Die Matsch-Flatrate bitte! – StrongmanRun

Strongman – ich? Ich weiß nicht, ich könnte jetzt schon ein bisschen jammern, dass mir meine Arme selbst beim tippen vom Muskelkater schmerzen und ich war auch nicht in den kalten Duschen im Zielareal, sondern konnte die warme Badewanne im Ferienpark geniesen, aber he ich bin angekommen und mit fast exakt 3 Stunden im Ziellimit, was nicht so ganz viele an dem Tag von sich behaupten durften. Aber von vorn.

Die Woche nach dem OEM war der Regeneration gewidmet und durch Feier- und Brückentag war das auch recht nett. Als einzige Sporteinheit gab es eine regenerative Schwimmeinheit in der Halle in der Sportstadt Riesa. Das war herrlich. Zum Feiertrag war kaum jemand da und so hatte ich eine 50 m-Bahn in einem feinsten Edelstahlbecken ganz für mich allein. Die Sonne strahlte und die Luftblasen gaben ein herrliches Lichtspiel ab, man konnte seinen eigenen Schatten auf dem Grund beobachten und so wirklich regenerieren. Dort geht es ab sofort bei jeder Gelegenheit hin.
Leider kehrte auch ein Kratzen im Hals zurück und ich hustete ziemlich böse rum. Also schonen, schonen und nochmals schonen, denn ich wollte meinen Start beim StrongmanRun nicht gefährden.

Freitagfrüh ging es dann los für das Team der DNN im perfekten Sonnenschein, aber die Vorhersagen hießen nichts gutes und nach über 500 km erwartete uns die Eifel auch schon mit Regen. Ein bisschen warten, einchecken im Ferienpark, die anderen Teams treffen und dann abends ab zur Pasta-Party. Die Teams waren alles Verlagsteams die in einem Wettstreit untereinander antraten, aber gemeinsam für die Stiftung „Sven hilft“ von Sven Ottke agierten. Die offizielle Party war nicht so prall, aber wohl auch etwas dem schlechten Wetter und damit ein bisschen trüber Stimmung geschuldet. Im Nachhinein hab ich erfahren, dass doch eine erhebliche Anzahl von Läufern gar nicht gestartet ist. Es war ein schöner Abend mit den anderen Teilnehmern, Sven und den anderen Olympiasiegern, die als Teamcaptain fungierten.

Am Samstagmorgen erwarete uns dann Eifelwetter vom feinsten. Es ist schon was anderes, wenn man das immer wieder aus Übertragungen des 24-h-Rennens hört oder selbst erlebt. Der Nebel war einfach nur richtig dick. Aber Nebel allein reicht ja nicht, also fing es natürlich auch wieder an mir regnen. Ich hatte ja im Vorfeld nicht wirklich Bedenken, dass ich an meine Grenzen kommen werde, aber dieses Wetter würde den Strongman, dann schon ziemlich hart werden lassen. Mit 7/8 Grad war es mir eigentlich für den Triathlon-Einteiler (Danke an Jan für den Tipp) zu kalt, aber sinnvoll Alternativbekleidung kam mir auch nicht in den Sinn. Also den Einteiler an, das offizielle Shirt drüber, die Brooks Deyfance 4 auf ihren letzten Lauf schicken und die Hände mit ein paar alten Radhandschuhen schützen.

Da es am Freitagabend nicht geklappt hatte, wollte ich am Samstag um 11 Uhr ein paar Blogger-Freunde am Brooks-Stand treffen, aber zu dem Zeitpunkt nochmal in die Halle mit der Startnummerausgabe gehen, war mir doch zu weit und meine Hoffnung, dass es noch jemand so deutet wie ich und an dem Brooks-Boxengassen-Stand steht, erfüllte sich leider nicht. Nach der Gepäckabgabe erwärmte ich mit etwas am Hotstepper von Brooks und dann ging ich auch schon bald in die Startaufstellung. Bis auf unsere Frau hatte ich inzwischen alle Leute vom Team verloren. In der Startaufstellung blieb ich einfach ziemlich genau dort, wo ich ankam und versuchte nicht mich noch vorzudrängeln. Die Ansage, dass der Start sich um eine halbe Stunde verzögern wurde, gefiel wohl keinem der jetzt schon frierenden Leute, aber die 30 Minuten vergingen schneller als gedacht. Schön einheizen, die Stimmung im Start war gut. Oliver Pocher wurde ausgebuht, ein NoName im Gegensatz gefeiert. Herrlich, die Leute wollten einfach IHR Event und sich das nicht instrumentalisieren lassen.

