Grenzen

An Grenzen kommen, Grenzen (unabsichtlich) überschreiten, eingegrenzt werden, keine Grenzen spüren – alles Dinge die mit den letzten Tagen verbunden sind.

Nach dem Triathlontag am Donnerstag war am Freitag Ruhe und Samstag war ich für einen langen Lauf mit Dirk verabredet. Es sollte ein 30er werden. Ich hätte zwar laut Plan nur 1:50 h gemusst, aber hatte auch nix dagegen und schließlich würde es in Leipzig im Gegensatz zu Dresden durch verschneite Landschaft gehen. Ich nahm meine Trailschuhe also mit und pünktlich 9:15 Uhr ging es am Treffpunkt los. Es war noch ein weiterer Bekannter dabei und so liefen wir zu dritt. Tempovorgabe war 5:35 Min/km – eigentlich wollte ich ein Tick langsamer laufen, wenn ich schon länger und weiter als gedacht laufen würde, aber es war okay. Der Dritte im Bunde hatte eine Marathon-Bestzeit von ca. 3:15 h auf dem Konto und so war es an mir etwas Bremse zu spielen. Als die ersten Kilometer mit 5:17 und 5:25 vorbeigingen, tat ich das auch mal, aber eigentlich war auch alles gut. Wir liefen wunderbar. Ich ärgerte mich nur ein wenig, dass ich mal wieder meinen Trinkgurt in Dresden vergessen hatte. Und die Kilometer waren herrlich, schön über den Schnee, entlang an zugefrorenen Flüssen und immer über ruhige Wege. Gleichzeitig bestes Koordinationstraining, weil man ständig etwas ausrutschte, leicht umknickte etc. – so ist das bei Eis und Schnee. Wir hatten übrigens -11 Grad beim loslaufen. Die Kilometer flogen und es war wunderschön, zwischendurch kratzte ich mir mal die Eiswürfel von den Augenbrauen – zwischen Mützenrand und Brille war eine etwas ungeschützte Stelle und der Schweiß wurde dort zu Eis. Nach 11 km kamen wir am Cospudener See an. Eine Runde drumherum bedeutete 11 km. Bis jetzt waren wir im Wald gelaufen oder an Hecken entlang, nun war freie Angriffsfläche und auch wenn der Wind nur sehr leicht wehte, so saugte er sofort alle Wärme aus dem Körper. Gerade hatte ich noch die Handschuhe ausgezogen, nun waren sie schnell wieder angezogen und auch damit wurde mir kalt. Auch durch die Mütze wehte der Wind. Wir überlegten zwischendurch nur eine Runde zu machen und den gleiche Weg wieder heim zu laufen, entschieden uns dann aber doch für den ursprünglichen Plan von 1,5 Runden und dem kurzen Weg nach Hause. Das wäre wohl ein Kilometer weniger. Ich wechselte zu den dicken Handschuhen und so langsam wurde es schwer. Ich kontrollierte öfter den Speed, da ich dachte, wir werden schon wieder schneller, aber nein, wir waren im angestrebten Tempobereich. Meine Hände bzw. eigentlich wieder nur meine linke Hand wurden eisig. Ich war froh, als wir den Seerundweg verlassen hatten und den Rückweg einschlugen. Ich blieb etwas zurück, das Tempo von Thomas (dem Dritten) kam mir zu hoch vor, zumindest für meinen aktuellen Zustand, Dirk schien es ähnlich zu gehen. Jetzt wurde es quälend und mein Puls stieg deutlich. Endlich kamen wir wieder in mir bekanntes Gebiet – der Parkplatz könnte nicht mehr so weit weg sein. Dirk sagte was von „noch 400 m“ und nach der Strecke war Schluss, er ging, bis zum Parkplatz waren es aber noch ein paar Meter, aber hier war nun das Ende der Trainingseinheit. Die Gratulation zum schönen Lauf musste ich erstmal verweigern, denn ich bat Dirk erstmal meine Technik auszuschalten, meine Hände waren dazu nicht mehr in der Lage. Auch wenn es unhöflich ist und ich das nicht gut fand, so behielt ich meine Handschuhe bei den anschließenden Shake-Hands auch auf. Der Lauf insgesamt war aber wirklich schön und das es bei 31 km in 5:29 Min/km bei -11 Grad hart wird, ist auch ganz natürlich. Bis auf die letzten 5 km war auch alles im angestrebten Pulsbereich und ich finde es gut, die langen Läufe gemeinsam zu erlaufen und etwas zügiger unterwegs zu sein. Immer nur bummeln, da wird nix.
Nach 40 Minuten Badewanne und 10 Minuten Schlaf auf dem Sofa sah die Welt schon wieder viel besser aus. Bei der anschließenden Geburtstagsfeier meiner Schwägerin konnte ich ohne schlechtes Gewissen gut zuschlagen – war ja auch lecker!

