Saisonabschluss – Dresden Marathon

Es ist etwas ruhig hier geworden – hier im Blog. Nicht, dass ich nichts zu erzählen hätte, aber es paßt gerade oft nicht rein und ich will mich nicht selbst stressen. Von einem Laufanfänger, über einen Marathonläufer hin zu einem Verrückten, der für eine Triathlon-Langdistanz trainiert entwickelt sich halt nicht nur das Leistungsvermögen nach oben, sondern auch die Trainingszeit und damit die verfügbare freie Zeit nach unten. Außerdem bin ich froh über jede Minute, die ich mit Sabine verbringen darf und so hat das Blog schreiben halt ein paar Mal nicht in den Plan gepasst und so gibt es nun nicht nur ein paar Worte zum Dresden Marathon sondern auch zu der Zwischenzeit.

Nach dem Knappenman war eigentlich erstmal Ruhe angesagt. Das Grinsen wich schon eine ganze lange Weile nicht aus meinem Gesicht. Ich war und bin ziemlich stolz darüber, was ich da geschafft habe. Es fühlt sich einfach gut an.
In der Folgewoche gab es mit der TeamStaffel noch ein schönes Event in einer hektischen Arbeitswoche, welches wir als Programmiererteam ziemlich erfolgreich finishten. Und am Sonntag wurde beim Stadtlauf in Leipzig nochmal versucht, die 10km-Bestzeit zu knacken, was aber knapp nicht gelang. Trotzdem war auch das ein schöner Lauf. Ich hatte ja Angst vor der Situation, wenn nicht mehr die Bestzeiten purzeln, aber ich muss sagen, es ist eher ein Zugewinn. Ich habe jede Menge Spaß bei den Events und fühle mich gut und das ist, was (für mich) zählt. Außerdem war da immer noch das Grinsen wegen der guten Halbdistanz.

In der Folgewoche war ein freies Wochenende – die Woche über lief nix außer einem gemütlichen Morgenlauf – bei dem ich mich entscheiden musste. Ich hatte eigentlich Lust die Triathlonsaison mit einem Sprint ausklingen zu lassen, aber gleichzeitig wäre es auch ideal für einen langen Lauf als Vorbereitung für den Dresden Marathon. Diesen wollte ich nämlich absolvieren, um mit einem guten Gefühl und nicht dem verkorksten OEM in die Langdistanz-Vorbereitung zu starten. Meine Konzentration auf Roth 2013 siegte.
Leider siegte ich dann nicht an dem Tag. Der Plan war 4 Runden (a 9 km) um den Markleeberger See, aber nach einem Kilometer auf der letzten Runde drehte ich um, schaltete die Uhr aus und ging zurück zum Auto. Ich war einfach fertig.

Danach stand weiterhin Erholung auf dem Programm – wenn ich das so im Nachhinein mir anschaue, ist das, was ich wollte und das was ich gemacht habe, nicht so wirklich miteinander vereinbar. Es wurde aber auch auf Arbeit stressig und so sagte ich mir in der Folgewoche – es ist auch nicht schlimm, mal eine Woche gar gar gar nichts zu machen und konzentrierte mich auf die Arbeit. Das tat auch mal gut. Außerdem würde in der nächsten Woche Urlaub auf dem Programm stehen.

Der Urlaub führte uns in Fränkische Seenland – schön das es Sabine entdeckte und ich bei einem Urlaubsgebiet ganz in der Nähe von Roth einfach nur noch zustimmen brauchte. Es wurden zwar massig Sportsachen mit in den Urlaub befördert, aber es hat dann in den 8 Tagen genau 3 Einheiten gegeben. Diese waren alle allerdings sehr wichtig, es waren die wichtigen Schlüsseleinheiten.

