Nachdenklich

Ein Kommentar gestern auf mein Facebook-Posting mit dem Blogeintrag hat mich ermuntert zu dem Artikel und auch meine Unlust zu dem Lauf gestern und der wenigen Freude über die persönliche Bestzeit.
Der Kommentar bezog sich auf das berühmte Zátopek-Zitat „Wenn du laufen willst, dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon“.

Ich habe mit dem ganzen Sport nach dem Scheitern einer langen Beziehung angefangen. Ich hatte nicht wirklich vor zu Laufen, erst recht nicht einen Marathon, aber ich wollte mich auch nicht aufgeben. Als ich das Laufen lieben gelernt hatte und genoss, scheute ich mich aber immer noch vor dem Marathon, denn dann würde ich wirklich was an mir ändern müssen, dann wäre auf einmal Ernährung wichtig. Davor hatte ich echt Panik. Mein Speiseplan kannte zu diesem Zeitpunkt nur eine Mahlzeit – Mittagessen. Abends gab es nur Bier.
Irgendwann entschloss ich mich für den Marathon und habe ein neues Leben angefangen. Zum Mittagessen gesellte sich das Frühstück, zum Mittag der Salatteller und ganz viele Abendveranstaltungen am Samstag habe ich nicht wahrgenommen, weil mir ein langer Trainingslauf am Sonntag wichtiger war oder manchmal auch ein Wettkampf. Ich war dieses Jahr – so glaube ich – nicht ein einziges Mal Samstags richtig lange aus. Das Krasse daran ist nicht dieser Fakt, sondern, dass mich das nicht stört. Ich finde das gut. Mittlerweile ist es eher so, dass ich so oft von Wettkämpfen rede, dass ich eher als Sportfreak wahrgenommen werde. Es erschreckt mich zwar manchmal, aber stört mich auch nicht. (Ja dieser Beitrag ist eine seltsame Aneinanderreihung von Gedanken, die mir durch den Kopf schiessen.)
Und diese Sachen sind nicht nur bewusst geschehen, sondern viele Teile davon bleiben jetzt auch (in schlechteren Zeiten) einfach hängen und das ist ein großer Fortschritt.

Ich liebte mein Training und genoss jeden Tag und hatte mein Ziel. Zum Ende hin, stellte ich mir öfter die Frage, warum ich das überhaupt mache, aber dachte nicht länger drüber nach und der Plan vereinnahmte mich.
Mein Marathon war toll und in der Nachbetrachtung noch besser als ich es an dem Tag fühlte. Die Gehpausen sind mir verziehen, die Schmerzen weg – einfach nur schön und ein unglaubliches Gefühl.
Danach fiel ich aber in einer Loch. Ich hatte dem Loch vorgebeugt und mich zu anderen Events angemeldet. Ich hatte auch ein Event auf das ich mich konzentrieren wollte.
Aber in der Realität war es dann viel heftiger, ich reduzierte nicht von fünfmal auf viermal, sondern auf keinmal. Intervalltraining – wozu? Lange Läufe – nee diese Qual bei der Hitze muss ich mir nicht geben. Man kann auch nachmittags laufen, statt sich aus dem Bett zu quälen – endet leider viel zu oft im Biergarten statt auf der Laufstrecke.

Die Motivation ist raus. Ich weiß auch nicht richtig, was ich dagegen tun soll. Heute habe ich zwar wieder ein positives Gefühl, aber habe ich das morgen noch? Ich bin im Nachhinein unendlich froh, dass es mit den 4 Stunden nicht geklappt hat beim Marathon, so habe ich wirklich ein konkretes realistisches und motivierendes Ziel. Meine Laufanmeldungen helfen mir auch weiter – der Stadtlauf Dresden stand da als Ziel an, vorbereitet habe ich mich dafür nicht (obwohl ich einen Plan hatte), aber ich habe es trotzdem geschafft.

Dieses „trotzdem geschafft“ erschreckt mich aber noch mehr, wenn man sich meine Seite „Offiziell“ anschaut, dann sind da alle Laufzeiten fett. Das ist aber nach der Theorie nur der Fall, wenn ich persönliche Bestzeit gelaufen bin. Ich bin also bis jetzt in jedem Lauf Bestzeit gelaufen. Was ist, wenn das mal nicht mehr so ist. Einen ersten kleinen Gefühlseindruck habe ich davon schon jetzt, weil mir meine HM-Bestzeit vom Wochenende ziemlich egal ist.
Gleichzeitig tut mir das auch gut, denn der Lauf war als solches – wenn man mal von dem Wetter absieht – schön. Es hat optimal gepasst und irgendwie hatte ich schon einfach Spaß daran zu laufen, auch wenn mir das loslaufen schwer gefallen ist.
Dieser Schritt zum wirklichen Spaß am Laufen selbst und nicht nur am Trainingsfortschritt, den heißt es jetzt zu gehen und der wird wohl schwierig. Konkret heute (mal sehen wie es morgen aussieht) bin ich aber optimistisch, denn sich bei solchem miesen Wetter rausquälen und zu laufen und über sich stolz zu sein, dass hat mich den Winter über motiviert und finde ich auch gut und genau dazu habe ich morgen auch Lust – auch wenn es regnet.

