Darf es ein bisschen mehr sein? – Pöhler Triathlon

Ich hatte ja schon mal geschrieben, dass ich Events mag und deshalb stand nach einem Tag Ruhe am Samstag, an dem ich wirklich nur gegammelt habe und mal wieder die Kohlenhydratspeicher mit Kartoffeln und Quark aufgefüllt habe, am Sonntag gleich das nächste Event an – Triathlon an der Talsperre Pöhl.
Ich wusste bzw. weiß, dass es unvernünftig ist, zwei Wettkämpfe so schnell hintereinander zu legen, aber meine neue Sucht hat mich ergriffen und ich wollte unbedingt noch einen Triathlon mehr machen. Es sollte also erneut für mich allein auf 750 m Schwimmen, 23 km Radfahren und 5,9 km Laufen gehen.

Makiert

Makiert

Das Zusammensuchen, der Dinge, die ich brauche, ging mit Hilfe der Packliste von Senftenberg am Samstag ruckzuck und Sonntag war auch das Auto schnell gepackt, so dass ich zeitig los kam. In der Nähe von Chemnitz sammelte ich noch eine Freundin auf, die mir an dem Tag zur Seite stand und mir ein paar fotografische Erinnerungen bescherte. Wir kamen gegen 10:30 Uhr an. Rad wieder zusammenbauen, Startunterlagen und ab zum Check-In. Der war diesmal deutlich gründlicher und es gab auch die Startnummer aufs Bein. Also offene Bremse hätte mir hier nicht passieren können. Aber es gab nix auszusetzen und so durfte ich mir einen Platz suchen.
Warten

Warten

Ich war so ziemlich erster in meinem Startblock und hatte so noch die freie Wahl. Markante Plätze waren diesmal rar, also ging es erste Reihe direkt am Gang – leicht zu finden und keiner könnte mir im Weg sein. Leider waren die Plätze alle für Mountainbikes ausgelegt und mein Rad stand ziemlich schief da. Aber naja, es gab eine Reihe, die auch für schmalere Räder gut war, aber der Ort gefiel mir gar nicht. Danach hieß es dann erstmal warten, bisschen rumschauen, warten, den Wechselplatz etwas einrichten, warten, Toilette, Umziehen. An Warmlaufen habe ich zwar zwischendurch gedacht, aber irgendwie ist das echt schwierig beim Triathlon. Vor meinem Start würden noch zwei Startblöcke starten und davor gab es Wettkampfeinweisung. Also wenn, dann muss man sich so ziemlich eine Stunde vorher warmlaufen. Das fand ich nicht so sinnig. Naja, jedenfalls gab es dann Wettkampfeinweisung, ich lief zumindest mal in der Wechselzone hin und her und machte meine Schultern etwas locker und dann hieß es Neo anziehen.
Neo anziehen

Neo anziehen

Ich war ja im Vorfeld schon ein bisschen traurig, dass jetzt doch noch gutes Wetter war und der See immer wärmer wurde und ich so meinen neuen Neo wohl nicht tragen dürfte, aber ich hatte Glück, 21°C Wassertemperatur und Neo erlaubt. Also zog ich ihn auch an. Beim Testanziehen zu Hause floß der Schweiß ja schon nach einer Minute in Strömen und so war es auch hier, denn die Außentemperatur war mit ca. 26/27°C schon fast zu warm. Ich drängelte mich dann mal kurz in die erste Startgruppe und ins Wasser, damit ich wenigstens etwas abkühle. Klappte auch ganz gut. Dann aber schnell zurück in meine Wartezone. Die drei Gruppen sollten in einem Abstand von 8 Minuten starten.
Dann war die erste Gruppe weg, die zweite schwamm sich ein bisschen ein und nahm Aufstellung. Die erste Gruppe war da noch nicht ganz an der ersten Boje. Es war ein Dreieckskurs zu bewältigen, der einmal zu durchschwimmen sei. Die beiden Bojen standen etwas enger zusammen und weit vom Ufer entfernt. Also bedeutete die erste Boje fast die Hälfte der Strecke. In Senftenberg waren die ersten nach reichlich 12 Minuten aus dem Wasser. Es bestätigte sich damit immer mehr, was viele schon vom Hinschauen erahnten, dass nämlich die Schwimmstrecke zu lang ist. Egal, nützt ja nix, da muss man durch. Eine Taktik hatte ich eh nicht.
Die zweite Gruppe war weg und so durften wir dann ans Wasser – mittlerweile war ich schon wieder ziemlich aufgeheizt. Ich fand mich ziemlich weit vorn wieder – wenn man mit Neo startet signalisiert man den anderen wohl auch eine gewisse Erwartungshaltung.