Kennzeichnung der Roth-Radstrecke das ganze Jahr über

Als erstes stand da die Besichtigung der Radstrecke in Roth an. Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe. Wie die Strecke mit leicht und schnell bezeichnet werden kann ist mir völlig schleierhaft. 10 Prozent Steigungsschilder von Bergen von denen noch nie jemand was erwähnt hat (den Solarer Berg hab ich dagegen fast übersehen). Ständiges bergauf und bergab und der Wind kam irgendwie immer von schräg vorn außer bei der Abfahrt, bei der man eh wegen den engen Kurven bremsen musste. Nach den 96 km schmiss ich das Rad am Zielbogen in Roth meiner Freundin vor die Füsse und meinte nur, dass ich einen Startplatz für nächstes Jahr abzugeben habe. Wenn ich mir ganz nüchtern die Einheit betrachte, dann war es vor allem wohl der Kopf, der mir übel mitgespielt hat. 96 Kilometer sind halt nicht eine einfache leichte Besichtigungsrunde die man aus dem Ärmel schüttelt, sondern als solche auch eine lange Einheit. Von dem 6 Stunden Radsplit habe ich mich gedanklich trotzdem verabschiedet und damit auch von den sub12. Nur weil einiges gut lief, sollte man seine Ziele auch nicht einfach höher stecken, es gibt auch schlechtere Tage und so bleibt mein Ziel sub13.

Zwischendurch gab es viel Urlaub und ein schönes neues Hobby – Geocaching. Einfach nur schön und entspannend. Am Samstag absolvierte ich trotz Urlaub eine wichtige Einheit – den langen Lauf. In so einer schönen und geeigneten Region musste das einfach sein und war für mich Urlaub. Und es ist unglaublich wichtig, wenn die Partnerin einen dabei so unterstützt, wie es Sabine macht. Es lief eigentlich gut und ich war voller Tatendrang. Sabine traf ich nach 11 km und ihr ging es nicht so gut, also überdachte ich meine Wegplanung, aber die gab ich dann selbst wieder auf und sparte mir 6 km. Die letzten 11 km begleitete sie mich auf dem Rad und es wurde auf einmal hart. Ab km26 jammerte ich ziemlich extrem. Wie ich den Herbstmarathon überleben sollte – keine Ahnung. Nach 29 km war jedenfalls absolut der Ofen aus. Die Trainingsaufzeichnung gibt es hier.

Schwimmen Brombachsee

Am See urlauben, aber nicht schwimmen gehen – nee das kam nicht in die Tüte, auch wenn die Beine vom Vortag schmerzten und ich nicht wirklich Lust hatte. Aber gemacht habe ich es trotzdem und auch hier kann ich mich und meinen Blog-Titel nur unterstreichen – LOSlaufen bzw. hier LOSschwimmen. Es war kalt – draußen war es sonnig, aber die Wassertemperatur lag bei 17 Grad und ich wollte diesen See durchschwimmen und wusste nicht mal, wie weit das ist. Geschätzt zwischen 1,3 und 2 km, aber das ist ja schon ein heftiger Unterschied. Trotzdem, vor dem Durchschwimmen hatte ich keine Angst, nur Respekt, schliesslich hatte ich das bei der Halbdistanz auch geschafft. Über den Rückweg machte ich mir noch nicht so viele Gedanken, zumal es da Notfallpläne gab, von Drumherumlaufen bis zu Boot fragen. Auf den ersten Metern im Wasser hatte ich auch ganz schön zu kämpfen, ob ich es gleich wieder aufgebe oder weitermache. Dabei hatte ich auf einmal mein Fernziel oder auch Traum – den Norseman – vor Augen und das hier war doch ein guter Test. Also weiter und als ich die Badebucht verlassen hatte, war ich quasi eins mit dem See. Die Trainingseinheit und ich waren auf Du und Du. Der – ziemlich intensive – Bootsverkehr musste beachtet werden und kurz vor Schluss wollte das Ufer einfach nicht näher kommen – es zog sich. Aber ich fühlte mich gut und fit als ich Part I – die Hinstrecke absolviert hatte. Etwas entspannen, aber ja nicht ans frieren kommen und schon machte ich mich auf, auf den Rückweg. Endlich richtig Ruhe im Kopf und schöne lange Züge – es fühlte sich einfach an und der Blick auf die Uhr sagte mir, dass es auch gar nicht so langsam war. Eine Strecke stellten sich übrigens als 1,8 km raus. Auf dem Rückweg war der Schiffsverkehr noch dichter und es gab da auch eine – wie ich fand – ziemlich grenzwertige Situation. Die Wasserschutzpolizei war wohl der gleichen Meinung und rügte den Segler. Es ist interssant zu hören, was außerhalb vor sich geht – Sabine war ja die ganze Zeit am Ufer. Die DLRG hatte mich schon lange Zeit im Visier und hätte mich ohne Signalbadekappe auch nicht starten lassen und in der Uferkneipe war ich die Attraktion, außerdem ist es ideal solche Aktionen einfach bei der DLRG anzumelden – also kurz vor dem Sprung ins Wasser einfach mal Hallo zu sagen. Aber ich war beim Rückweg und kurz vorm Ufer noch viel extremer das gleiche Bild – es ging einfach nicht näher. Der Yachthafen war viel größer als gedacht und so schwamm ich einen heftigen Bogen. Leider stieg in dieser Phase auch mein GPS-Sensor aus. Aber he – ich habs geschafft. Wieder ca. die Ironman-Strecke und es fühlte sich gut an, noch dazu mit den erschlafften Beinen vom Vortag. Dieses Schwimmen gab mir unheimlich Selbstvertrauen.

