Moritzburg Duathlon – Helfen, Starten, Helfen

Am Wochenende war es nun soweit. Schlosstriathlon Moritzburg stand auf dem Programm – meine erste olympische Distanz. Aber nicht nur das. Mittlerweile auch Heim-Triathlon, Fieberursache – nachdem ich letztes Jahr noch Helfer war und wieder auch Helfereinsatz.

Vor einem Jahr wollte ich mal die andere Seite einer Veranstaltung kennenlernen und Helfer machen. Mit Triathlon hatte ich da noch nichts am Hut, außer leichtes Interesse. Wie das mittlerweile sich entwickelt hat, wisst Ihr, wenn Ihr regelmäßig meinen Blog lest. Am nächsten Tag war ich Fahrrad kaufen, mittlerweile habe ich schon ein Zweites, ein Neo ist auch in meinen Ausrüstungsschrank gewandert und vier Triathlon-Starts habe ich hinter mir. Ich bin in den Moritzburger Triathlon e.V. eingetreten und fühle mich in der Triathon-Welt pudelwohl. Das Tria-Fieber ebbt nicht ab und „das ist auch gut so“ 🙂 Hielt ich letztes Jahr die Langdistanzler noch für völlig durchgeknallt, plane ich nun selbst meine erste Langdistanz. Und dieses Wochenende traf nun alles aufeinander.

So langsam komme ich im Verein an, gerade nach dem Trainingslager und fühle mich da richtig wohl und so waren die ersten Helferstunden am Montag und Dienstag mit Starterbeutel packen auch mehr schönes Beisammensein als Arbeit. Es hat Spaß gemacht auf Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen und so langsam zu spüren wie die Spannung vor dem Wochenende steigt.
Eine Trainingseinheit habe ich – auch unter der Berücksichtigung dass ich am Dienstag noch meine schrifliche und mündliche Prüfung für die Weiterbildung hatte – in der Woche nicht mehr untergebracht.
Am Freitag konnte ich es gar nicht erwarten, Feierabend zu machen und Dresden in Richtung Moritzburg zu verlassen, die Area herzurichten und dann endlich das Klicken der Leerlaufnaben der High-Tech-Bikes zu hören. Es macht Spaß ein klein wenig für das Gelingen der Veranstaltung verantwortlich zu sein. Der Aufbau ging schneller als gedacht und so bekam ich doch noch mehr Schlaf als gedacht. Trotzdem war das Klingeln des Weckers um 5 Uhr heftig. Samstagmorgen 6:15 Uhr war Helferanmeldung für die „Posten Radstrecke“ zu denen ich gehörte. Ich konnte noch wählen und so ging ich diesmal an eine andere Stelle. Aber soviel sei vorweg genommen – es ist egal auch dort waren die Beleidigungen, Angriffe etc. nicht weniger – manch Mitbürger hat halt so gar nix übrig für den Sport und ist dann sachdienlichen Hinweisen nicht mehr aufgeschlossen. Die Frau, die ich letztes Jahr so ziemlich am Anfang wohl auf dem Hinweg zur Arbeit hatte, hatte ich nun auf dem Rückweg. Meine Mitstreiter bewunderten mich ein bisschen für meine Entschlossenheit und Ausdauer und trotzdem Höflichkeit und Sachlichkeit mit der ich ihr entgegentrat. Aber so eine aufgeregte Mitbürgerin entgegen der Fahrtrichtung auf die Strecke zu lassen, das konnte ich einfach unter keinen Umständen verantworten und ich zeigte ihr ja auch Alternativen auf. Das war dieses Jahr mit Hilfe der ausgedruckten Karte auch einfacher und hat uns in unzähligen Situationen sehr viel weiter geholfen.
Nach reichlich 10 Stunden war mein Einsatz beendet. Ich holte mir meine Nudeln und beobachtete den Zieleinlauf ein wenig, bei dem gerade auf die erste Frau auf der Langdistanz gewartet wurde. Meine Freundin wollte aber zu mir kommen und so verließ ich doch relativ schnell und noch vor diesem Zieleinlauf das Veranstaltungsgelände. Zu Hause stellten wir dann fest, dass ich vergessen hatte, meine Startunterlagen für die Olympische Distanz, die am Sonntagmorgen gestartet werden würde, abzuholen. Also nochmal los, Startunterlagen abholen und noch etwas rumschauen, Sabine ein paar Wege erklären und etwas Beifall spenden. Hallo! Leute! Da kommen Leute auf einer Langdistanz mit ca. 11 Stunden ins Ziel und die müssen sich so vorkommen als ob sie fast die letzten sind! Der Trubel der Halbdistanzler ist vorbei und viele gehen. Aber da sind echte Freaks unterwegs und die erbringen evtl. gerade die Leistung ihres Lebens! Ich mag meine Heimatveranstaltung, aber die Langdistanz werde ich hier wohl nicht absolvieren – sorry. Da mag ich doch lieber noch ein paar mehr Leute auf der Strecke und auch Zuschauer im Ziel – das gleicht für MICH die tolle Kulisse nicht aus.
Ziemlich fertig kam ich zu Hause an und fühlte mich völlig erschlagen. Die letzten Wochen, die Krankenhausbesuche, die Weiterbildung, der Marathon, der fehlende Tagesablauf, das Trainingslager aber auch die Trainingsausfälle und aktuell der Helfereinsatz quetschten mich förmlich auf den Boden. Ich war völlig breit. Warum und weshalb und wie ich morgen meine erste olympische Distanz im Triathlon bewältigen sollte war mir völlig schleierhaft. Eher gequält suchte ich meine Ausrüstung zusammen.

