Mein erstes Mal

Ja, das ist hier immer noch ein Laufblog! Stadtlauf Dresden stand auf dem Programm. Den bin ich auch schon mal gelaufen und auch die Halbmarathonstrecke habe ich schon im Wettkampf bezwungen, aber ich bin noch nie im Regen gelaufen. Mal ein bisschen Niesel, aber so richtig Regen – never. Ich mag kein Regen, ich fahre auch nicht Fahrrad im Regen – ein Schönwetterguss wäre okay, aber so richtig mit Trübe-Tasse-Wetter Wind, kalt – nee das brauche ich nicht. Das schaue ich mir gern an aus dem warmen Wohnzimmer, aber mehr auch nicht. Eis und Schnee sind in Ordnung, aber nicht so was. Naja, sei es drum, ich war ja angemeldet also würde ich auch starten. Oder? Ich war mehr als schlecht vorbereitet. Vor drei Wochen hatte ich keine Lust, dann war ich eine Woche verletzt, der Frühstückslauf letzte Woche war zwar sehr schön, tat meinem Fuss aber gar nicht gut und so bin ich auch diese Woche keinen Kilometer gelaufen. Es gab also in den letzten 21 Tagen nur diesen Frühstückslauf und auch davor habe ich nach meinem Marathon nicht mehr wirklich viel ordentliches gemacht. Die schlechte Vorbereitung ging aber noch weiter – die Woche war arbeitsmäßig ziemlich stressig und so habe ich es permanent vergessen meinen Wasservorrat aufzufüllen, statt geplanter 3 Liter am Tag war es öfters nicht mal einer. Und um das ganze noch weiter zu steigern war gestern auch noch Junggesellenabschied von einem Bekannten. Da war ich aber halbwegs mal ordentlich in der Vorbereitung, hatte vorher gut Kohlenhydrate gegessen, hab ihn schön klettern lassen, es selbst aber nicht übertrieben und hab mich dann nach 3 Bier gegen 19 Uhr verabschiedet. Zu dem Zeitpunkt fing es an sich in Dresden einzuregnen. Die Pastaparty bot bei dem Wetter leider auch ein erbärmliches Bild – es war kaum jemand da. Zu Hause machte ich noch die angebrochen Weinflasche nieder, statt an meinem Wasserhaushalt zu arbeiten und ging dann aber sehr zeitig ins Bett – nicht ohne noch gefühlte 100mal auf verschiedenste Wetterberichte zu schauen. Aber überall gab es einfach nur Regen. Sachen hatte ich mir auch noch nicht zurecht gelegt, ich wusste eh nicht, was ich anziehen sollte.

Irgendwie war mir das alles egal. Eigentlich wollte ich ja Bestzeit laufen, die 1:45 h knacken, was ich in Berlin nicht geschafft hatte, aber bei der Vorbereitung würde es wohl schwer werden. In Berlin war ich ja immer wieder behindert worden und kam so nicht richtig in den Laufrhythmus, deshalb sollte die Bestzeit eigentlich drin sein, aber nicht nach der Vorgeschichte und dann noch bei dem Wind. Ich wollte es einfach probieren mit den 5:00 Min/km und wenn es nicht mehr geht, würde ich halt aussteigen.

Ich schlief ziemlich gut, war aber schon knapp 2 Stunden vorm Weckerklingeln wach. Da löste sich auf einmal die Kleiderfrage, zumindest hatte ich jetzt eine Option. Ich würde unter das Stadtlaufshirt einfach noch ein enges und langes (rutscht nicht hoch) Singlet anziehen. Damit müsste ich keine Brustwarzen abkleben und der Körperkern würde warm bleiben und auf den Armen hätte ich keine nasse schwere Jacke. 3/4-Tights und Schuhe (Nike Lunarglide) standen eigentlich nie zur Diskussion. Müsli, Duschen, Kaffee – so richtig wollte mich nix aufmuntern und ich wäre schon irgendwie gern wieder ins Bett gegangen. Ich packte dann meine Tasche – noch ein paar Optionen falls ich mich kurzfristig anders entscheide und da war auch Regenjacke und Mütze mit dabei (wäre gut, weil ich Brillenträger bin) – und machte mich dann irgendwann mit dem Auto Richtung Innenstadt auf. Kleiner Fussmarsch über die Elbe und ich war im Start-/Zielbereich. Diesmal genoss ich richtig, das BMW-Privileg mit Extra-Umkleide und Klamottenangabe, denn das war deutlich näher am Start als die offiziellen Umkleiden. Also Umziehen, Outfit blieb wie gedacht, aber erstmal noch ergänzt mit Regenjacke und Mütze. Übrigens war es in der Zeit mal ziemlich ruhig vom Himmel. Daher war nach dem Einlaufen (sehr kurz) klar, dass ich Jacke und Mütze noch abgebe.

