Ein Tag des Vergessens – Marathonstaffel Berlin

Keine Ahnung, was mit mir los war, aber irgendwie hat erstmal nix gepasst. Es ging schon gestern los, als ich bei meiner Freundin war. Ich bildete mir ein, mein Pulsgurt wäre bei ihr, aber ich fand ihn nicht. Es hat mich gewurmt, wo war er denn. Naja, irgendwann freundete ich mich damit an ohne Puls zu laufen. GPS wollte ich sowieso wieder weglassen. Es würde also nur eine Stoppuhr geben. Mhm. Ohne Uhr wollte ich ja eh mal probieren, aber jetzt so da hineingedrängt zu werden, dass wollte ich eigentlich auch nicht. Egal, da muss ich jetzt durch.

Am Abend fand meine Freundin dann doch noch den Gurt und ich war fast ein wenig enttäuscht, hatte ich mich den Tag über doch schon darauf eingestellt. Der Wecker klingelt 5:40 Uhr, in Ruhe frühstücken und los. Wir kamen auch bombig durch und waren überpünktlich am Teamzelt. Der Weg dahin über die A9 von Leipzig nach Berlin war übelst eintönig, ich dachte dabei nur daran, dass diese Entfernung ja auch eine Ironman-Strecke sein könnte – oh das würde an den Nerven zerren, ständig diese Einöde. Heute würde es aber erstmal nur auf den Marathon gehen und für mich innerhalb der Staffel ja nur über ein kleines Stück von 10 km dabei.

Am Teamzelt kamen nach und nach auch die anderen Teilnehmer und deren Begleitungen an. Die Staffeln entstanden über die Bloggergemeinde geleitet von den Running Twins. Bei der Staffelaufstellung stand an einem Facebook-Foto auch eine Zielzeit für die Staffel von 2:45 – 2:55 h – da war ich mal kurz geschockt. Ja, ich wollte Bestzeit laufen, aber 40 Minuten auf dem 10er würde ich nicht knacken können. Die anderen waren aber auch alle gut drauf, es war schön alle mal persönlich kennen zu lernen und keiner war in Topform und nahm es verbissen ernst und so hatten wir viel Spaß, wollten aber trotzdem auch eine gute Zeit laufen.
Ich selbst hatte nach dem Marathon erstmal 3 Wochen Pause gemacht – d.h. ich habe nur gemacht, wozu ich richtig Lust hatte. Da war einmal Schwimmen und in der ersten Woche zweimal laufen und in den anderen zwei Wochen nur einmal. Erst diese Woche wurde es wieder intensiviert.

Irgendwann zog ich mich dann auch mal um, der erste Läufer machte sich zum Start auf und kurz danach ging es auch schon los. Bis ich dran sein sollte würde es noch eine Weile dauern – ich war der 4. von 5 Läufern. Inzwischen merkte ich, dass ich mein Chipband vergessen hatte – ist richtig blöd, wenn man das Xtenex-System im Schuh hat und so ein Einfädeln in den Schnürsenkel auch schwer ist. Meine Magnete für die Startnummernbefestigung oder ein Startnummernband hatte ich natürlich auch nicht mit. Naja, immerhin war ich vor Ort. Ich behalf mir dann damit, dass ich den Chip mit zwei Sicherheitsnadeln am Strumpf befestigt habe. Den Brustgurt machte ich nochmal ab, da ich doch noch einige Zeit warten musste und der heute irgendwie drückte.

Schön war, dass es eine 5 bzw. 6 km Runde war und die Läufer so doch einige Male am Teamzelt vorbei kamen, so konnte man schön anfeuern und auch die Zeit einschätzen. Wir waren sehr gut dabei, obwohl ich mich trotzdem wunderte, dass doch einige noch vor uns waren bei der Superzeit, die unser Startläufer hinlegte. Marek von den Twins lief als Zweiter. Als er das erste Mal vorbei kam, machte ich mich auf zum Einlaufen. Nach ihm vor mir würde Din noch ihre 5 km absolvieren und dann würde es für mich auf die Reise gehen.
Ich lief mich gründlich ein und so langsam kehrte das Leben wieder in meine durchfrorene Glieder zurück. Noch ein paar kleine Sprints – ein Genuss mit den Brooks T7 Racern. Der Schuh beflügelte mich sofort wieder und nachdem ich am Samstag eigentlich gar nicht so richtig Lust hatte nach Berlin zu fahren und ich heute früh zwar Lust auf die Fahrt aber weniger Lust bzw. Aggressivität für den Lauf hatte, stimmte nach ein paar Metern mit diesen Schuhen wieder alles. Zwischendurch dachte ich ja auch mal daran, wieder mit Musik zu laufen um mich zu pushen, aber die Kopfhörer hatte ich natürlich auch vergessen. Wie gesagt, immerhin war ich vor Ort.
Nach dem Einlaufen zog ich noch das eine Shirt aus, meine Armlinge an, zog wieder die Jacke drüber und machte mich auf zum Start. Nach 5 Minuten dort, gab ich die Jacke meiner Freundin und ging in die Wechselzone. Man sah die nächsten eintreffenden Startnummern und hatte auch ein Videobild, aber es war dennoch schwierig zu sehen, wer jetzt kommt.