Schwimmstart

Schwimmstart

Startschuss. Ich kraule los und es läuft gar nicht so schlecht, ich bin gut dabei. Allerdings schwimme ich viel zu hektisch. Nix mit der Ruhe wie beim Neo-Test-Schwimmen. Ich hatte mich doch so gefreut, dass endlich Ruhe in meinen Kraulstil kommt und nun schwimme ich als ob es um die 100 m Weltmeisterschaft geht. Nach schätzungsweise 200 m hat sich das dann aber auch erledigt. Mein Puls ist jenseits von gut und böse und ich bin schon ziemlich fertig. Also Wechsel zu Brust und weiter geht es. Es überholen mich ab jetzt permanent Leute. Die Boje ist irgendwie auch noch nicht deutlich näher gekommen. Ich wechsle nochmal zu Kraul und bin auch gleich wieder schneller, aber irgendwie halte ich das nicht durch und finde keine Ruhe. Also Brust und weiter. Brust geht jetzt überraschend gut, obwohl ich das beim Testschwimmen mit dem Anzug als fast unmöglich hingestellt hatte. Okay, der Auftrieb an den Beinen könnte etwas weniger sein, aber ich will ja nicht klagen. Boje erreicht – auf zur nächsten. Ich suche mir einen Schwimmschatten und merke, wie das richtig was ausmacht und ich mich ein bisschen erholen kann. An den Knien ist der Neo jetzt lästig, da ich das Gefühl habe, mehr Energie für die Beuge aufbringen zu müssen. Außerdem wird mir warm. Ab und an lüpfe ich den Kragen und lasse Wasser reinlaufen. Schon besser. Die zweite Boje und dann zurück zum Ufer. Jetzt habe ich fast sowas wie einen Rhythmus. Versuche ordentlich zu gleiten und kann zwischendurch sogar mit dem Tempo spielen und mache einen kleinen Zwischenspurt.
Das Ufer ist nah

Das Ufer ist nah

Leider gibt es derzeit keinen Schwimmschatten und das Ufer will und will nicht näher kommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind es dann nur noch ein paar Meter. Noch kein Grund, also noch ein Schwimmzug und dann endlich wieder Boden unter den Füssen. Leider bin ich etwas wacklig und stürze gleich nochmal hin.
Schwimmbrille ab. Zeitnahme. Und dann ab in die Wechselzone – die Wege sind hier relativ kurz. Erst beim vierten Versuch bekomme ich endlich die Leine vom Reissverschluss des Neos zu greifen und so habe ich den am Wechselplatz noch nicht aus. Es geht dann doch relativ flott, aber ich bin ziemlich unsicher auf den Beinen. Der Wechsel in Senftenberg war auf jeden Fall besser.
Auf zur Radrunde