Pünktlich in der Startaufstellung fing es dann wieder an zu regnen, alle wollten am liebsten gleich los, lieber laufen als im Regen rumstehen und auskühlen. Nach gefühlten Ewigkeiten, waren die Reden durch und vor allem auch die Streckenfreigabe erteilt, so dass es losgehen konnte.

Schuss und ab. Es staute sich an der Startmatte, ganz ruhig, dann geht es auch für mich los. Die Strecke ist doch voller als ich dachte (die 10 km-Läufer und Halbmarathonis sind zeitgleich gestartet). Trotzdem geht es gut, man soll ja auch nicht zu schnell angehen, eine Behinderung nehme ich als natürliche Bremse für mein Tempo gern an. Nach reichlich einem Kilometer auf dem Terassenufer hat es sich dann schon gut aussortiert und man kann gut sein Tempo laufen. Der Regen fühlt sich gar nicht so schlimm an. Es läuft. Bei km 3 tritt neben mir einer dermaßen in die Pfütze so dass ein großer Schwall oben in meinen Schuh läuft. Ich suche mir dann eine Pfütze für den rechten Schuh, damit die Füsse wenigstens gleichmäßig tief im Wasser stehen. Oh – das könnte Blasen geben. Mein Puls ist zwar etwas hoch – ich pendle um die 170 (ich sollte mal meine Schwelle neu bestimmen lassen), aber es läuft. Durch die einzelnen Schlaufen wechseln sich Rücken- und Gegenwindpassagen auch gut ab. Immer wieder muss ich mich etwas bremsen, aber dadurch fühlen sich die 5:00 Min/km auch schön locker an. Brav nehme ich jede Wasserstelle mit, auch wenn ich bis auf einmal nie das Gefühl habe, es wirklich zu brauchen. Bei km 8 bin ich dann auf einmal allein im Gegenwind 10 m vor mir Luft und auch hinter mir. Aber gleich geht es ja auch in die andere Richtung weiter. Als sich kurz vor km 10 die Strecke teilt und die Halbmarathonis auf die zweite Runde gehen, bin ich doch sehr überrascht, wer so alles schon ins Ziel abbiegt. Jetzt wird es luftig auf der Strecke. Pfützen sind mir mittlerweile egal, wenn sie auf der Ideallinie liegen, dann geht es halt einfach durch. Wenn ich so an mir runterschaue, wundere ich mich, dass mir nicht bitterlich kalt ist. Alles ist durchnässt und ich laufe hier schon eine Stunde durch die Gegend. Die Idee mit dem Unterziehshirt hat sich als absolut ideal erwiesen. Ab und an wünsche ich mir ein paar Handschuhe, wenn ich dann dran denke, dass die aber auch nass wären, dann will ich die auch wieder nicht. Bei km 12 Zeitkontrolle, ich liege 1:20 Min vor meinem Plan, aber es fängt an schwerer zu werden und der Puls steigt. Ich brauche aber auch den Vorsprung vor dem 5:00 Min-Plan, denn schließlich kommen am Ende noch ein paar Meter nach den 21 km und ich will nicht wieder 9 Sekunden über 1:45 h sein. Also weiter, ganz ordentlich laufen – km 13, km 14, km 15 – ich mache keine Sekunde mehr gut, immer noch bin ich bei 1:20 Min „Vorsprung“. Nach km 16 – die vor einem liegenden Läufer kommen entgegen – sieht mich Bernd. Nur gut, dass ich ihn nicht vor dem Start gefunden hatte und mich an ihn drangehangen habe, das wäre zu schnell geworden. Bevor ich an der Wende bin, will ich jemand vor mir haben, denn dann geht es gut 3 km in den Gegenwind. Hab ich auch, aber leider muss ich den viel zu früh passieren, wenn ich mein Tempo halten will. Nicht viel später passiert aber das, was mir den Lauf rettet, es taucht jemand an meiner Seite auf, wir sprechen kurz, ob wir uns die vorher noch schnappen wollen, mir ist eigentlich nur die Zeit wichtig und dann laufen wir schön nebeneinander her und quälen uns gemeinsam durch den Wind. Wenn der eine etwas nachläßt, zieht der andere wieder. Herrlich. (Leider habe ich ihn im Ziel nicht mehr gesehen, deshalb hier: Danke) Es wird noch anstrengender. Ein Schnellerer überholt uns und ich bin meinen Begleiter los, ich lasse sie ziehen. Es sind noch gut 2 km bis zum Ziel und meine Muskeln werden härter. Das 20 km Schild verpasse ich irgendwie. Zu einem richtigen Endspurt bin ich nicht mehr fähig, es ist komisch, mein Puls geht auch wieder 2-3 Schläge runter, aber ich kann einfach nix mehr nachlegen. Kurz vor der Ziellinie noch ein paar Anfeuerungsrufe, damit gehen die letzten 20 m doch noch etwas forscher. Ziel. Unter 1:45 h – genau sehe ich es nicht – Bestzeit. Wunderbar.