Ich muss jetzt eigentlich nicht nochmal erwähnen, dass dieser Beitrag unstrukturiert ist. Ich kann es aber gerade nicht besser. Ich bin froh, dass ich in diesem Tal mit dem Triathlon und endlich wieder dem eigenen Rennrad neue Impulse und auch neue Vorfreuden setze. Es hilft mir weiter. Außerdem ist es gutes Ausgleichstraining. Lezte Woche bin ich ja 10 km zum See gefahren. Kraul war nach 80 bis 100 m fertig, aber wohl doch schneller als Brust. Nur eine 3er Atmung habe ich echt nicht mehr ordentlich hinbekommen, so dass für einen Wettkampf entweder ordentliches Training ansteht oder doch Ausweichen auf Brust.

Dieses Mistwetter versetzt mich moralisch aber auch in den Winter und das Durchringen zum Aufstehen und dem Begegnen der „wirklichen“ Läufer. Das pusht mich.
Ich weiß, ich brauche die Wettkämpfe und fühle mich mit denen gut, aber ich will auch wieder richtig Freude am normalen Training und am täglichen Laufen haben. (Nicht schrecklich bemüht, sondern nur so aus einer Beobachterposition)
Ich hoffe die Aktualisierung meines Trainingsplans und des darauf abgestimmten Events helfen mir dabei.

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5 Antworten zu Nachdenklich

  1. Gretelsrun schreibt:

    Hallo Ralf,
    also ich war letzte Woche auch (fast) kein einziges Mal laufen. Wenn ich Sonntag nicht gemusst hätte, dann auch nicht da – Lust hatte ich keine. Dieser Unlust habe ich mich auch bewusst hingegeben. Es gibt Momente da muss man das überwinden, aber auch solche wo man sie annehmen muss. Dem Körper Ruhe gönnen, Erholung. Du machst das schon ganz richtig.. neue Reize setzen, neue Ziele – aber mach sachte. Trainiere einfach mal eine Weile nach Lust und Laune. Setze Dir aber auch einen „Termin“ wann es wieder losgehen soll. Denn ohne Ziel kann so eine Pause durchaus auch mal länger werden – so ging es zumindest mir. 🙂
    Auf alle Fälle viel Spass.. so oder so

    VG
    Christian

  2. Falk schreibt:

    Hallo Ralf, ich laufe jetzt seit 10 Jahren und habe mich nie an Läuferkonventionen gehalten. Weder hatte ich viele Jahre einen Trainingsplan, noch Intervalltraining jemals versucht. Ich laufe, weil ich Freude an der Natur habe, Spaß wenn mein Körper beim schnelleren Laufen wie geölt funktioniert, wenn der Bewegungsablauf locker ist, wenn mir ein Igel über den Weg läuft, weil es schneit, in frischem Schnee, in dichtem Nebel, weil man da nur das nächste Umfeld sieht, durch Pfützen wie heute morgen und baue öfter mal einen Weg quer durch den Wald ein, wo ich über Baumstämme springe, Liegestütze mache und mich einfach in 15 Minuten auspowere…was ich damit sagen möchte: lauf Deinen eigenen Weg, jeder motiviert sich anders, ich laufe seit Jahren keine Bestzeiten mehr und genieße stattdessen das Zusammensein mit anderen. Trotzdem setze ich mir Ziele, wie ein 50 km Lauf im August. Langsam und ohne Druck. Ich wünsche Dir viel Spass und vielleicht sehen wir uns mal. Falk

  3. Uwe schreibt:

    Ralf, Du bist kein professioneller Leistungssportler. Das ist dann wie beim Fotografieren: Alles kann, nichts muss. In jedem Bereich gibts mal Hochs und Tiefs, und gerade bei Hobbies ist das Gute daran, das man eben auch mal schleifen lassen kann. Und wenn man gar keinen Bock mehr hat, hört man einfach auf. Also, mach Dich nicht verrückt.

  4. crixan schreibt:

    Was Falk schreibt, kann ich gar nicht genug befürworten. Wenn ich mir das anschaue, wie oft über Verletzungen, Schmerzmittel und jeglich Form von Antreiberei in Bloggs und Foren geschrieben steht, dann glaub ich bald, daß die wenigsten nachspürend-entspannt trainieren können oder wollen. Ständig spukt eine Bestzeit, ein Trainingsplan oder Leistungsvergleich im Kopf herum. Generation Stress – oder was?

    • Ralf schreibt:

      Dann Antrieb ist schon ein klein bisschen Stress, aber genau den brauche ich und das Training selbst ist sehr entspannend (für den Geist) und macht Spaß. Leistung vergleiche ich z.Z. nur mit mir selbst.

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