Startschuss. Folie zerreißen und los. Oh, mit dem Zerreißen hab ich mir doch irgendwie alle Sicherheitsnadeln meiner Startnummer geöffnet, also schnell wieder fest machen und dann über die Startmatte. Eine wahnsinnige Schlange strömte über die Grüne Hölle und ich hatte gleich gute Laune. Geschwindigkeit – mir doch egal. Ich laufe so schnell, dass es nicht ernsthaft hart wird, denn mein Husten hatte sich noch nicht wirklich gebessert und da war allerhöchste Vorsicht angesagt, zumal nach dem schwankenden Puls von letzte Woche. Vielleicht war die Husten – der wohl schon im Körper war – aber auch der Grund für die „schlechte“ Leistung beim OEM (ich bin da eigentlich ganz zufrieden mit ihr, auch wenn die Zeit eine Katastrophe ist). Ich laufe aber auch einen Tick schneller als alle um mich herum, das beflügelt so schön, ständig zu überholen. Damit fühlte ich mich richtig „strong“. Schnell ist klar der Laufkurs selbst ist schon anspruchsvoll, die Höhenmeter sind doch beachtlich. Nach einer Weile geht es dann ganz vorsichtig ins Gelände, d.h. fürs erste, ab ins Kiesbett. Schön auf dem Vorfuss laufen und schon wird dem der Schrecken genommen und ich überhole noch viel lockerer. Ab auf den Rettungsweg hinter den Banden und dann geht es richtig bergab, aber ich nehme das Gelände an und mache viele Plätze gut. Ich geniese aber den Lauf und strenge mich nicht wirklich an, aber dennoch will ich zügig am ersten Hinderniss sein, um nicht lange warten zu müssen, man hat da im Vorfeld doch einiges gehört. Und dann ist es da – das erste Hinderniss. Im Nachhinein – ich hatte mich im Vorfeld gar nicht sooo sehr damit beschäftigt – wurde mir klar, dass das gar kein Hinderniss ist. Naja, jedenfalls geht es durch ein Tor im Zaun, den Berg rauf im Schlamm, den Berg runter im Schlamm und noch ein paar Biegungen mit fetten Schlammlöchern. Es staut sich und warten ist angesagt, aber nach ca. 7/8 Minuten darf ich dann auch und viele kommen mir einfach zu hypervorsichtig vor. Einfach mal gerade hoch, aber zügig oder auch runter ohne festhalten und absichern oder einfach nur auf den Vordermann etwas stützen und dem Hintermann gleichzeitig als Stütze dienen und schon kommt man viel schneller durch! Die erste große Pfütze, der neben mir freut sich wie ein Kind und springt voll rein, ab da bin ich fast permanent von oben bis unten voll Matsch. Das eigentlich erste Hinderniss – durch drei Wasserlöcher und dann einen Berg am Strick rauf ist gehen die paar Meter vorher eher harmlos und Spaß. Hinderniss 2 „Barbecue“ läßt nicht sehr lange auf sich warten. Man rennt durch Absperrzäune mit Dach und darunter wird Rauch und Nebel eingeblasen, so dass ich ca. 10 – 15 Meter einfach nix sehe, absolut dicht. Sichtweite – 5 cm. Bei anderen muss das ziemlich locker gewesen sein, aber bei mir ist es dicht und so einfach ins Ungewisse zu rennen ist schon komisch. Das White Out wird nachvollziehbar. Das Hinderniss 3 zu bezwingen – über eine Wand zu klettern – ist eher easy, danach geht es aber direkt rechts ab und bei der Richtungsänderung legt es mich das erste Mal der Länge nach hin. Berghoch, bergrunter – eh das eigentliche Laufen ist echt richtig hart, aber die letzten Meter vor Hinderniss 4 kann man getrost gehen, denn dort heißt es erstmal wieder warten. Danach warten dann das Robben unter Netzen im tiefen Schlamm. Für mich das heftigste Hinterniss und mit der Strecke im Hinterniss, wird der Schlamm scheinbar tiefer und noch flüssiger und saugender. Wenn man es dann endlich geschafft hat steht man da, wie mit zwei Elefantenbeinen, ab dem Oberschenkel eine 1 cm dicke Schlammkruste und Füsse kann man nicht mehr erkennen, da unten sieht es aus wie zwei fetter Stampfer, aber auch die Hände fühlen sich an wie vom Michelin-Männchen. Nur gut dass es mit diesen Extra-Kilos gleich heftigst bergan geht und am Ende nur der „Wadenkiller“ auf einen wartet. Zwischendurch darf man dann – es ist inzwischen erheblich Zeit vergangen – das 6 Kilometer Schild lesen. Uha – ich dachte, wie wären weiter. Das kann ja noch was geben. Immer noch vollgesaut kommt man dann an der Rutsche an, dort gibt es ordentlich Speed, eine fast 180 Grad Drehung und am Ende ein Blitzwaschgang – oh ich hab doch noch Hände und Schuhe. Als nächstes wartet wieder ein Hinderniss, welches keines ist. Es geht einen ziemlich steilen Hang hinauf. Mit etwas Klettererfahrung und Gleichgewichtsgefühl kann ich es da doch zügig hoch schaffen, problematisch sind nur die langsamen Leute vor einem, vor allem, wenn sie wieder hangabwärts gerutscht kommen. Aber auch das geht vorbei und nach ein paar hohen Strohballen warten dann der Pool auf mich. Man hat gar keine Zeit Panik vor dem kalten Wasser zu bekommen, denn man rutscht rein und bevor man weiß, dass es einfach nur arschkalt ist, ist man auch schon drin. Das Herz pocht heftig, Grund fühle ich nicht, also aufs Schwimmen konzentrieren und durch. Heftig, heftig. Aber es macht auch einfach Spaß. Nach der Rutsche war mir mal kurz kalt, aber hier ist das längst schon wieder vergessen und meine Kleidung stellt sich eigentlich als optimal raus. Bei der folgenden Hängelücke muss man sich konzentrieren, aber problematisch ist es nicht. Überhaupt, an den Hindernisse bin ich eigentlich jederzeit gut dabei und kann oft auch dort ein paar Plätze aufholen. Der Gaudi und dann noch ständig überholen – besser kann es doch gar nicht sein. Das Stromhinderniss – vor dem ich ehrlich gesagt, ein bisschen Respekt hatte – stellt sich als harmlos raus, aber ich kann alle Zweifler beruhigen, ja es war wirklich Strom drauf und ich hab auch einen Schlag bekommen. Mittlerweile war man am Ende der Runde und es konzentrierten sich dort noch ein paar Hindernisse, keines davon war für mich aber wirklich einprägsam und wirklich herausfordernd. Durch die Reifen-Meere kam ich ziemlich gut und zügig durch und nach ca. 1:35 h hatte ich meine erste Runde absolviert – in den Lautsprechern hörte ich gerade was vom Siegeinlauf, der Knut hatte es wieder geschafft. Wo hat er mich denn bitte überrundet? Naja, egal, auf in Runde zwei. Im Vorfeld fand ich es ja blöd, zweimal die Runde zu laufen, aber jetzt war es auch ganz gut, ich wusste, was mich erwartete und man konnte jetzt fast überall locker laufen. Auch bei Hinderniss 4 gab es kaum Wartezeit. Bei km 15 sagte ich mir, okay, ich würde gern die 3 h schaffen und drückte ab und an auch mal aufs Tempo, aber vor den letzten Hindernissen staunte es sich leider und so verpasste ich das 3h-Ziel um ein paar Sekunden. Mit erhobenen Armen lief ich durchs Ziel und war glücklich, bekam eine schöne Medaille und alles war gut.