Nur irgendwie kommt keine richtige Freude auf. Es dauert ewig, bis ich meinen iPod ausgeschaltet bekomme – der reagiert da etwas empfindlich auf Nässe. Erst ein Bekannte, die mich getroffen hat, kann mir mit einem trockenen Tuch weiterhelfen. Banane, Riegel, nur ein Becher Wasser, das obligatorische Erdinger und dann schnell umziehen. Warme Klamotten. Ich suche noch ein paar Leute, treffe diesmal aber kaum jemand. Na dann, ab zum Auto, bei dem Wetter will ich hier nicht länger bleiben. Auf der Strecke kommen so ziemlich die letzten Leute vorbei, mein Daumen bzw. Klatschen hilft dem einen oder anderen scheinbar über die nächsten Meter. Aber es ist erstaunlich – ich sehe keinen der geht!

Fazit: Optimal eingeteilter Lauf, Nässe läßt sich aushalten, aber Freunde macht es mir nicht und so ist auch nach der Badewanne mir die neue persönliche Bestzeit noch irgendwie egal. Aber ich bin schon froh, dass ich gelaufen bin und nicht im Bett geblieben.

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5 Antworten zu Mein erstes Mal

  1. Bernd schreibt:

    Schön geschriebener Laufbericht, aber tröste Dich, auch bei mir kam heute keine richtige Freude auf. Sogar meine Tochter, die auf der 10 Km Strecke unterwegs war, bemängelte meine Motivation. Trotzdem toll, dass Du bei dem Mistwetter eine neue Bestzeit gelaufen bist.

  2. Andreas schreibt:

    Glückwunsch zur Bestzeit! Und das bei der Vorgeschichte und den Wetterbedingungen! Nun stell dir mal vor, wie schnell du demnächst sein wirst, wenn alle Rahmenbedingungen optimal sind…

  3. ultraistgut schreibt:

    Sag ich doch, das macht NUR der Regen – Glückwunsch zur neuen PB, solltest öfter im Regen laufen ! 8)

  4. SilberLäufer schreibt:

    Jetzt weisst du, wie du dich das nächste Mal zu einem Laufevent einstimmen musst. Die „Keinen-Bock-Stimmung“ mit ein paar Bierchen hinunterschwemmen – und schon gehts! GRATULATION zur Bestzeit!

  5. Matthias schreibt:

    Es ist schon erstaunlich, wie die äußeren Umstände das persönliche Empfinden dermaßen beeinflussen können! Trotzdem oder gerade deshalb mal wieder ein toller Bericht!

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