Und zwischendurch ein Marathon

Zwischen Helferdankeschönveranstaltung des Weinlaufes am Freitagabend und Geburtstagsparty einer Freundin am Samstagabend hieß es noch „Leipzig, ich komme“ und zwar zum Wintermarathon.
Diesen Marathon, der ein Teammarathon ist, wollte ich mit einem Freund und einem Bekannten als langen Trainingslauf absolvieren. Ich hatte Mitläufer für eine Zielzeit zwischen 4:00 und 4:15 Stunden gesucht. Sollte übersetzt heißen, ich wollte nicht verbissen unter 4 Stunden kommen, sondern eher unter einem 6er Schnitt laufen und wenn alles passt, kann man sich die 4 aber auch von unten anschauen.
Die Woche bis zum Samstag lief mal wieder nicht optimal, aber auch nicht wirklich schlecht. Am Dienstagmorgen konnte ich mich trotz anfänglicher Unlust doch durchringen Bergansprints zu machen statt gemütlich 45 Minuten abzuzuckeln. Das Schwimmtraining vom Dienstagnachmittag verschob ich auf Mittwochmorgen, womit Yoga wegfiel und ihr könnt es Euch sicherlich schon denken, auf der Rolle war ich wieder nicht. Also verpflichtete ich meine Freundin mich am Donnerstagabend dazu zu nötigen. Am Morgen war die 30 Minuten Laufeinheit fast ein Kinderspiel, die Bergansprints hatten sich doch ganz schön in meinen Muskeln in Erinnerung behalten und dann lud ich mal wieder meine Trainingsdaten hoch und war erschrocken. Die MTB-Einheit vom Sonntag davor war ziemlich heftig gewesen und ich war am Dienstagmorgen bei den Bergansprints eigentlich noch im tiefroten Trainingsbelastungsbereich und hätte eine solche Einheit da eigentlich nicht absolvieren sollen und so sagte ich mir, dass ich meinem Körper dann vor dem Marathon am Samstag doch ein ganz ganz klein wenig Schonung gönne und nicht noch ein Technikprogramm auf der Rolle absolvieren müsse. Das war in dem Fall aber wirklich keine Ausrede, sondern sehr bewusste Entscheidung (es auch gar nicht erst zu versuchen). Stattdessen war Haushaltsabend angesagt und die überall rumliegenden Sportklamotten wegzuräumen, Pseudo-Krafttraining ala Altpapier in Massen wegschaffen, Koordinierungsübungen beim Duschvorhang wechseln und diverse weitere Räum- und Putzarbeiten zu absolvieren tat richtig gut, vor allem auch mal für den Kopf – hatten wir das nicht erst letztens – denn man wird nicht ständig an Sachen erinnert, die liegenbleiben, sondern man kann sich auch mal wieder wohl fühlen. Da bin ich schon ganz froh, dass das im Prinzip keinen stört und mein ganzes Training sich sehr gut in Arbeit, Leben und Partnerschaft integrieren läßt. Beim wem diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, denen kann man eigentlich nur raten, Finger weg von einer Langdistanzvorbereitung. Freitagmorgen schlief ich guten Gewissens etwas länger und abends ging es dann zu oben erwähnter Dankeschönveranstaltung. Von dem Lauf hatte ich bis zu meinem Helfereinsatz (über den Verein) noch nie was gehört und das ist schon unglaublich, denn es gibt ähnlich viele Starter wie in Roth und die Startplätze sind noch schneller weg. 2013 war in 20 Minuten ausverkauft.