Am Morgen war die Situation kaum besser. Ich wollte einfach nur weiterschlafen. Ich war müde und die Motivationsversuche meiner Freundin nervten mich mehr als das sie ankamen. Das Problem war wohl hauptsächlich, dass ich mich noch nie so schlecht auf einen Wettkampf vorbereitet fühlte. Seit dem Oberelbemarathon gab es kein koordiniertes Training mehr und eigentlich nur noch Stress. Aber ich spulte mein Programm ab. Die erste positive Überraschung erlebte ich als beim Einchecken gar kein Betrieb war, sondern ich ziemlich schnell abgefertigt wurde – von Jan bei seinem ersten Kampfrichtereinsatz. So langsam stieg die Anspannung. Zu Hause hatte ich kurz vor dem Losfahren noch endlich Herausgefunden, wo ich mein Werkzeug hingeschmissen hatte, welches ich die Woche davor verloren hatte. Den Trinkschlauch hatte ich inzwischen verlängert und so langsam verflog die negative Energie. Meine Eltern kamen auch zum Beobachten und ich freute mich darauf nicht mehr nur bei den Jedermännern zu starten.
Kurz vor dem Schwimmstart bekam ich mit, dass ich mir mittlerweile einen Cut im Neo zugezogen hatte – das trübte wieder etwas meine Laune. Egal. Beim Schwimmstart sortierte ich mich in einer nicht zu schlechten Position, aber möglichst ruhigen Zone ein. Auf die Nasenklammer verzichtete ich diesmal gleich.