Auf zur Radrunde

Irgendwann hab ich dann Socken, Schuhe, Helm und Startnummer an und kann los. Die Stelle ab der man Aufsteigen kann ist nicht gerade doll. Schmal, eine große Bodenwelle und ziemlich kurz bevor es eine Rampe zur eigentlichen Straße rauf geht. Ich schaffe es aber doch noch meine Schuhe vorher zu klicken und zum Glück hatte ich einen niedrigen Gang eingelegt. Die Rampe ist ziemlich heftig.
So jetzt geht es ein paar Kilometer bergan, bevor es dann wieder abwärts geht und die zweite Runde auf der Wendepunktstrecke folgt. Diesmal läuft mein Tacho und es läuft gut. Es geht bergauf (wenn auch erstmal leicht) und ich fahre 35/36? Ah okay, der Rückenwind kommt mir zu Hilfe. Als es dann etwas steiler wird geht die Geschwindigkeit auf 22 km/h runter, aber nach der Wende fahre ich dafür konstant eine Weile zwischen 46 und 50 km/h – herrlich. Ein paar überholen mich, aber diesmal überhole ich auch und vor allem überhole ich sogar Leute aus dem Startblock vorher, die 8 Minuten eher gestartet sind! Auf der zweiten Runde fängt es leicht an zu nieseln. Ich gebe Gas, ich will keine rutschige Straße. Aber das Nieseln ist auch bald schon wieder Geschichte. Mit ein paar Leuten überholen wir uns ständig gegenseitig. Irgendwann reicht es mir und ich ziehe an. Will als erster an der Wende sein, damit dort kein Verkehr ist. Ab da heißt es nur noch ein paar Meter abwärts und auf zum zweiten Wechsel.
Da bin ich viel besser drauf. Vom Rad komme ich gut ins Laufen und überhole auch zwei Leute bis zur eigentlichen Wechselzone. Rad abstellen. Helm ab. Schuhe wechseln – es dauert, bis ich endlich in die Schuhe geschlüpft bin und los auf die Laufrunde.
Kaum auf der Runde (die muss zweimal gelaufen werden) geht es auch schon los – ich fange an zu überholen. Noch viel krasser (da mehr Teilnehmer) als in Senftenberg kommt es mir vor.
Auf der Laufstrecke

Auf der Laufstrecke

Ab dem ersten Meter sammle ich Leute ein. Dann sehe ich kurz meine Begleitung und freue mich, dass es auch vom Lauf ein Foto gibt. Der Untergrund ist ziemlich anstrengend, Rassergittersteine, die aber nicht wirklich gefüllt sind und so eigentlich nur ein Meer aus Löchern bilden. Auf dem Campingplatz – durch den der Kurs verläuft – geht es nun einen ziemlich steilen Anstieg hoch. Puh, aber okay, kurze Schritte und weiter. Bergab lasse ich es laufen. Nutze den Speed voll aus. Schön auf dem Vorfuss, damit der Schritt gedämpft wird, aber ja nicht abbremsen. So steil ist es nun auch wieder nicht. Ich kann es gar nicht oft genug sagen – der T7 Racer fühlt sich sich einfach nur geil an. Am Ziel vorbei und auf in die zweite Runde. Das Überholen geht unaufhörlich weiter und macht so viel Spaß. Einfach nur herrlich. Ich überhole mittlerweile sogar den einen oder anderen aus dem ersten Startblock. Zwischendurch bekomme ich von jemanden mit Vereins-T-Shirt (einer Trainerin?) zugerufen „Super Laufstil. Sieht gut aus.“ – das baut auf und macht mich glücklich. Wenn ich so an mir herunterschaue stimmt das aber auch, ich laufe sehr sauber und alles ist bestens. Tempo und Puls sind mir egal. Tempo mit GPS spinnt – das hat wohl auch zur falschen Schwimmstrecke geführt – und Puls ist beim Triathlon irgendwie ganz anders. Ich muss mehr auf meine Oberschenkel hören. 200 – 300 m vorm Ziel habe ich alle überholt die ich erreichen konnte – davor klafft eine Riesenlücke – ich sehe keinen mehr – und laufe so nicht auf der ganz letzten Rille durchs Ziel.