Normal wollte ich 4 Läufe über 30 km, davon zwei über 35 km, um mich wirklich für den Dresden Marathon anzumelden. Aber eines abends war mir das egal, ich nahm den SZ (Sächsische Zeitung) Vorteil mit und meldete mich für die 42,195 km für (gegen Roth jächerliche) 35 EUR an.

In der zweiten Urlaubswoche stand außerdem noch der Borsberglauf auf dem Programm. 2011 absolvierte ich den nicht, da er mit der Marathon-Vorbereitung so gar nicht zusammenpasste, aber diesmal, wollte ich den absolvieren. Es war das erste Mal, dass ich Nachmelder war und mich erst vor Ort meldete und ich es beim Einlaufen eigentlich schon bereute. Die 29 km hingen mir noch nach, mein unterer Rücken schmerzte und ich sah das Disaster schon, aber beim Lauf selbst war dann eigentlich alles okay. Ich konnte durchlaufen ohne Geheinheit und unterbot mein Ziel (1.08 h) deutlich und kam nach 1:05:29 ins Ziel. Ich freute mich auch einfach, dieses Event mit Ines und Jana teilen zu können. Ohne die Auswertung danach verpufft das ja alles.

Den nächsten Tag gab es endlich mal wieder eine Radausfahrt – die Standardrunde und am Wochenende quetschte ich zwischen die verwandtschaftlichen Verpflichtungen wenigstens noch einen 15km-Lauf. Der Dresden Marathon rückte immer näher und ich wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte.

Ich machte einfach, was mir Spaß machte und ignorierte fast den Marathon. Es war die erste Woche mit 4 Schwimmeinheiten und ich merkte, wie mir das wirklich half. Technik, Technik, Technik – sag ich da nur. Am Wochenende dann aber auch noch den langen Lauf – obwohl ich zu dem Zeitpunkt überzeugt war, dass das ja nix mehr bringt.

In der Marathonwoche war ich dann auch wieder schwimmend unterwegs und zwang mich mehr oder minder zu zwei Laufeinheiten. Radfahren? Okay, ich installiere einen Radhalter an der Wand und dorthin wird das (Wettkampf)Bike verbannt.

Dresden Marathon Zieleinlauf

Und nun, nun ist es soweit, ich bin angemeldet – trotzdem ich keinen 30 km Lauf absolviert habe. Ich fühle mich schlecht vorbereitet und weiß überhaupt nicht, was mich erwartet, trotzdem habe ich einen ziemlich festen Plan. Entscheidend ist, positiv zu finishen – alles über 4 Stunden ist es nicht wirklich (naja, mit knapp drüber und ordentlich durchgelaufen schon). Ich gehe einfach auf 3:45 h an und sehe, was passiert. Ich habe keine Ahnung, aber habe vor allem Angst nicht zu finishen. Beim OEM war der kürzeste Weg zu seinen Begleitern einfach die Strecke gewesen, aber hier gab es jede Menge Abkürzungen und zweimal war ich bei km 29 ausgestiegen. 42 km konnte ich mir gerade nicht vorstellen. Praktisch habe ich das aber alles ignoriert und hab mir einfach meine Startunterlagen abgeholt.

Am Morgen des Marathon dachte ich immer noch nicht wirklich darüber nach, mir war die ganze Situation nicht bewusst. Aber endlich – 1 Stunde vor dem Start – wurde ich nervös und krippelig. Aber auch wieder nicht. In der Startaufstellung musste ich mir permanent einreden, was ich jetzt gerade vor habe und da beschloss ich einfach nur Spass zu haben.

