Dem Bestzeitenpulverisierer die Nacht gezeigt

Vor einem Jahr startete meine Laufkarriere richtig/neu. Gelaufen bin ich seit Herbst 2009, aber dann hatte ich mich nach der TeamChallenge letztes Jahr die ganze Zeit mit Beschwerden geplagt und dachte schon, ich muss das Laufen aufgeben. Aber es waren nur die falschen Schuhe und mit neuen Schuhen und nur einem Trainig seit wochenlanger Pause ging ich letztes Jahr in den Nachtlauf Dresden und es sollte zugleich mein längster Lauf werden. Alles ging gut und ich war glücklich und zufrieden im Ziel angekommen. Hatte sogar mein Ziel – in der ersten Hälfte des Feldes anzukommen – erreicht.
Seit diesem Zeitpunkt trainiere ich mehr oder weniger regelmäßig. Eine erneute Bestzeit auf der krummen Strecke von 13,6 km stand also außer Frage, aber meine Ziele waren höher als „nur“ Persönliche Bestzeit.

Eigentlich wollte ich die ganze Woche einfach um einen Tag verschieben – schließlich hatte ich den langen Lauf letztens auch Samstag statt Sonntag gemacht. Also sollte es heißen Mo, Di, Mi Training, Do Ruhe und dann Freitag halt den Nachtlauf Dresden anzugehen. Das montägliche 11 km durch die Landschaft laufen ersetzte ich mit einer reichlich 40 km Radrunde. Dienstag konnte ich mich nicht früh durchringen (merkte noch die abendliche Belastung) und schaffte es dann abends mich nach der Arbeit zu überwinden, den Stress wegzulaufen und einen ordentlichen Tempolauf hinzulegen. Mittwoch hat dann aber der Arbeitsfrust gesiegt und ich schwänzte meine Einheit. Donnerstag war sowieso Pause – da holte ich nur meine Startunterlagen ab und blieb noch eine Weile bei der Pastaparty. Das war sehr angenehm und schmeckte auch richtig gut.
Die Gespräche auf der Pastaparty drehten sich auch vermehrt ums Wetter, denn alle Tage soll jetzt mal ordentliches Wetter sein, aber gerade für den Tag des Nachtlaufs war nochmal Gewitter und Regen angesagt. Ich wollte nicht schon wieder einen Regenlauf, auch wenn das für die Zeit wohl noch besser als Hitze ist. Aber es wurde dann alles wunderbar. Das Gewitter tobte sich tagsüber aus und wusch dankenswerterweise die Pollen aus der Luft. Schöne saubere Luft, die zum Abend hin dann ja auch kälter wurde. Der Wind, der noch kräftig blies als ich von Arbeit nach Hause fuhr verzog sich auch pünktlich zum Start und somit herrschte ideales Laufwetter.

