Der Spaß bleibt

Ich freue mich auf den Marathon. Meine Vorgaben gab es ja letztens zu lesen, evtl. ergibt sich die Chance auf einen Hasen auf 3:45 h. Den Lauf noch richtig ambitioniert angehen, ja darauf hätte ich auch Lust – ich hätte Spaß dran. Ich hätte Lust mich an meine Grenzen zu bewegen und mich auszupowern und ja ich hab auch Lust auf eine persönliche Bestzeit.
Ich finde es aber gerade so gut, wenn ich mich beobachte, dass ich dabei nicht verkrampfe, dass ich es schaffe Trainingspläne Traingspläne sein zu lassen und zu tun wonach mir ist. Ich hatte schon ein bisschen Angst, dass die Lust sinkt, wenn ich das erste Mal bei einem Lauf keine neue persönliche Bestzeit aufstelle, aber das ist nicht eingetreten. Ich geniese es, mich an dem Tag verausgabt zu haben und bin mit mir so was von zufrieden – herrlich. Die gute Zeit in Berlin, aber das Gefühl, noch mehr zu können, hat mich auf jeden Fall deutlich weniger befriedigt. Der Sport macht mir Spaß und so soll es auch bleiben! Durch die Umstellung auf das Triathlon-Training gönne ich mir derzeit gerade mächtige Freiheiten und ich geniese es. Die wichtigen Trainingseinheiten habe ich absolviert und darauf achte ich auch, aber manch anderer Lauf kann auch mal ausfallen. He, ich lebe und ich mache das um von anderen Dingen abzuschalten und nicht um mich damit zu stressen. Ich finde es wunderbar, dass mich meine neue Partnerin auf den langen Läufen begleitet und gerade am Sonntag beim Durchstehen der 39 km in ziemicher Sonne war das Gold wert, aber auch genau für sie lasse ich auch gern eine Einheit sausen. Ich finde es gut, dass ich da angekommen bin, ich dachte zeitweilig echt, ich kann mich von dem Trainingsplan nicht lösen, aber z.Z. klappt das hervorragend. Gleichzeitig erlebe ich aber auch, wie wichtig mir der Sport geworden ist und auch wie selbstverständlich. Vor meinem dritten langen Lauf – letzte Woche – hatte ich auf der Fahrt zur Laufstrecke einen nicht unerheblichen Autounfall, aber es war klar, dass ich trotzdem laufen gehe, wenn ich alles geregelt habe und es hat mich wahnsinnig entspannt. Das Positive aus dem Lauf hat den Ärger ziemlich verdrängt. Ich ziehe einfach das Positive aus dem Sport und stresse mich nicht damit.

Bei mir gibt es gerade so einen Lauftreff, der das Training ziemich ernst nimmt und ich finde es ja auch gut mal richtig gefordert zu werden und mit ein paar Leuten sich anzutreiben das wirkt wirklich auch Wunder. Aber gleichzeitig ist da auch ein bisschen Verbissenheit drin und die möchte ich überhaupt nicht an mich rankommen lassen. Ich möchte Spaß haben, denn der bleibt und ja, Spaß kann auch die neue persönliche Bestzeit sein und ist für mich bestimmt nicht Marathon lustig gehend und fotografierend zu erleben, ich will mich schon der Herausforderung stellen, aber ich weiß auch dass ich nie siegen werde und mir darüber evtl. Bestätigung holen kann und will. Ich will und kann für mich nur allein zurecht kommen und dafür ist mir das Gefühl alles gegeben zu haben am wichtigsten. Was dabei rauskommt ist eigentlich egal, solange ich mich gut fühle und es interessiert absolut niemanden ob ich nur 3:45 oder 4:03 laufe – das ist ganz allein mein Ding.

Letzten Freitag war ich auf einer schönen langen Radausfahrt mit ein paar Bekannten – also wir waren zu viert. Es sollte meine längste Strecke werden, seitdem ich wieder Rennrad fahre, aber ich wollte eigentlich nur in GA1 oder GA2 rumfahren, also 28 km/h oder weniger. Ich packte mir die Kamera ein, da ich dachte ab und zu ein Foto zu machen, aber daraus wurde nix. Man stachelte sich gegenseitig hoch, es wurde sogar bergrunter ordentlich getreten (aber auch auf den Bergauffahrten auf mich gewartet) und wir hatten am Ende fast 31 km/h Durchschnitt. Es war also auch gleichzeitig meine längste Ausfahrt. Es war schön und ich will die echt nicht missen, aber nochmal so brauche ich das nicht, denn der Spaß war ab und an dabei vorbei. Für die anderen sah das evtl. anders aus, wenn ich eine 15 km Runde in 7:00 Min/km laufen sollte und alles was schneller wäre, wäre blöd, würde ich auch komisch schauen, aber egal. Mir wurde da jedenfalls deutlich bewusst, dass ich Spaß haben will, dass ich mich fit halten will, dass ich Ausgleich haben will, aber bitte keinen Leistungsdruck.
Das heißt nicht, dass ich mich nicht verbessern will und mir keine Ziele setze, aber der Sport sollte in mein Leben passen und nicht mein Leben zum Sport – schließlich bin ich kein Profi. Ich hatte den Wunsch, dass irgendwann mal so sehen zu können und ich bin sehr froh, dass ich das so schnell wirklich so sehen kann.

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2 Antworten zu Der Spaß bleibt

  1. ultraistgut schreibt:

    Gratuliere zu dieser Einsicht, mit der du dir noch sehr lange die Freude am Laufen erhalten wirst.

    Sehr schön geschrieben und entspricht genau meiner Laufphilosophie seit vielen, vielen Jahren, Zeiten sind Schall und Rauch, das eigene Erlebnis, und nur das zählt.

    Früher war ich auch in einer Laufgruppe, die nur auf Erfolg trainierte. Schneller, schneller und das um jeden Preis, ein Kampf, den ich nicht mitmachen wollte. Von da an war bei mir der Groschen gefallen, und ich lief nur noch für mich, tue es heute noch und bin dabei – so glaube ich – auf die langen Kanten geraten, ohne Druck jeglicher Art, Laufen mein Lebenselixier !

    Danke für diesen Beitrag ! 8)

    P.S. Abgesehen davon, dass fast alle, die früher in meiner Umgebung nur Zeiten hinterher jagten, irgendwann den Spaß verloren, weil sie ständig verletzt waren und weil sie die Zeiten, denen sie hinterher hetzten, nie mehr erreicht haben, schließlich sind wir – wie du schon sagtest – keine Profis.

  2. rose24 schreibt:

    Lieber Ralf,
    ich freue mich jedesmal von dir zu lesen. Deine Einstellung ist ein echtes Vorbild auch für mich. Ich laufe auch zum Spaß, natürlich auf einem ganz anderen Level. Trotzdem will auch ich mich langsam aber sicher steigern, ohne den Spaß dran zu verlieren. Danke für diesen sehr gelungenen Beitrag.
    Rosa aus Ö

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