Aber nur für ein paar Sekunden. Dann begann darf frieren und die Zielbetreuung war unter aller Sau – sorry, lieber Veranstalter, aber anders kann ich das nicht nennen. Keine Folien, keine Wärmedecken, keine warmen Getränke, absolutes Chaos an der Gepäckausgabe. Das hat leider den positiven Eindruck – die Wartezeiten an den Hindernissen trübten den für mich nicht – ziemlich heftig gestört. Es wurden keine Gepäckbeutel mehr ausgegeben, sondern die Teilnehmer mussten die selbst suchen und da völlig planlos die scheinbar abgelegt wurden, suchten die Leute auch mal 40 Minuten nach ihrem Beutel. Und das nachdem sie schon 40 Minuten zitternd in der Kälte angestanden hatten. Wenn schon dieses Chaos passiert ist, dann hätte dort Tee ausgegeben werden müssen und das Rote Kreuz Wärmefolien verteilen müssen. Das war in meinen Augen und unakzeptables Spiel mit der Gesundheit der Teilnehmer!
Ich hatte durch meine doch nicht ganz schlechte Zeit noch Glück und meinen Beutel relativ rasch und zog mir die größte Verletzung zu als ich völlig durchfroren versuchte meine Schnürsenkel zu öffnen, in dem ich mir meinen Fingernagel heftigst einriss. Zum Glück war ich von Schlimmeren wie Knochenbrücken – wie man es auch hörte – verschont geblieben und hatte Spaß gehabt, auch wenn ich auf so manchem Foto ziemlich leidend aussehe. Ich hatte dann auch noch schöne 30 Minuten als ich auf ein Teammitglied im Ziel wartete und die vielen strahlenden Gesichter und Kostüme sah – das war echt toll.
Ganz großen Respekt habe ich vor unserem Teammitglied von der DNN, der eigentlich kein Läufer ist und nur etwas Rad fährt. Da heißt es überhaupt schon was die Entfernung zu bezwingen, dann noch mit dem Höhenprofil, dann noch bei dem Wetter und dann noch mit diesen Hindernisse – da kann ich nur meine Mütze ziehen und fast niederknien, weil er uns danach noch die über 500 Kilometer heim gefahren hat.