Am Abend fuhren wir dann noch von meiner Schwägerin zurück zu mir nach Dresden. Dort angekommen, gab es zwei Überraschungen. Erstens lief wirklich alles optimal und ich hatte meinen Gewinn der Achim Achilles Läuferliste im Briefkasten bzw. die Benachrichtigungskarte, dass mein Paket beim Nachbarn liegt und etwas unschöner zweitens war meine linke Augenbraue ziemlich angeschwollen und bläulich verfärbt. Ich hatte wohl eine leichte Erfrierung davongetragen. Die Schwellung ging am nächsten Tag aber schon weg und es waren nur Kopfschmerzen, die ich davontrug.

Am Sonntagmorgen holte ich dann gespannt das Paket von der Nachbarin und war überrascht. Ich hatte die Brooks Cascadia 7 in meinem Wunschfarbton bekommen und sie passten gut, aber das Rot, wie ich es im Netz gesehen hatte (ich sollte endlich mal meinen Laptop farbkalibrieren) war doch ziemlich Orange. Egal, jedenfalls sind sie totschick und das orange paßt eh viel besser zu meinen anderen Klamotten.
Die schicken Treter möchten nun aber auch ausgeführt werden. Ich möchte aber auch Eisschollen auf der Elbe fotografieren. Trailschuhe ausführen hieße aber eigentlich in den Wald bei Moritzburg zu starten. Der Anlauf ist nur ein ganzes Stück und ich will mit meiner Freundin laufen, bevor ich da im Wald bin und Gelände testen kann, muss es auch schon wieder heimgehen. Sie hat eingesehen, dass man es langsam angehen muss und da will ich nicht Druck aufbauen, da ich ja auf langsam und nicht zu weit, sondern vor allem regelmäßig gedrängt habe. In solchen Augenblicken weiß ich es zu schätzen, wie fit ich mittlerweile bin und mir der eine oder andere Kilometer mehr nichts ausmacht und ich so wirklich Landschaft entdecken kann. Ich sollte das öfter auch tun. Im Endeffekt entschieden wir und oder entschied ich mich für uns (?) dass wir erstmal laufend eine kleine Runde an der Elbe drehen und schauen, wie fotografisch wertvoll die Situation ist. Die Knipse wird auf dem Weg mal mitgenommen.

Elbe mit Eis

Elbe mit Eis

Der erste Auslauf mit den Brooks Cascadia 7 war wunderbar. Die Schuhe sind einfach nur schön. Auch auf Asphalt laufen sie sich richtig gut und schön direkt. Ich versuchte auf dem Lauf das Gelände zu suchen, lief neben dem Radweg und dann vor allem auf die Elbwiesen in das vor kurzem überschwemmte Gebiet. Auf Glatteis konnten auch diese Schuhe keinen wirklichen Halt mehr bieten (das erwartete ich aber auch nicht), aber das Eis brach auf den Wiesen ständig und ständig hatte ich Kanten und Eisschollen unter mir und ich spürte aber nichts in meiner Fusssohle. Es war perfekt. Die Technologie, die den Druck verteilt, funktioniert perfekt. Das Coole an der Sache ist, dass ich von der TEchnologie mal gelesen hatte, das jetzt spürte und erst zu Hause nachschaute, ob das ein Schuh davon ist. Kann ich nur empfehlen und gleichzeitig finde ich es perfekt, dass die Direktheit des Spüren des Untergrundes dadurch nicht verliert. Keine Ahnung, wie das funktioniert, aber es funktioniert. Da werden Grenzen durchbrochen.