Peng und ich war im Rennen. Das Geprügel war gar nicht so groß wie erwartet. Die Strecke bis zur kurz vor die erste Boje ging ziemlich gut und auch ausschließlich im Kraul. Leider waren die Schwimmgeschwindigkeiten von den Leuten um mich herum immer deutlich anders und so hatte ich keinen Schwimmschatten – ich überholte oder wurde überholt. Das mit dem Schatten sollte auch bis zum Ende so bleiben. Ein Blick auf die Uhr – unmöglich – in dem trüben Wasser sah man keine 10 cm weit. Und was trat mich den gegen meine Brust, umschauen, nee dar war niemand – oh, es dämmert, das war doch nicht etwa ein Karpfen. Nicht drüber nachdenken, nur gut, dass Neo erlaubt ist. Nach der ersten Boje und der Brücke wurde es ruhiger, aber es tauchten auch schon die ersten Badekappen der zweiten Welle auf (5 Minuten dahinter gestartet). Ich musste mich mehr orientieren und die Kraft ließ nach. Ich verfiel ins Brustschwimmen. Ging aber auch immer wieder und das eigentlich auch hauptsächlich in Kraul über, nun schaffte ich dabei auch ab und an auch mal Dreieratmung. Sich orientieren müssen nervte aber. Am Vorabend scherzte ich noch, dass ich vom ständigen Winken der Abbiegerichtung auf der Radstrecke dann wohl die ganze Zeit rechts abtreiben würde beim Schwimmen, nun passierte dies wirklich. Ein Schwimmschatten und dem einfach folgen können, das wäre es gewesen. An den flacheren Stellen bei der zweiten Brücke und auch am Ausstieg zu zeitig zu laufen, brachte nix, es war ecklig schlammig und durch das Einsinken auch deutlich langsamer, also nach zwei drei Schritten weiterschwimmen. Ausstieg, Blick auf die Uhr und dann großes Augenreiben! Wie bitte, was stand da? Reichlich 33 Minuten! Auf 45 Minuten hatte ich gehofft. Yeah, ich war im Rennen. Die Zweifel vom Morgen waren weg, ich hatte Spaß. Neo ausziehen obenrum und laufen klappte auch gut. Wechsel fertig machen und ab.
Am Ausgang der Wechselzone ging es über eine Bordsteinkante und mein Trinksystem löste sich, ich versuchte es aufzuheben und wieder einzuklicken. Es gelang mir nicht. Reiner – Trainer und Chef der Veranstaltung – sah es, gab mir den Rat die Flasche wegzulassen und loszufahren, was ich auch tat. Ich hatte auch noch eine normale Flasche am Rahmen. Ich trat in die Pedalen – wieder hatte ich die Schuhe am Wechselplatz angezogen und nicht am Rad fest gemacht – und fühlte mich diesmal deutlich besser als noch vor einer Woche. Blöd war, dass der GPS-Sensor von meiner Uhr nicht erkannt wurde. Klick da, klick da, nix, also Sensor aus, Sensor an und alles war okay. Die Uhr ist nett für die Aufzeichnung, aber im Rennen brauche ich die beim Triathlon nicht wirklich. Ich sollte die echt weglassen.
Auf der Runde, nach der langen Anfahrt ging es auf drei Runden, hatte ich einfach nur Spaß. Man war ich froh, dass ich gestartet bin und nicht den morgendlichen Überlegungen zum Weiterschlafen nachgegeben hatte. Ich fühlte mich gut, war zügig unterwegs, konnte mithalten, krallte mir ab und an jemanden, aber auch ich wurde überholt. Ich verlor bei meiner schwachen Disziplin aber nicht wirklich. Am Anstieg machte ich locker, bergrunter aber Druck und ließ nicht nur gleiten. Ich hatte das Gefühl alles richtig zu machen. Trinken ging auch halbwegs gut, aber ein Gel mehr hätte ich mir ruhig auf den Rahmen kleben können. Von Kilommeter zu Kilometer stieg der Spaß. Es war einfach schön im Rennen zu sein und so manchen kleinen Fight auszutragen, überholen, zurücküberholen, nochmal überholen,…. Die Situation war einfach schön und noch persönlich und es ging auch gar nicht so sehr ums besser sein. Schließlich weiß man auch, dass man zwar mal eine Weile besser sein kann, aber dann evtl. beim Laufen das Nachsehen hat. Es ist ein Spiel mit dem Haushalten der Kräfte. Es ist auch wichtig, sich nicht auf jedes Spiel einzulassen. Ich hatte meine pure Freude und diesmal war ich voll im Rhythmus und in der Disziplin Radfahren und ich war auch in meinem angestrebten 30er Schnitt. Was bitte wollte ich denn mehr?
Abstieg funktionierte gut, nur die Gasse war etwas eng. Ich lief auf meinen Vordermann auf und kam nicht vorbei, fühlte mich aber sofort gleich wohl beim Laufen. Ich drängelte aber auch nicht, sondern dachte nur, okay, damit kann ich auch etwas entspannen und bekomme auch keine Krämpfe beim Wechsel. In der eigentlichen Wechselzone überholte ich dann doch noch, bekam aber trotzdem keine Krämpfe und ging völlig reibungslos ins Laufen über.
Und das war einfach nur noch Spaß. Ich hatte sofort eine Leichtigkeit in mir und machte – wenn auch langsam – Plätze gut. Die Strecke war schön, ich war mitten im Feld, genoss das ISO, erlebte wenig später ein absolutes Stimmungsnest, welches die paar Höhenmeter davor völlig vergessen lies und Vorfreude auf die zweite Runde machte. Am Wendepunkt sah ich Daniel – von dem auch das schöne Foto ist – sah meine Eltern und auch meine Freundin und hatte richtig Lust auf die zweite Runde. Ich lief gut an einer Grenze zwischen geht noch und überpacen und Kräfte sammeln für den Endspurt, ich blieb hinter dem einen zurück und wollte ihn auf den letzten Kilometer knacken. Wir wurden schneller, überholten gemeinsam Leute, aber ihn konnte ich leider nicht erreichen, sondern musste ihn ziehen lassen. In der letzten Kurve kam – woher auch immer – aber die Kraft zurück und ich konnte noch einen schönen Endspurt hinlegen. Es war einfach nur wunderschön. Während des Laufens schaute ich ab und an auf die Geschwindigkeit, aber auf die Endzeit schaute ich erst nachdem ich längst meine Medaille umgehängt bekam. Die 3h-Marke war deutlich gebrochen, der Traum von 2:45 h nicht ganz erreicht. Meine erste olympische Distanz ein voller Erfolg, erst recht unter Beachtung der Vorwochen.
Ziemlich schnell sollte man die Wechselzone räumen, was ich auch tat, aber dort und da traf ich Bekannte und freute mich über den Austausch, mittlerweile begleitet von Sabine und meinen Eltern. Trotzdem war ich zügig beim Auto, packte ein, packte zu Hause aus, schlief etwas und kam dann als Helfer zurück.