Vor dem Start traf ich noch ein paar Leute, die die ich treffen wollte fand ich allerdings nicht. Hab mich rund 10 Minuten eingelaufen und gesellte mich dann ziemlich weit vorn ins Starterfeld. Und dann ging es auch schon pünktlich zum Sonnenuntergang um 20:21 Uhr los. Ich lief wie in Berlin wieder ohne iPod und ohne GPS-Sensor. Das hatte mir in Berlin gefallen. Ich kann meinen Puls ein bisschen im Auge haben und bei den Kilometerschildern das Tempo kontrollieren und zwischen den Schildern mache ich mir einfach keinen Stress, sondern laufe einfach. Durch die vordere Startposition stand niemand groß im Weg rum, sondern man war umringt von vielen Leuten, die doch so ziemlich das Tempo liefen, was man auch laufen wollte/konnte. Von hinten kamen ab und an welche vorbeigeschossen, aber die würde ich wohl bald wiedersehen 🙂 Nach ein paar hundert Metern entdeckte ich ein Stück vor mir Christoph vom Lauftreff. Keine Ahnung, wie lange er schon läuft, aber ein paar Marathons hat er wohl weg und ich war mir jedenfalls sicher, dass er das alles schön kontrolliert angeht und ich ja mal probieren könnte, mich an ihn zu heften. Etwas vor Kilometer 1 war ich dran und wir passierten das Schild bei 4:10. Für meine sehr optimistischen angestrebten 4:20 eigentlich zu schnell, aber man könnte es ja mal probieren. Ich wollte auf keinen Fall wie in Berlin danach dasitzen und denken, da wäre eigentlich noch deutlich mehr drin gewesen, so richtig fertig bin ich nicht. Also schön dranbleiben, sich um nichts Gedanken machen, einfach hinterherlaufen. Wir sind zu dem Zeitpunkt eine kleine Vierergruppe. Ab und an überholen uns ein paar Leute, aber wir fangen auch schon an einzusammeln. Bei km 3/4 denke ich mir die ganze Zeit, eigentlich könnte ich auch ein Stück schneller, aber ich sage mir, bis km 10 mache ich nichts als hinterherlaufen, dann kann ich mich ja austoben. Christoph weiß die ganze Zeit – so denke ich zumindest – nichts von seiner Position, dass er für mich den Hasen spielt. Um km 5 fällt einer zurück, Christoph sieht mich, Getränkestation – einen kleinen Schluck nehm ich, hatte aber tagsüber mit fast 4 Litern Wasser auch gut vorgesorgt – und weiter gehts. Bei km 5 drücke ich mal die Rundenzeit auf meiner Uhr und auch wenn ich die Zeitenliste zu Hause vergessen habe, so weiß ich noch, dass ich da bei ca. 21:35 sein sollte und wir passieren den Punkt bei 21:13. Es geht übers Blaue Wunder auf die andere Elbseite und zurück. Vom Gegenwind, der Nachmittags noch gehörig blies, merke ich nix und auch die Kopfsteinpflasterpassage bekomme ich sehr gut geregelt. Dort verlieren wir aber noch einen Mitläufer und sind jetzt nur noch zu zweit. Wir überholen zwei Bekannte und ich schließe auf, so dass ich mit Christoph in einer Höhe laufe und frag mal, auf was er eigentlich läuft – 58:00. Okay, kann man ja probieren. Mein sehr ambitionierter Tipp beim Brooks PacePropheten war 59:06, aber die Stunde sollte wenigstens fallen. Weiter gehts. Er will die letzten 3-4 Kilometer durchziehen, wenn er noch kann. Ich merke zunehmend, dass das hohe Tempo ganz schön Energie kostet und habe ein bisschen Angst, dass ich wie letztes Jahr auf der Rampe zur Brücke einbreche. Ich lasse ihn bei km 10 ziehen. Dort habe ich mal wieder eine Zwischenzeit gedrückt und so ganz nebenbei mit 42:36 noch eine 10km-Bestzeit aufgestellt. Zum Glück laufen die anderen in meiner Umgebung auch noch alle relativ konstant, so dass ich halt nur nicht anziehe, aber wohl ziemlich konstant weiterlaufe. Km 11 will und will nicht kommen, um auf die Uhr zu schauen ist es eh zu dunkel und so laufe ich einfach weiter, wie ich denke. Auf einmal taucht km 12 auf – da muss ich also ein Schild übersehen haben. Es geht nochmal etwas bergab und ich fliege. Am letzten kleinen Anstieg überholen mich noch zwei drei Leute und dann kann ich auf die Zielgerade einbiegen. Kraft für einen Endspurt hab ich nicht mehr, aber irgendwie geht doch noch was. Ich sehe die große Uhr und ich werde meinen Tipp deutlich schlagen. Wunderbar. Mit erhobenen Armen laufe ich durchs Ziel und bin einfach nur glücklich, aber auch richtig fertig. Ich bedanke mich bei Christoph, der wohl einigen Anteil an der Zeit haben dürfte.
Wasser, Apfel, alkfreies Bier, ein paar Schwätzchen und auf einmal wird mir tierisch kalt. Ich sehe zu, dass ich meine Klamotten bekomme, lasse mir noch meine Urkunde ausdrucken (58:22 netto, gesamt Platz 94, AK Platz 12 – wow, eine Verbesserung um knapp 16 Minuten) und ziehe mich um. Duschen gehe ich dann doch nicht (die sind diesmal nicht so nah), sondern sehe zu, dass ich nach Hause komme und gönne mir da ein Vollbad.
Dem Bestzeitenpulverisierer scheint es auch in der Nacht zu gefallen und ich bin glücklich. Das hätte ich echt nicht erwartet. Ich war mit meinem Pace jetzt auch schneller als bei den 10 km in Berlin und das waren halt reichlich 3 km weniger und absolut topfeben. Jetzt hoffentlich schnell und gut regenerieren, damit ich am Sonntag für den Triathlon in Pöhl fit bin.