Mit Spaß vorran

Mit Spaß vorran

Nun aber zum Marathon. Nachdem wir mit einem Anruf geklärt hatten, welche Adresse wir ins Navi einzugeben hatten, lief eigentlich alles reibungslos und wir kamen glücklich bis überglücklich ins Ziel. Noch mehr erzählen? Na gut.
Wir waren viel zu zeitig aufgestanden, viel zu zeitig losgefahren und waren so eigentlich vor dem Trubel da und hatten somit fast als erste unsere Startunterlagen. Den Riesenchip ums Handgelenk, Beigaben aufteilen und dann warten bis zum Start. Ich war mit Sabine und Daniel zusammen von Dresden gefahren unseren Berliner Mitläufer trafen wir wenig später vor Ort. Für Daniel wäre es erst der zweite offizielle Marathon. Das er es drauf hat, hat er neben seinem ersten Marathon auf vielen langen Läufen und überlangen Läufen gezeigt. Soll heißen, er ist im Training schon länger gelaufen als die 42,195 km, aber so Schwarz auf Weiß stand bei ihm eine 4:11:xx auf der Ergebnisseite. Für Carsten unseren Mitläufer würde es ca. der 33 Marathon bzw. Ultralauf sein und bei mir ging es zum sechsten Mal über diese Distanz. Bestzeitenambitionen hatten wir eigentlich nicht. Wir wollten Spaß haben und gemeinsam einen langen Trainingslauf absolvieren, den man alleine doch viel zu schnell absagt. Nach ein paar Gesprächen und Bekanntentreffs hier und da sammelten wir uns dann schließlich an der Startlinie, warteten, quatschten und auf einmal liefen sie los.
Einen Startschuss hatte ich irgendwie nicht gehört, aber nun waren wir im Rennen. Nach anfänglichem leichten Frösteln hatte ich schnell eher das Gefühl zu warm angezogen zu sein. Wenn Mütze absetzten, dann sofort, also runter damit, Handschuhe aus und Spaß haben. Auf der ersten Runde – es ging über 8 Runden á 5 km und einer kleinen Restrunde – sülzte ich alle voll, verteilte hier und da wild ungefragt dumme Kommentare. Ich mußte doch dem Teamnamen „Mit Spaß vorran“ gerecht werden. Als ich Sabine am Rand mit dem Fotoapparat erblickte hüpfte ich wild rum. Aber das Hauptthema auf Runde eins war eindeutig die Bekleidungsfrage bzw. machte ich es zum Hauptthema 🙂 Die Jacke ausziehen und auf das Wintershirt am Auto wechseln wollte ich dann aber doch nicht, da ich dann keine Taschen mehr haben würde und so die Entscheidung über Handschuhe ja oder nein nur aller 5 km treffen könnte. Praktischerweise ging das dann auch gar nicht, denn die Strecke erfuhr gegenüber letztem Jahr ein paar kleine Änderungen und so ging es gar nicht am Auto vorbei. Die Streckenänderungen waren aber top und so empfand ich die Strecke doch relativ deutlich schöner als letztes Jahr. Runde 1 war geschafft und ich zog doch wieder meine Mütze auf. Die Kleidungsfrage wurde ruhig – war aber noch lange nicht verstummt – als die Zeitendiskussion einsetzte. Der schlaue Beobachter merkt, dass wenn jemand sagt, dass man, wenn man selbst überrundet, es ja gar nicht so ein großes Ding ist, denn die Überrundeten müssten dann ja nur auf 4:30 h „langsam“ sein – er im Kopf in der eigenen Zielzeit auch 4 Stunden hat (Germanisten oder Deutschlehrer mögen mir gerne die korrekte Zeichensetzung zu diesem Satz rüberreichen). Wir quatschten und diskutierten und blieben eigentlich nach wie vor zu flott, zumindest für 4:15 h. Obwohl uns die Sonne kurz beehrte hatte ich kurze Zeit später auch wieder meine Handschuhe an. Später zog ich sogar kurzzeitig den Ärmel über die Hand – also zumindest über die Linke. Nach der vierten Runde wurden dann die Gespräche weniger. Man musste ja wirklich auch laufen und so langsam merkte man das. Im Verpflegungsbereich schüttelten wir öfter – obwohl wir dort auch langsam machten – ein paar Hakentreter ab. Da wurde man ja sonst auch so unter Druck gesetzt. Jede zweite Runde gabs ein Gel – sehr gekühlt gar nicht so eklig klebrig und süß. Und in einer Verpflegungsstationspassage ließen wir auch Katrin hinter uns. Ich hatte vorher noch die Parole ausgegeben – wir waren eine lange Zeit ca. 100 m hinter ihr – dass, wenn wir auf der kurzen letzten Runde auch noch so nah dran sind, wir sie uns schnappen. Daniel fragte dann noch, ob ich Katrins letzten