100 m in 4 Stunden

Nein, Ihr habt Euch nicht verlesen! Da steht wirklich „100 m in 4 Stunden“ und ich bin so glücklich das geschafft zu haben. Die Zeit war außerdem noch Nebensache und so genau weiß ich die auch nicht. Ich war danach total fertig, gar nicht so sehr körperlich, aber im Kopf. Im Nachhinein war es jetzt geil und ich bin stolz auf mich.
Keine Angst, mir hat es nicht letzte Woche in der Berliner Regenschlacht das Gehirn rausgewaschen. Ich war einfach „nur“ klettern und die 100 m sind Höhenmeter, wobei ich auch nicht weiß, wieviel es exakt sind.

Aber von vorn. Nachdem ich letzten Sonntag Pause gemacht hatte, ging das Montag nicht gleich wieder und ich absolvierte wenigstens eine kleine Radrunde. Dienstagfrüh ging es dann auf die Standardlaufrunde und abends nochmal aufs Rennrad. Das war echt schön, ich bin die nach Moritzburg gefahren und von dort die Radrunde des Schlosstriathlon. Oh oh oh, ich glaub ich bin süchtig und Langfristziel ist jetzt wohl Ironman. Mittwoch Schwimmen, diemal mit 50 m Krauleinheiten – es geht aufwärts, aber die 300 m Durchkraulen in 3 Wochen – da bin ich noch skeptisch. Ich muss ruhiger Schwimmen – bei Kraul komme ich ständig ins Tempomachen. Donnerstag dann Tempoeinheit Laufen und Freitag habe ich mir nochmal Ruhe gegönnt.
Ich wollte am Wochenende unbedingt mal wieder einen 30er laufen, aber Sonntag stand Geburtstag von meiner Mutter an, Samstag noch von einer Freundin und ich wollte doch auch mal wieder Klettern gehen bzw. fühlte ich mich dazu auch leicht verpflichtet, denn zu oft hatte ich in letzter Zeit wegen irgendwelchen Events abgesagt. Am Samstag schon zu meinen Eltern fahren und dann evtl. Sonntagvormittag dort den langen Lauf absolvieren war auch keine Option mehr und so stand ich vor der Frage Laufen oder Klettern. Ich entschied mich nach den öffentlichen Aussagen fürs Klettern, wäre aber auch gar nicht böse gewesen, wenn es nicht klappt. Samstagvormittag schien es dann so, als ob das Wetter entscheidet. Es regnete und dann kann und darf man in der Sächsischen Schweiz nicht klettern. Es regnete aber nur sehr lokal in Dresden und so fuhren wir am Samstagfrüh im Regen zum Klettern los – haben wir auch noch nie gemacht.
Wir wurden aber belohnt, denn bald schon war es sehr okay und wir hatten dann auch tagsüber einen warmen und schönen Tag.
Eigentlich sollte es nach XYZ gehen, weil ich aber nicht ganz so spät heim wollte und der Weg ziemlich weit weg war, kam die Frage auf „Oder Lilienstein Westkante? Ralf, wenn Du das gemacht hast, dann gehst Du entweder nie wieder klettern oder Deine Höhenangst hat sich endgültig erledigt.“ (Warum ich mit Höhenangst klettern gehe – darauf gehe ich jetzt lieber nicht in diesem Beitrag ein, sonst wird es garantiert zu lang). Es dauerte eine Weile, aber dann sagte ich „Ja.“ (Ich sollte endlich mal „Nein“-sagen lernen!)

Der Anmarsch und die Erklärungen, wo wir da dann wie rumklettern werden, ließen mich immer leiser werden. Aber es gab auch immer wieder die Aussage, dass die Kletterei auf dem Weg als solche absolut toll ist (und es gab ja auch keinen Riss auf dem Weg – was ich so hasse). Irgendwann waren wir dann umgezogen am Einstieg und es ging los. Unser heutiger Vorsteiger hat im Vorstieg auch ab und an seine Probleme und unser Top-Vorsteiger hätte ihm diesen Weg auch nicht im Vorstieg empfohlen, aber gut, wir brauchen ja alle Herausforderungen und er war die letzten Wochen fleißig mit und hat sich immer mehr vorwärts getraut und Grenzen erweitert.

