffte mit einer gleichmäßigen ersten 4:18er-Hälfte in der zweiten Hälfte evtl. etwas zulegen zu können und die 1:30 h zu knacken. Doch es wurde härter. Mein Puls interessiere mich nicht, doch ab und an nahm ich den beim Abdrücken war und als ich zu diesem Zeitpunkt da schon 180 las, frage ich mich schon, wie lange das gutgehen würde. Bei der 10 km Durchgangszeit war ich schon 30 Sekunden über den Plan und von dem dort eingeworfenen Gel merkte ich leider nix. So richtig gar nix. Da dachte ich schon Upps. Nun wurde es noch schwerer dem Läufer zu folgen und wenn sich mal jemand zwischen uns gedrängelt hatte wieder zu ihm aufzulaufen. Irgendwo bei km 12,5 wurden es dann 3, später 4, 5 und schnell auch 10 Meter Abstand und dann war es vorbei. Die 1:30 h waren beerdigt. Nun galt es zu verwalten, etwas zu erholen, Lockerheit für den Rest zu finden, aber schnell zu blieben. Leider folgten dann doch bald Kilometer mit mehr als 4:30 Min und als dann auch die persönliche Bestzeit in Gefahr kam und sogar Gedanken aufkamen ein paar Meter zu gehen war irgendwie auch die Motivation weg. Die PB schwebte noch einige Zeit im Raum aber spätestens 3 km vor dem Ziel war auch das vorbei, zumal die Kilometerzeiten noch langsamer wurden. Selbst ein Endspurt war heute nicht mehr drin und ich wollte nur noch, dass es vorbei ist. Die Enttäuschung stand mir deutlich ins Gesicht geschrieben. So sehr sich Sabine auch bemühte. Ich konnte das Ergebnis nicht gut finden. Blöd war vor allem, dass ich ganz klar wusste, woran es lang. Wenn ich am Freitag den langen Lauf nicht gemacht hätte, dann hätte es mit den 1:30 h evtl. auch nicht geklappt, aber die PB wäre wohl gefallen.

Theorie und Praxis. Es ist noch schwer für mich, das anzunehmen. Im Leistungstest war ich über 10 Sekunden schneller pro Kilometer als letztes Jahr, also hätte es langen müssen noch dazu, weil ich – wegen stärkerer Fettverbrennung nicht so schnell erschöpft sein sollte – gleichzeitig sagt der absolute Wert auch nur eine Zeit von 1:47 h voraus. Ich bin dieses Jahr aber auch erst einen Wettkampf gelaufen (vom Wintermarathon mal abgesehen).
In den nächsten zwei Wochen werden wegen dem Umzug von Sabine zu mir die langen Radeinheiten am Wochenende wohl ausfallen, danach ist OEM und dann schon Duathlon-Wettkampf, Trainingslager, Roth-Streckenbesichtigung,…. – auch wenn das weiterhin Chaos im Plan verursachen wird, bin ich mir auch sicher, dass die Wettkämpfe wichtig sind, denn jeder Wettkampf ist auch eine ganz besondere Tempoeinheit. Auf eine Langdistanz zu starten aus dem Training heraus ohne Wettkampf – das kann ich mir gar nicht vorstellen. Nur übertreiben darf man es nicht. Das Lockerwerden mit den Ergebnissen muss ich noch lernen – für die Halbdistanz in Moritzburg (aus vollem Training) denke ich dann ab sofort deutlich in Richtung „unter 6 Stunden“ als „evtl. schaffe ich ja doch 5:30“!

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