Es war schön dem Zieleinlauf des Sprints und den Jedermännern zuzuschauen und auch dem Letzten noch die Ehre zu erweisen. Zu dem Zeitpunkt war es einfach nur wieder meine Veranstaltung, also nicht meine, sondern die meines Heimatvereins. Eigentlich wollte ich nur das Nötigste machen und mich dann schnell nach Hause bewegen. Aber es ergab eins das andere und auch das Aufräumen machte Spaß. Irgendwann war ich dann auch beim Duathlon Helfen-Starten-Helfen im Ziel, die Zeit war egal und der Spaß hat gesiegt und war wunderbar.

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6 Antworten zu Moritzburg Duathlon – Helfen, Starten, Helfen

  1. Claudi schreibt:

    Glückwunsch zum Wettkampf! Super gemacht. Und dass Du Wettkampf und Helfer sein so verbindest ist enorm. Klasse!

    Komm ruhig zur Langdistanz zu uns nach Frankfurt! Da ist Stimmung bis zum Schluß, das Schwimmen ist herrlich im Waldsee, die Radstrecke rockt und beim Marathon hast Du auch ganz viele Zuschauer dabei. Und mich hast Du als Referee dabei und vorher als Helfer. Spricht also alles dafür, oder? 🙂

    • Ralf schreibt:

      Danke.
      Die Langdistanz gibt es in Roth, wenn ich einen Startplatz bekomme, nur für den Namen „Ironman“ nochmal deutlich mehr Geld abzudrücken – nee darauf hab ich keine Lust. Ist so schon ein teurer Spaß 😦
      Aber vielleicht bleibt es ja nicht die einzige Lange.

  2. Miłosz Węckowski schreibt:

    Glückwunsch zur Olympischen! Ich hab jetzt am Samstag auch mein Debüt auf dieser Distanz gehabt. Aber willst Du nicht noch erst ne Mitteldistanz machen, bevor Du auf die Lange gehst?

  3. Meeeeensch, Ralf! Glückwunsch zum olympischen Einstand. Klasse gemacht und dann auch so super. Aber was ich total bewundernswert finde, dass du auch direkt als Helfer dabei warst. Das verdient ordentlich Respekt, zumal du ja alles beim Rennen gegeben hast. Da muss ich mir eine Scheibe abschneiden.

    Dann mal ganz viel Spaß beim weiteren Training!

  4. Pingback: Flexibel bleiben und Jahresrückschau 2012 | loslaufen

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