Also los. Der Vorsteiger hatte den ersten Nachholplatz (eine Spalte mitten in der Wand) erreicht und ich ging los. Man querte hauptsächlich und gewann nicht viel Höhe, aber einiges an Luft unter einem, weil es abfallendes Gelände war. Ich schwitzte wie verrückt, einerseits wegen dem tropischen Klima, andererseits wohl aber auch ziemlich wegen dem Kampf gegen die Angst (wäre ich nur öfter mitgegangen). Durch den Quergang ist es auch im Nachstieg ein heftiges Erlebnis und ein Sturz nicht wirklich zum empfehlen. Dann brach mir auch noch der eine Griff weg und ich war echt froh als ich am Nachholepunkt war und Durchschnaufen konnte. Es folgten die anderen beiden der Vierer-Seilschaft und dann ging es auch schon weiter. Jetzt würde es richtig luftig werden. Nächster Nachholepunkt war an einem Ring direkt über einem Überhang. Man stand dann dort also auf einem kleinen Band und hatte viele viele viele Meter einfach nur Luft unter sich. Mir wurde die Gnade gewährt, dass ich an diesem Punkt nicht so aushalten muss und gleich Durchklettern durfte zum nächsten Nachholpunkt. Leider hatte unser heutiger Vorsteiger auch kurz den Moralischen bekommen und war nicht weiter gestiegen, sondern holte schon am nächsten Ring nach. Dort musste ich nun auch verweilen, unter mir fast nix als Luft, eine Aussicht nach oben, die einem fast noch mehr Angst als die Aussicht nach unten einflösste und sehr unbequem, so dass ich zwischen 15 und 30 Minuten mit angespannten Waden stand. Die anderen wurden nachgeholt und er traute sich den nächsten Abschnitt und ich mich dann auch. Gab es vorher noch verschwenderisch viele Griffe, gab es nun leider fast keinen mehr und Reibung und Fingerlöcher waren angesagt. Nach dem einen heftigen Zug kletterte ich zügig durch und war dann schnell am rettenden Absatz. Ich wollte einfach nur noch oben sein. Leider ging es von dort nicht einfach noch in einem einfachen Ausstieg, nein es hieß nochmal 20 m queren, nachholen und dann auf die letzten 20 m. Der Einstieg in diese Querung war echt heftig. 2 kleine Tritte, die Hände in einem Griff aus Nässe und Vogelkot und dann müsste man sich um die Kante schwingen, um dann (k)einen Tritt zu finden, sondern sich richtig zu strecken. Da fragte ich mich echt, wie das wohl so mit der Bergrettung ablaufen würde. Die Aussichten waren aber auch nicht angenehm und so konnte man sich auch zusammenreißen und weiterklettern. Diese Querung wurde zum Glück von Meter zu Meter leichter und fand ihr Ende auf einem größeren Band. Man saß dann also so wie auf einer Bank mitten in der Wand und konnte sich die Gegend anschauen und das war echt gut. Irgendwo da äußerte ich dann auch so einen Satz wie „Marathon ist Kinderkacke dagegen.“ Da wollten mir meine Mitstreiter zwar nicht so ganz zustimmen, aber für mich war es wirklich so. Es war einfach eine totale Kopfsache. Einmal eingestiegen gab es hier kein zurück und man musste durch. Bei Marathon gibt es da immer noch so einen Rettungsanker, wenn es nicht mehr geht, kann man ja aussteigen oder es sich einfach machen und mal gehen. Das geht hier nicht, ich kann keinen zusätzlichen Griff anschrauben oder in einen Fahrstuhl steigen, ich muss da einfach durch. Die letzten Meter bis zum Ausstieg waren eigentlich auch nochmal anspruchsvoll, aber es gab da so einen kleinen Absatz und es war in einer Nische im Fels, so dass es für den Kopf viel leichter war und ich dort dann ganz schnell hochflog. Ich war so froh, als ich es geschafft hatte.
Für manche ist das Abseilen die Belohnung nach dem Aufstieg, ich mag es nicht und wenn man schon mal einen Berg hat, bei dem man auch runterlaufen kann, hätte ich das auch genommen, aber ich fügte mich und wir seilten ab. Es ging in 2 Etappen abwärts und die waren ewig lang. Auch das lag jetzt hinter mir. Ich hatte den Weg bezwungen, ein Glücksgefühl stellte sich aber nicht ein, ich war vor allem im Kopf einfach nur fertig. Ich hatte sogar etwas Bedenken, dass es zuviel gewesen sein könnte für meinen Kampf gegen die Höhenangst und ich nachts Alpträume bekomme – dem war aber zum Glück nicht so und es stellt sich von Stunde zu Stunde immer mehr Stolz ein.
Das es laut offizieller Einstufung (die aber nicht ganz korrekt ist) auch noch der schwerste Weg war, den ich jemals geklettern bin, erzählte mir man erst im Nachhinein.

So kann also Alternativtraining aussehen und ich bin sehr froh, dass ich mich gegen das Laufen an dem Tag entschieden hatte. Am Sonntag auch, aber statt dem Auto nahm ich dann das Rennrad für den Besuch bei meinen Eltern und spulte damit also rund 110 km ab.

2 x Laufen, 4 x Rad fahren, 1 x Schwimmen und einmal „Mentaltraining“ – bin zufrieden mit meiner Woche. Es verfestigt sich aber immer mehr die Erkenntnis, dass ich einen individuellen Plan brauche.

Leider habe ich (noch) keine Bilder vom Klettern, aber einen Eindruck bekommt man auch unter folgendem Link.

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