Wintermarathon Leipzig

Gestern war es soweit, Wintermarathon in Leipzig war angesagt.

Nach meinem letzten Blog-Eintrag gab es noch eine weitere gute Woche, doch diese Woche war ich dann faul oder positiv ausgedrückt, ich taperte intensiv. Ich war nur am Dienstag schwimmen und am Mittwoch sehr kurz auf der Rolle. Eigentlich wollte ich noch ein- oder zweimal laufen gehen, aber meine Freundin hatte mal in der Woche frei und ich wollte Zeit mit ihr verbringen und das Wetter lud auch nicht gerade zum laufen ein, so dass ich zwar aufstand, aber mich gleich wieder hinlegte.
So stand ich am Samstag also an der Startlinie ohne diese Woche gelaufen zu sein, ohne einen langen Lauf zu haben – die 26 km vor zwei Wochen waren mein längster Lauf und mein einziger über 20 km nach dem Dresden Marathon im Oktober. Wir wollten es ja aber auch langsam angehen lassen und der Marathon sollte mehr ein Trainingslauf werden. Gut das das Ganze ein Team-Marathon war, denn die Wetteraussichten waren mies, sehr mies und ohne die Teamanmeldung hätte ich wohl noch abgesagt, aber die anderen im Stich lassen – das kam nicht in Frage. Sonst motivierte mich nichts. Höchstens noch das Mentaltraining, des miesen Wetters, denn wenn es zum Ironman regnen würde, würde ich mich auch durchkämpfen wollen. Es entstand keinerlei Vorfreude, aber auch keine Anspannung. Ich war völlig gelassen. Ich machte mir dann schon Gedanken, dass ich das Ganze zu gleichgültig und leicht anging. So bereitete ich mich auch die Woche über nicht vor im dem ich viel trank. Einzig die Kartoffeln und Quark am Vortag waren auf den Lauf ausgerichtet.

Am Morgen besserte sich dann meine Laune, denn es war trocken und auf dem Weg zum Lauf hörte ich im Autoradio, dass es evtl. trocken bleiben könnte – galt aber wohl hauptsächlich für Ostsachsen.
Naja, ich fand einen Parkplatz direkt an der Strecke, nach einem kurzen Anruf mein Team und nachdem es immer noch trocken war und gar nicht so schlecht aussah, beschloss ich die Regenjacke wieder auszuziehen und das Cap abzulegen. Also Thermoshirt an und ab an die Startlinie. Sekunden vor dem Schuss passierte es – es fing an zu schneien bzw. zu schneeregnen.

Aber zu spät, der Marathon lief und wir liefen los. Schön gelassen und auf ging es mit unterhalten, schließlich kannte ich meine beiden Mitläufer nicht, sondern wir kamen über die Teambörse zusammen. Geplant war ein lockerer Trainingslauf mit einer Geschwindigkeit von 6:00 Min/km. Wenn es gut laufen würde, könnte man ab km35 noch etwas anziehen und so tippte ich beim Brooks PacePropheten eine Zielzeit von 4:09:52.