Am Abend sollte dann eigentlich Schwimmtraining anstehen, aber so recht Lust hatte ich nicht und es motivierte mich nur, dass ich evtl. mal Aufnahmen von meinem Schwimmen bekomme. Meine Augenbraue pochte aber deutlich und als ich dann auch noch las, dass der „Kameramann“ wohl gesundheitstechnisch ausfallen würde, war meine Motivation noch geringer. Irgendwie paßte es dann dazu, dass ich mich mit Freunden an einem schönen Gesellschaftsspiel („Einfach genial“) festgebissen hatte und zu spät zum Training startete, also Abbruch, kein Training und stattdessen noch eine Auszeit.

Montag war tolles Wetter. Okay, früh waren -18 Grad, aber die Sonne lockte und ich freute mich auf zeitigen Feierabend und eine Runde Laufen im Wald mit den neuen Trailschuhen. Leider sagte mir dann mein Terminkalender, dass ich noch einen Termin bei meinem Asthmaarzt habe und dort saß ich lange fest, so dass nix mehr mit einem Lauf wurde.

Heute morgen laß ich dann -13 Grad am Thermometer – also keine Lust auf laufen und auf Rolle hatte ich auch irgendwie keine Lust. Nach der Arbeit ging die Lustlosigkeit weiter, aber an der letzten Kreuzung entschied ich mich dann doch noch zur Schwimmhalle abzubiegen. Ich hatte mich mittlerweile damit motiviert, dass ich heute nicht das normale Programm abspulen würde, sondern Technik weglassen würde, insgesamt nicht viel machen und mal versuche 400 m durchzuschwimmen.
Einschwimmen 200 m Brust. 100 m Kraul. Pause und dann los. Nach 200 m brach ich ab – meine Grenze für heute. Irgendwie kam ich in keinen richtigen Flow, die Bahnsituation war gerade blöd und es wurde schwer. Beachtlich war trotzdem, dass ich durch diese Übung wirklich intensiv versuchte zu verhindern zuviel mit den Beinen zu machen. Trotzdem war jeder Armzug heftig, obwohl schon die Schwimmeinheit am Sonntag ausgefallen war. Mehr als überraschend war dann aber die Zeit für die 200 m – 4:33 Min. Gefühlt waren das locker über 5 eher sogar 6 Minuten. Dadurch, dass ich mich aufs Durchhalten konzentrierte, war ich wohl aber auch besonders effektiv. Nach 1,4 km stieg ich aus dem Becken. Ich war froh, trainiert zu haben und wirklich überrascht über die 200 m Zeit, aber heute konnte ich Franzi van Almsick nachempfinden, wenn sie davon redet, dass sie kein Gefühl für das Wasser aufbauen konnte.

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4 Antworten zu Grenzen

  1. runHerne schreibt:

    Hallo Ralf, schöner Bericht — ausführlich und bildlich, wie immer! Man ist mittendrin.
    Ach ja, der RockShield im Cascadia 7 (laufe ich selbst auch) schütz echt zuverlässig vor spitzen Stellen im Untergrund (Steine, Äste, Eisschollen) und trotz der Brooks DNA finde ich den Schuh ebenfalls nicht zu stark gedämpft. Man verliert nicht das Gefühl für den Untergrund.
    Grüße

  2. Claudi schreibt:

    Lieber Ralf,
    wirklich schön geschrieben… Deine Winterläufe sind einfach wunderbar! Und dass Du als Mann wert darauf legst, dass die Schuhe zu Deinen Laufklamotten passen finde ich auch ganz prima!
    Viele Grüße,
    Claudia

    • Ralf schreibt:

      Danke. Ja, ich mag im Winter laufen und freue mich schon auf Samstag. Gestern gab es dann endlich auch für Dresden etwas Zucker und heute früh an den krachenden Eisschollen vorbei – herrlich. Und ja, ich da schon ein bisschen eitel. Z.Z. suche ich noch ein zweites Paar Badelatschen – das ist ein Drama kann ich Dir sagen. Da übertreffe ich wohl ziemlich viele Frauen 🙂

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