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8 Antworten zu Dem Bestzeitenpulverisierer die Nacht gezeigt

  1. Uwe Zentsch schreibt:

    Glückwunsch super Leistung, ich denke es lag auch daran das Du diese Woche nicht so viel gelaufen bist und zusätzlich einen Trainingstag weg gelassen hast. Es hat sich auch bei mir gezeigt zwei Wochen Regeneration bringen mehr als bis an den Wettkampf ran zu trainieren.
    Wenn Du möchtest würde ich Dich gerne in mein Team (zentsch-lauf-coaching) aufnehmen und bei Bedarf Dir Trainingspläne zukommen lassen ich suche immer Läufer die sich verbessern wollen und Spaß am Laufen haben. Hast Du Lust bei dem Team Staffellauf in Dresden mit zu laufen , wir suchen noch einen Läufer ?

    Tschüss Uwe

  2. Ralf schreibt:

    Danke. Es hätte ja nicht laufen sein müssen – was anderes wäre für den Mittwoch auch okay gewesen, aber manchmal ist es auch gut sich nicht zu überwinden. Um Trainingspläne, Coaching oder Vereinsbeitritt mache ich mir in letzter Zeit auch immer mehr Gedanken, aber eher speziell Richtung Triathlon.
    Teamstaffel kann ich gern mitmachen.

  3. ultraistgut schreibt:

    Auch von mir Glückwunsch zu deiner enormen Verbesserung. Wenn du vernünftig bleibst, ist sicherlich noch mehr drin. Aber wenn ich lese, dass du am Sonntag gleich wieder eine Triathlon wagst, dann zweifle ich ein wenig daran , viel Glück ! 8)

    • Ralf schreibt:

      Danke. Ich weiß, dass das mit den zwei Wettkämpfen an einem Wochenende sehr unvernünftig ist und ich werde das bestimmt auch nie wieder tun, aber ich bin einfach so heiß auf Triathlon, dass ich unbedingt noch irgendwo einen reinquetschen wollte – in meinen ohnehin dichten Eventplan.
      Das gute am Triathlon ist, dass ich es mir noch überhaupt nicht vorstellen kann, da Zielzeiten zu setzen, da Profil der Radstrecke, Wind und Wege in der Wechselzone sehr unterschiedlich sein können. Ich hab da einfach nur Spaß. Meine Trainingsbelastungskurve im Polar Portal gibt mir außerdem grünes Licht.

  4. manur schreibt:

    Super Zeit! Schade, dass wir uns irgendwie verpasst haben. Wir sind jedoch im Oktober wieder in Dresden und laufen dann die 10 km beim Dresden-Marathon mit.

    • Ralf schreibt:

      Okay, vielleicht klappt es dann ja da. Beim Dresden-Marathon werde ich dieses Jahr auf jeden Fall dabei sein, bin mir aber noch nicht sicher, was ich mache. Noch lautet mein Plan ja Trainings-Marathon, aber auch dafür muss ich mindestens 4 richtig lange Läufe noch schaffen.

  5. Claudia schreibt:

    Du bist wirklich der Knaller! Herzlichen Glückwunsch zur Bestzeit. Kannst stolz sein… ich wünschte ich könnte auch so beschleunigen… 🙂

  6. Reiner schreibt:

    super story und super zeit – glückwunsch und viel spass in pöhl, wobei der abstand zwischen den wettkämpfen etwas zu kurz sein könnte. langfristig solltest du dir wohl doch mal gedanken über einen trainingsplan machen, vorallem um die anzahl und termine deiner wettkämpfe ein bissel besser zu koordinieren und den spassfaktor hoch zu halten.
    p.s. im Moritzburger Triathlonverein suchen wir jederzeit neue Mitglieder 😉

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