Marathonschwimmen Bärwalder See

Nachdem ich letzte Woche am Sonntag in Leipzig im Cospudener See eine kleine 800 m-Runde gedreht hatte und dort sehr ruhig war und alles easy, war ich sehr zuversichtlich das Marathonschwimmen am Samstag zu überstehen. Dort sollte es 4 km quer durch den See gehen, aber nicht mittig durch, sondern eher am Rand.
Ich wollte unbedingt die Strecke mal vor der Langdistanz geschwommen sein und so machte ich mich am Morgen auf zu dem kleinen Wettkampf. Ein paar Bedenken hatte ich hinsichtlich des Wetters, denn die Aussichten waren nicht gut und wenn der Wettkampf wegen einem Gewitter abgesagt worden wäre, wäre ich doch sehr traurig gewesen. Aber wir hatten Glück, erst auf der Heimfahrt fing der Regen an.

Die Startunterlagen abholen war ganz schnell erledigt, ein bisschen warten, ziemlich nervös rumsitzen und dann hieß es auch schon bald Neo anziehen und an den Start fahren lassen. Der Start war ein Tiefwasserstart – also ähnlich wie in Roth – sehr schön. Weniger schön, dass auf einmal meine Nasenklammer nicht mehr auf der Nase halten wollte. Die rutschte ständig ab. War wohl irgendwie zu fettig. Nach ein bisschen ruppeln, hatte ich es dann doch. Der Startschuss liess dann auch gar nicht lange auf sich warten und los ging es. Ich fühlte mich gut und man konnte auch gut schwimmen ohne große Schlägerei – war ja auch kaum jemand zum prügeln da. Plötzlich rutschte meine Nasenklammer aber wieder und ich entschied mich nach etwas probieren, die dann einfach im Neo zu versenken. Blöd aber nicht zu ändern. Leider waren danach die Wasserschatten weg und ich kam auch an keinen mehr ran, sondern fand mich als ziemlich Letzter wieder. Naja egal, ich hab hier ein Rennen nicht gegen die anderen sondern mit mir und es heißt nur, die Strecke zu überstehen. Als Ziel ausgegeben hatte ich für die 4 km 2:30 h, innerlich und leise angedeutet auch nach außen hatte ich aber schon das Ziel unter 2 Stunden, zumindest unter 2:15 h – der CutOff-Zeit bei der Langdistanz – zu bleiben. Also einfach schwimmen, ja nicht zu schnell, möglich sauber und kraftschonend. Ging auch ganz gut. Bojen gab es aller 400 Meter und meine Taktik bestand einfach nur darin, immer erstmal nur bis zur nächsten Boje durchzuhalten. Die Vorausschwimmenden enteilten immer mehr und so wurde die Orientierung immer schwieriger. Ich merkte wie ich im Oberkörper wieder rumschlenkerte und ständig zick zack schwamm. Da nervte mich, aber ich bekam es irgendwie nicht besser hin. Bei gerade mal der zweiten Boje fing die Schwimmbrille schon an zu drücken und ich bekam heftige Kopfschmerzen. Außerdem war wohl der Neo nicht sehr sauber zu, sprich der ich hatte das Gefühl, dass der Klettverschluss zu hoch geschlossen war und so das Klett immer über meinen Hals rieb. Es tat weh. Dritte Boje und ich sah vor mir keinen mehr, aber ich war wunderbar in der Zeit, also keinen Grund unzufrieden zu sein. Ich wechselte inzwischen schon Brustphasen zu Orientierung und Kraul ab. Irgendwann nervte es mich zu sehr, dass ich ständig zick zack schwamm und stieg ganz zu Brust um. Im Neo Brust schwimmen ist aber nicht ideal und so versuchte ich öfter wenigstens noch 100 m Strecken zu kraulen, weil es einfach angenehmer zu schwimmen ist. Das ich das mal denke, hätte ich mir vor einer ganzen Weile nicht träumen lassen. Ich hatte nicht unbedingt das Gefühl sehr viel schneller zu sein, aber es war eigentlich deutlich schöner, wenn nur das Problem mit dem geradeaus schwimmen nicht wäre. Es wurde anstrengend und die Schmerzen im Kopf und am Hals wurden größer. Ich überlegte ernsthaft auszusteigen da ich ja noch eine ziemliche Strecke vor mir hatte. Kurze Zeit später war die 5. Tonne und damit die Halbzeit erreicht und ganz schnell änderten sich meine Gedanken, aber jetzt gehts abwärts, ich hatte die längste zusammenhängende Strecke bis jetzt geschwommen. Jeder Meter mehr wäre ein kleiner Sieg und gar nicht das ganz große Scheitern, aber warum aussteigen, ich liege doch wunderbar in der Zeit, auch wenn das „Besen-Boot“ ziemlich nah war. 2.400 m – jetzt nur noch die Schwimmstrecke der olympischen Distanz. Immer wieder mal Kraul zum entsprannen, aber das Zick-Zack-Schwimmen wurde ich an dem Tag nicht los. Als die Boote an mir vorbeifuhren, dachte ich, die Leute nach mir haben aufgegeben und ich bin jetzt Letzter, aber egal, ich würde jetzt durchhalten. Letzte Tonne und der Zielbogen wurde größer und größer. Grund, nein noch nicht, noch ein paar Züge und dann endlich wieder Boden unter den Füßen, jetzt noch ein paar Meter laufen und ich war im Ziel. Ich hatte es geschafft, die Distanz war bewältigt. Jetzt auf 180 km Rad – ähm nein, heute nicht, heute nur Medaille abholen, etwas trinken, entspannen und dann nach Hause. 1:43 h hatte ich gebraucht und damit deutlich unter meinen optimal angestrebten 2 h. Vor der Disziplin müsste ich nun also auch keine Angst mehr haben.
Die fehlende Nasenklammer bescherte mir leider einen heftigen Allergieanfall und so war mein Ausflug am nächsten Morgen nach Roth gecancelt. Aber egal, der Stolz bleibt und das ich fast Letzter war, stört mich auch nicht wirklich. Ich hab mein Rennen gewonnen.

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