Team Ganz gemütlich

Team Ganz gemütlich

Wir liefen also und es schneite. Der erste Kilometer war schnell erreicht, zu schnell, wir waren bei 5:27. Aber Volker, Renate und ich fanden es okay, so wie wir liefen also ging es weiter. Ich hatte aber schon ein bisschen Angst dann einzubrechen und Renate erzählte auch noch, dass sie fast immer zu schnell angeht. Zwischen km 2 und 3 auf der 5km-Runde kam ein sehr eckliges Stück – man war voll im Wind und es wurde frostig kalt. Ich war sehr froh, dass ich wenigstens mein Stirnband noch in die Tasche gesteckt hatte. Schnell war es aufgesetzt, aber bis zum Ziel, in dessen Nähe auch mein Auto stand, war das kalte Stück schon fast wieder vergessen und so lief ich in der Kleidung weiter und zog mich nicht um. Am Durchgangspunkt war auch die Verpflegung und ich wunderte mich, dass Renate und Volker sofort gingen und sich richtig Zeit gelassen haben. Das war ich nicht gewohnt. Die beiden sind aber Ultraläufer und da ist das wohl üblicher und wir hatten ja keine Bestzeiten im Kopf und so gingen wir es gelassen an. Wieder in den Laufschritt zu verfallen war aber komisch und machte meine linke Wade irgendwie hart.
Mit Gesprächen über unsere Läufe und Pläne verging die Zeit und die Runden. Auf Runde 3 beim kalten Abschnitt machte ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich mir Erfrierungen am Daumen zuziehen würde. Meine Hand war eiskalt. Wie beim Dresden-Marathon war es nur die linke Hand. In Dresden dachte ich, dass die Uhr noch als Kältebrücke dient, aber diesmal schaute ich so gut wie nie auf die Uhr und sie war gut unter Handschuhe und Thermoshirt versteckt. Regenjacke, Cap und Gels hatte ich mir im Auto bereitgelegt, aber die zweiten Handschuhe hatte ich irgendwo in der Tasche verramscht. Also blieb ich weiterhin so. Volker und Renate zogen sich zwischendurch um. Wärmere Handschuhe, andere Jacke, Mütze und weiter ging es. Ich hatte bei km15 mein erstes Gel genommen und kurz davor hatten uns die Führenden überrundet. An der Verpflegung nahm ich immer einen Becher Tee und einen Becher Iso und da wir immer gingen, konnte ich die Becher auch immer gut austrinken.
Die vierte Runde war geschafft und bei der Hälfte waren ziemlich genau 2 Stunden vorbei. Wir sprachen dann auch mal kurz über die Zeit und die beiden anderen meinten schon, dass die zweite Hälfte dann wohl langsamer wird. Es lief aber gut und so schwirrte schon mal kurz der 4-h-Gedanke im Kopf. Bei km 25 stoppte ich kurz am Auto, es gab das zweite Gel und dann wurde es langsam schwer. Zwischen km 28 und 35 – bei dem es noch ein drittes Gel gab – wurde es für mich ziemlich schwer und ich bremste die beiden anderen mehrfach. Eine Tempoverschärfung am Ende wäre wohl nicht drin und ich dachte zwischendurch auch mal kurz an Gehen. Das Loslaufen nach der Verpflegung war für mich ziemlich schwierig und so wollte ich bei der vorletzten Passage langsam durchlaufen, was ich auch tat. Die Beiden waren aber schnell wieder dran. Letzte große Runde und wir verabschiedeten uns von den Streckenposten. Inzwischen hatten auch die Niederschläge wieder aufgehört, aber die Strecke wurde schlammiger. Bei der vorletzten Runde stand dann auch meine Freundin an der Strecke – das tat gut, Küsschen und weiter. Kurz vor dem Ziel lief man immer eine kleine Schleife und als wir kurz vor km 40 auf dieser Schleife waren und ich was von 3:47 h hörte, wurde der 4-h-Gedanke immer heftiger. Bei km 34 dachte ich noch, wir werden wohl 2 oder 3 Minuten drüber sein und das noch rausholen ist zu schwer, aber nun hatte ich doch Hoffnung. Ich schnappte mir für die letzten zwei Kilometer nochmal einen Tee, rief meiner Freundin zu, dass wir nur noch auf die kurze Runde gehen und dann kam die Kraft zurück. Ich zog ein bisschen an, Volker und ich motivierten noch ein bisschen Renate, die wohl noch nicht so richtig ahnte, was wir wollten. Ein anderes Team vor uns wurde angefeuert, dass sie sich beeilen sollen für die 4 Stunden. Wir waren noch deutlich dahinter. Noch ein Schlenker um den Kreisverkehr rum und dann ab zum Ziel. Dort fing ich an zu fliegen, mein Schritt wechselte in den 10-km-Tempo-Schritt, aber ich hatte noch zwei Mitstreiter. Volker und ich trieben Renate an, ihr Atem wurde deutlich schwerer. Letzte Brücke und wir hörten was von 60 Sekunden bis zu 4 Stunden, wir hatten aber nur noch ein kurzes Stück und es sollte funktionieren. Tat es auch, bei 3:59:25 liefen wir durchs Ziel. Wunderbar. Zwar mal wieder zu schnell für den Pacepropheten, aber was solls – unter 4 Stunden, sehr geil.

Schlammwaden

Schlammwaden

Danach gab es Umarmung, Getränke, ich zog mich ziemlich schnell um, trank noch ein alkoholfreies Bier, aber bis zur Siegerehrung blieb ich nicht, zu sehr lockte doch die Badewanne. Die tat auch ziemlich gut, aber ich war schon ziemlich fertig und die Treppenstufen am Abend waren eine große Herausforderung.
Heute fragte ich mich die ganze Zeit, sollte ich mich absolut schonen oder doch noch in die Schwimmhalle. Ich war hin- und hergerissen, fuhr dann aber doch zur Schwimmhalle und nach 10 m Schwimmen wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war. Ich spürte den Auftrieb des Wassers und das Schwimmen tat gut. Ich übertrieb es aber nicht. Techniktraining „nur Beine“ ist auch ausgefallen und die überfüllte Bahn war auch nicht angenehm, so dass ich nach 45 Minuten wieder unter die Dusche ging, aber die Einheit war trotzdem richtig gut und entspannte mich deutlich.
Mentaltraining „mieses Wetter“ überstanden – Wintermarathon Leipzig sehr zum empfehlen und die Ausführung als Team-Veranstaltung ist zu dieser Jahreszeit wirklich sehr gut. Ich komme wieder.

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4 Antworten zu Wintermarathon Leipzig

  1. manur schreibt:

    Wow! Respekt! Bei diesem Wetter hätte ich keinen Marathon laufen wollen … Und dann auch noch unter 4 Stunden!

  2. Din schreibt:

    Da habt ihr aber ordentlich etwas geschafft – das Wetter ist ja momentan nicht anders als zu erwarten im Winter und deshalb noch mehr Respekt vor der Leistung. Da würde mich ja erst einmal niemand zu bringen.
    Wünsche dir eine schöne Erholungszeit!

  3. Claudi schreibt:

    Paceprophet verfehlt und ausreichend getapert. Eine tolle Mischung! Herzlichen Glückwunsch! Wahnsinn!.
    Viele Grüße!

  4. Ralf schreibt:

    Vielen Dank für die Glückwünsche und Respektsbezeugungen. Wenn es kein TEAMwettbewerb gewesen wäre, dann wäre es deutlich schwerer gewesen sich aufzuraffen.

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