Noch nie, habe ich so euphorisch meine Arme hochgerissen, wenn der Moderator es so wollte, aber diesmal wollte ich irgendwie allen nur zeigen – habt Spaß! Startschuss und los. Na nicht wirklich, sondern langsam vorwärts gehen. Kurz vor der Matte versuchte ich etwas Luft zu lassen, um nicht gleich nach der Matte abbremsen zu müssen. Km 1 kam mir höllisch langsam vor, war aber trotzdem schneller als ich wollte. Nach km 1 wollte ich nur noch meine Armlinge loswerden – da hatte mich der Morgen erst dazu überredet, um mir dann doch zu sagen, dass man die nicht braucht – und war froh, dass bei km 3 Sabine stehen würde. Ich war die ganze Zeit zu schnell unterwegs – genau wie letztes Jahr. Bei km 3 wurde ich auch wirklich die Armlinge los. Im Gegensatz zum letzten Jahr, war ich nicht so sehr erschrocken, sondern zog es in Erwägung so schnell weiter zu laufen. Gleichzeitig merkte ich aber auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt, dass mich das Energie kostet und ich nich einfach nur so für mich hinlaufen kann, sondern ziehen muss. Beim km 11 gab es das erste Gel und den coolsten Sound des Marathon. Bei km 14 verbiss ich mir Hochrechnungen, denn der Lauf würde erst bei km 30 beginnen. Irgendwann wurde mir klar, dass die Option (beim Halbmarathon ins Ziel laufen) keine Option ist, denn Sabine würde auf der Marathon-Strecke auf mich warten. Dort kam ich dann auch mit den ersten schlechten Kilometerzeiten vorbei und das mir gereichte Salzwasser flog ganz schnell wieder in den Graben. Ich reduzierte die Zeiten bis zum nächsten Gel und klemmte mich an eine Frau, um über das lange Käthe-Kollwitz-Ufer zu kommen. Auf dem Rückweg der Wendeschleife sah ich Micha kurz und freute mich, dass ab sofort die zweistelligen Kilometerschilder meine wären. Ich lief ohne GPS-Sensor und drückte bei jedem Kilometer die Uhr ab. Noch ein Gel an der Station und die Frau war weg – also neue Orientierung. Leider waren nun auch die zahlreichen Bands irgendwie gerade alle in der Pause. Bei km 30 gestattete ich mir dann erstmal eine Endzeit zu berechnen. Der schreckliche Trainingskilometer 29 lag ja auch hinter mir und ich fühlte mich gut. Jede Band am Strassenrand feuerte ich an und ich genoss deren Töne. Die erste Berechnung wähnte mich ziemlich sicher auf unter 3:50 h und ab da ging das ganz große Feiern los. Die Freude würde mich heimtragen! Sehr schade, dass die Band bei km 32 auch gerade Pause machte – bei km 11 fand ich dieses Lied so schön und wollte das unbedingt nochmal hören. Bei km 35 sagte ich mir, dass drücke ich jetzt nicht durch, sondern nehme noch ein Gel. Alles lief wunderbar. Ich war deutlich unter meinem Ziel unterwegs. Bei km 36/37 rechnete ich wegen der 3:30 und wegen meiner PB. Aus der versuchten Tempoverschärfung wurde leider nix. Der Puls sagte zwar okay, aber die Muskeln nicht. Also einfach weiter – ich überholte Frank, der sich zu seinem Geburtstag seinen ersten Marathon gönnte und nahm auch die letzten Verpflegungsstationen mit – die PB hatte ich bereits abgehackt. Sehr freudig – aber nur tief in mir drin und nicht nach außen gezeigt – lief ich durchs Ziel und ich fand es total schön, dass gerade da der Sprecher die Angehörigen würdigte, die im Hintergrund da sind und Bestzeiten erst ermöglichen und auch würdigen. Es ist einfach schön, solch einen Moment teilen zu können. Im Ziel – welches ich nach 3:32:46 h erreichte – war ich sehr relaxt. Ich war unglaublich Stolz die Leistung vom letzten Jahr bestätigen zu können und mir damit auch viel Selbstvertrauen beim Laufen für Roth aufgebaut zu haben, aber es gab keine Jubelschreie – ich war einfach nur tiefenentspannt glücklich. Gleichzeitg suchte ich die ganze Zeit nach Sabine – ich wollte mein Glück teilen. Ich wollte sie im Arm haben und war sehr froh, als wir uns endlich fanden. Ziemlich gelangweilt kam ich ihr wohl vor und es war wohl nur ein schwer verständliches Zeichen, dass ich trotz keiner Bestzeit die Gravur auf meiner Medaille wollte. Es sind die leisen Zeichen, die ich ich bin.

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Eine Antwort zu Saisonabschluss – Dresden Marathon

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