Qualitätskilometer kenne – nee war mir Neuland. Aber erstmal waren wir ja auch vorbei. Die Führenden an uns übrigens auch längst. Das wiederholte sich dann auch noch ein zweites Mal, aber die Regionen sind eh unerreichbar und teilweise sah mir das auch nicht mehr nach Spaß aus. Den wollte ich aber haben und hatten wir auch, auch wenn die Zeitdiskussion ganz schön Raum einnahm. Wir waren aber auch gut drauf und die vier Stunden schienen möglich. Halbmarathon war bei 1:58 h angesagt und so hatte man zwar ein klitzekleines Polster, aber man würde gar nicht so schnell schauen können, wie das weg wäre, wenn es schlechter geht. Die Abweichungen der Pulsuhren zu den Kilometerschildern machten die knappe Diskussion nicht leichter. Als erstes stand dann irgendwann fest, dass Daniel auf jeden Fall eine neue Bestzeit haben wird. Die 4-Stunden-Diskussion dauert einiges länger, aber auch das schien irgendwann in trockenen Tüchern und so redeten, soweit wir das noch konnten – Daniel sagte zwar was, von dass er an der Grenze ist und kaum noch kann, aber trotzdem zog er weiter und weiter an – von der optimalen Gestaltung des negativen Splits und dass der zweite Halbmarathon doch schneller sein könnte. Carsten glaubte noch nicht dran, Daniel sagte kaum noch was, aber lief, was das Zeug hielt und ich, ich merkte die Anstrengung, glaubte an den negativen Split und versuchte die Geschwindigkeit zwischen Carsten und Daniel zu vermitteln. Ich würde den Marathon schaffen – nach meiner Vorbereitung nicht wirklich sicher – die vier Stunden würden gerockt und die Aussicht auf den negativen Split war gegeben, Spaß hatte ich die ganze Zeit, also war meine Welt völlig in Ordnung. Dass Daniel an der Zeitnahme der Vorrang gehört für die letzte kleine Sekunde war mir ein Herzenswunsch und nie zur Diskussion und so kam es dann auch und wir liefen glücklich bei 3:54:xx durchs Ziel. Von dem verpassten Zielfoto erwähne ich jetzt mal nichts 🙂 denn ich bin über die Unterstützung (und die vielen anderen Fotos) meiner Freundin so wahnsinnig glücklich.
Reiner sah mich nach dem Duschen und ich hatte wohl nicht das tolle Strahlen auf dem Gesicht. Aber es war schon da. Es ist komisch, wie normal sich das Ergebnis nach dem sechsten Marathon schon anfühlt und derzeit ist es für mich einfach nur ein Etappensieg, zumal von einer Etappe bei der ich mir relativ sicher bin, dass es keine Probleme geben dürfte. Eben aus dem vollen Training heraus und immer das Ziel Langdistanz vor Augen. Im Gegensatz dazu, sah man Daniel einfach die Freude absolut an und wenn jemand fragt, warum man sowas macht sollte man an solchen Tagen einfach nur in solche Gesichter schauen – herrlich.
Ich war innerlich dagegen ganz doll glücklich als ich am nächsten Tag aufs Rad gestiegen bin und einsam über den Elberadweg zu Sabines Eltern 50 km nach Riesa gefahren bin. Neue Wege, herrliche Landschaft und überraschende Begegnung mit einem Vereinskameraden. Sich überwunden zu haben, zu sagen, das war wirklich nur Training und zu der Woche fehlen noch zwei Einheiten (danach war ich noch Schwimmen) – das hat mich innerlich stolz gemacht. Auch wenn ein fader Beigeschmack bleibt, denn in der Wochenbilanz fehlt mir eine Stunde Trainingszeit zum normalen Plan und zwei Stunden zu meinem individualisierten mit Berücksichtigung des Wintermarathons. Die Verluste innerhalb der Woche kann man durch ein Top-Wochenende halt wirklich nicht mehr ausgleichen. Dennoch – heute überwiegt das positive Gefühl.

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3 Antworten zu Und zwischendurch ein Marathon

  1. Manu schreibt:

    Super, herzlichen Glückwunsch! Ich kann mir ja solche Distanzen und dann noch im Winter immer noch nicht vorstellen 🙂 Und Du machst das einfach mal so aus dem Training raus 🙂 Viele Grüße an Sabine!

  2. Din schreibt:

    Wow, Winter & Marathon… und dann noch bei Schnee. Glückwunsch! Ganz toll und ich habe es wirklich geahnt. Solch Posts kommen sich wohl noch häufiger: einfach mal so, nebenbei und zwischendrin ein Marathon 🙂 Klasse.

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