Fazit: Ich würde sehr gern wieder kommen. Der Lauf ist herrlich. Ob es so wird, ist dann noch eine andere Frage, denn ich hatte über die DNN die Teilnahmemöglichkeit und alles gesponsort bekommen, aber bei einem Privatstart sind mit Startgeld, Fahrt und Übernachtung locker mal 300 EUR weg und das muss ich mir erstmal noch durch den Kopf gehen lassen.

Die Bilder vom Sportfotograf sind übrigens top und ich hab das gern bezahlt, wenn ich dagegen an die Abzocke beim HM in Berlin denke.

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5 Antworten zu Die Matsch-Flatrate bitte! – StrongmanRun

  1. hlange schreibt:

    Klasse, Ralf. Du hattest Spaß und bist gut durchgekommen, was will man mehr von so einem Lauf. Stimme dir zu, das Hindernis, das kein’s war, der Steilhang, war böse. Das Drama der Kleiderabgabe habe ich mir zum Glück erspart, hier muss der Veranstalter wohl eine Lernkurve beschreiten. Glückwunsch, Strongman!

  2. Ralf schreibt:

    Noch eine wichtige Ergänzung. Nicht nur, dass mich die Wartezeiten nicht gestört haben, es war auch wohl mein erster Lauf bei der mir nicht ein Teilnehmer negativ aufgefallen ist, alle hatten Spaß, waren hilfsbereit und unendlich glücklich durchzukommen. Respekt an alle Teilnehmer.

  3. Gerald Hildebrandt schreibt:

    Danke für deinen Bericht Ralf, so konnte ich doch noch indirekt teilnehmen. Ich hatte bereits einen Startplatz, habe den dann aber wieder wegen den BIG25 in Berlin und den Kosten abgegeben. Das Chaos am Ende bei der Kleiderausgabe ist ja wirklich verantwortungslos, das bestärkt noch meinen Eindruck, dass es dem Veranstalter nur um seinen Profit geht.

  4. Claudi schreibt:

    Glückwunsch! Du bist ins Ziel gekommen und das auch noch unverletzt (Deine Verletztung ist ja erst im Ziel passiert), klasse! Gab’s zum guten Schluß eine Medaille? Die hättest Du Dir auf alle Fälle verdient.

  5. Pingback: Flexibel bleiben und Jahresrückschau 2012 | loslaufen

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