„Ralf!“ – „Hier“ – Abklatschen und los ging es. Ich hatte Din nicht reinlaufen sehen. Sie hat mich wohl eine ganze Weile gesucht und wenn ich so auf meine handgestopte Zeit und meine offizielle Zeit schaue (da ist der Wechseln bei mir mit auf dem Konto), dann hat sie wohl reichlich 1 Minute rumgesucht. In der Wechselzone merkte ich, dass ich vergessen hatte meinen Pulsgurt wieder anzulegen, naja, wie gesagt, immerhin war ich da. Also los – ohne Tempoinformation und ohne Pulsinformation. Km1 in 3:48 – okay, zu schnell, aber eine Einordnung vom Speed. Ich wollte auf 42:30 als 4:15 pro Kilometer laufen. Km2 4:15 – oh passt so genau, ich hätte gedacht es ist noch etwas schneller. Km3 4:03 – so kann es weitergehen. Km4 4:17 – ein Tick zu langsam, aber ich habe ja Puffer. Dann ging es auch gleich am Teamzelt vorbei, abklatschen und auf in die zweite Runde. Jetzt wurde es hart. Ich bekam ziemlich heftiges Seitenstechen – das ist mir ja noch nie passiert. Immer schön ausatmen und versuchen durch die Nase einzuatmen, vielleicht ist mir einfach nur die Luft zu kalt und einen kleinen Tick ruhiger angehen. Es wird nicht wirklich besser egal was ich versuche und ich laufe sehr konstant jeden Kilometer in 4:25. Der letzte Kilometer – nochmal anziehen – geht auch so halbwegs – abklatschen am Teamzelt – aber danach gibt es auch keine Energie mehr für einen echten Zielsprint. Ich drücke die Uhr an der Matte ab, finde auch ziemlich gut Ron, den ich auf die Reise auf die letzten 5 km schicke. Henrik von den Twins ist gleich bei mir und gratuliert mir. Auf meiner Uhr steht 41:48 – herrlich. Okay, mit dem Wechsel werden es wohl 42 werden – das Din einmal hin und hergerannt ist und der Wechsel richtig schlecht war, erfahre ich erst später. So steht dann leider offiziell auf meiner Splitzeit auch eine 43:09. Ich hab eine neue Bestzeit aufgestellt – wunderbar und genau das zählt auch, aber ein bisschen ärgert es mich schon, dass ich die 10km Durchgangszeit vom Nachtlauf und hier meine handgestoppte Zeit nicht Schwarz auf Weiß habe, nur weil ich den Wechsel versemmelt habe.
Aber insgesamt ist das auch egal. Es war ein wirklich schönes Event. Ich habe zwar alles vergessen, aber kann nun auch meine alte Bestzeit vergessen. Endlich mal ein paar Blogger persönlich getroffen. Bestzeit aufgestellt und sehr zufrieden zu Hause angekommen. So zufrieden, dass ich sogar mir zugestanden habe, am Abend das Schwimmtraining vom Triathlonverein ausfallen zu lassen.

Marathonstaffel Berlin mit den Running Twins – ich bin gern nächstes Jahr wieder dabei! Vielen Dank an alle!
Am Ende waren wir übrigens in 2:53 h 65. von 1158 – da waren also doch nicht mehr viele vor uns.

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8 Antworten zu Ein Tag des Vergessens – Marathonstaffel Berlin

  1. ultraistgut schreibt:

    Lieber Ralf, das liest sich gut, anfangs könnte man meinen, alles ginge schief, aber dann hat es doch ein gutes Ende für dich und für die Mannschaft genommen – geniale Zeit 2:53 – herzlichen Glückwunsch eurer Staffel, zu der du ebenso erfolgreich Anteil hast.

    Bloggertreffen sind immer gut, ich spreche aus Erfahrung ! 😉

  2. Falk schreibt:

    Ach Ralf, die Technik und die Ausrüstung sind doch nur ein Aspekt. Vertraue auf Dich, auf Deine Leistung, die Du laufen kannst. Ob nun mit Uhr oder ohne, ob GPS oder nicht. Du bist jetzt schon sehr gut auch ohne diesen Schnickschnack. Laufen ist ein Gefühl. Lebe es.

  3. Pingback: Mit der Staffel ins Läuferglück | Running Twins

  4. Andreas schreibt:

    Solche Tage gibt es, die starten mit einem Pech nach dem anderen, und dann läuft es eben doch noch besser als man denkt… Gratuliere zur neuen Bestzeit!

  5. manur schreibt:

    Glückwunsch zu Deiner Zeit und zum super Abschneiden der Staffel! Wäre nicht Samstag mein Geburtstag gewesen und damit die entsprechende Feier Samstagnacht, wäre ich sicherlich auch am Sonntag mit am Start gewesen 🙂 Aber Muskelkater habe ich heute dennoch – nur kam dieser vom langen Tanzen Samstagnacht 🙂

  6. mlange99 schreibt:

    Hey Ralf – bei so einer Veranstaltung klappt nicht immer alles perfekt. Du kannst mit deiner Leistung sehr zufrieden sein – mal so eben im November eine PB auf den Asphalt gelegt – hallo!!?? Natürlich ist das für uns Perfektionisten ärgerlich, wenn der „Beweis“ nicht da ist, aber den wirst du sicher 2012 erbringen. Wie die Grand Dame des Laufens schon vorher geschrieben hat – du hast einen großen Anteil an diesem bärenstarken Ergebnis. Genieß die Lorbeeren und auf ein Neues in 2012. Danke, dass ihr dabei gewesen seid!

  7. Din schreibt:

    Hi Ralf, genau das zählt – neue PB! Herzlichen Glückwunsch!
    All den Stress hat man dir aber auch nicht wirklich angemerkt und klar, man kann immer irgendetwas verbessern. Ich bin für einen riesigen Luftballon, wenn wir im kommenden Jahr abschlagen 🙂

  8. Pingback: 19. Berliner Marathon-Staffel | Grit ist fit

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