Die Zielverpflegung ist nicht ganz leicht zu finden, aber dann richtig gut. Statt Dusche nehme ich noch ein Bad im See, der mir jetzt heftig kalt vorkommt. Als ich von meiner Begleitung später höre, dass da jemand nach dem Schwimmen zitternd an seinem Platz saß und mit Wärmeschutzdecken und so erstmal wieder aufgewärmt werden musste, werd ich schon ein bisschen nachdenklich. Ich bin froh, im Neo gestartet zu sein. Denn neben der Verbesserung der Wasserlage, hält der einfach mal warm und man muss halt keine Angst haben unterzugehen, auch wenn man keine Kraft mehr hat. Man legt sich einfach aufs Wasser. Soweit wie bei dem Teilnehmer sollte es aber nicht kommen, da ist auch immer Verantwortung des Teilnehmers gefragt und dann muss ich halt aufgeben. Lieber etwas früher als zu spät.
Nachdem alles wieder im Auto verstaut ist, geht es nochmal zurück, Atmosphäre mitnehmen und als mal nicht so viel Andrang ist, nehme ich auch die angebotene Massage mit. Über die Aussage der Masseure, dass ich wohl bei der Hälfte ausgestiegen sei, weil ich so locker bin, wundere ich mich nach dem Doppelbelastungswochenende dann schon, aber macht mich irgendwie auch stolz.

Das „bisschen mehr“ auf der Schwimmstrecke stellt sich im Nachhinein als ca. 1200 m statt 750 m heraus. Damit hätte ich also fast die olympische Distanz. Auf dem Rad zeigte mein Tacho auch 25 km und Laufen war dann wohl ziemlich genau, aber als mit 5,9 statt 5 auch etwas mehr als in Senftenberg. So ist dann insgesamt meine Zeit von 1:46:46 auch in Ordnung. Ich sag ja, Triathlons untereinander vergleichen ist schwierig. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht und ich bin in der ersten Hälfte des Feldes gelandet. Was will ich mehr.

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6 Antworten zu Darf es ein bisschen mehr sein? – Pöhler Triathlon

  1. Ralf schreibt:

    Mist – ganz vergessen. Vielen Dank an Sandra für die Fotos und die Unterstützung, auch wenn ich von der Anfeuerung auf der zweiten Runde nix mitbekommen habe.

  2. rose24 schreibt:

    Ich gratuliere ganz herzlich zu deinen tollen Leistungen. Du beweist tatsächlich immer wieder, was man mit einem festen Ziel vor Augen alles leisten kann. Du bist ein Vorbild für viele, auch für mich, obwohl ich mein sportliches Leben erst begonnen habe. SUPER!!!
    Rosa aus Österreich

    • Ralf schreibt:

      Oh oh oh – ich werd gleich rot. Bei diesem Triathlon hieß mein Ziel eigentlich nur „Spaß“ und den hatte ich. Auf den Laufevents bin ich da eher etwas zeit- und zielorientiert. Ich geniese eigentlich nur, daß ich mein sportliches Leben für mich entdeckt habe und mich darin wohl fühle. Dir viel Kraft und Freude.

  3. Claudi schreibt:

    Wow Ralf! Respekt. Ein toller Bericht für einen super Wettkampf. Ich freu mich immer so Berichte zu lesen… also weiter so!
    Ich lande ja immer in der zweiten Hälfte des Feldes… 😉 Von daher ist es klasse zu lesen, wie es vorne so ist.
    Viele Grüße!

  4. Andreas schreibt:

    Triathlon ist wirklich etwas, an das ich mich selber nicht wagen würde: ich würde schon nach 50 Meter Schwimmen untergehen 😉 Umso bewundernswerter, was du da so auf die Flossen, Räder, Beine gestellt hast. Gratulation!

  5. Pingback: Wundertüte – Pöhler Triathlon | loslaufen

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