Frühstückslauf(-treff)

Nachdem ich gestern von meiner Radausfahrt kam, sah ich zu, dass ich so schnell wie möglich meinem Fuss frische Luft gönnte, damit die Wunde weiter abtrocknen konnte. Der Arzt hatte ja gesagt, wenn Schorf drauf ist darf ich und ich wollte doch heute unbedingt laufen. Die Laufszene Sachsen lud zum Frühstückslauf im Rahmen des Dresdner Elbhangfestes ein.
Es sollte ein großer Lauftreff werden, sprich einfach den Lauf und das drumherum aufsaugen und somit gab es natürlich auch keine Zeitnahme. Der Spaß und das Treffen stand im Vordergrund.

Kurz vor 7 Uhr war ich wach und auch sofort aus dem Bett, denn 7 Uhr startete auch der nächste Teil der Übertragung des 24h-Rennens am Nürburgring. In den Werbepause schaute ich mal vorsichtig nach draußen – Nieselregen und 14 Grad. Sah irgendwie nicht so einladend aus – um Schorf auf meiner Wunde zu sehen, musste man auch ein Auge zudrücken. Auch nach meinem kleinen Frühstück sah es nicht besser aus, aber ich war angemeldet und würde ein paar nette Leute treffen und wohl auch viele neue Leute, denn im Vorfeld war schon was von Anmeldezahlen über 100 zu hören. Die Teilnahme war – bemerkenswert bei den ganzen gebotenen Leistungen – kostenlos. Mit der Anmeldung bekam man freien Eintritt auf das Elbhangfest, Gepäcktransport, Fahrradtransport oder Busshuttle zum Ausgangsort – hervorragend.

Also riss ich mich zusammen und machte mich auf dem Weg zum Startort – mit meinem normalen Crossbike. Ich war überrascht wie leicht sich das im höchsten Gang auf einmal treten ließ. An der Waldschlösschenbrücke sah man noch tief hängend Wolken über dem Blauen Wunder. Am Start angekommen reihte ich mich in die Schlange zur Startnummernausgabe im Vorraum einer Schulen ein und das war die pure Sauna. Die Luftfeuchtigkeit war immens hoch. Spätestens da beschloss ich, meine Regenjacke abzugeben und im T-Shirt zu laufen.
Ich traf ein paar Leute, Gespräch da und dort und dann sollte es mit etwas Verzögerung losgehen. Die Verzögerung war durch die Vielzahl der Leute und dem Gepäck einladen geschuldet, es kamen über 200 zusammen.

Im Startareal ordnete ich mich relativ weit vorn ein, verabredete mich aber mit niemand dazu gemeinsam zu laufen. Ich würde ja sowieso sehen müssen, was so geht. Eingelaufen habe ich mich auch nicht, war ja als Lauftreff gedacht. Kurz vorm Startschuss sagte ich mir dann, Halbmarathon-Renntempo wäre keine schlechte Idee für die ca. 7,5 km.
Schuss und los. Keiner schoss wirklich so richtig los – vor den Läufern fuhr auch ein Auto mit Musik vorweg. Vorn war es luftig, aber richtig zurückfallen lassen wollte ich mich auch nicht. Also einfach weiter. Ich überholte ein paar Leute und suchte mir immer einen Begleiter oder ein nettes Hinterteil. Es sortierte sich aus. Nach 1 km piepste die Uhr (Angaben auf der Strecke gab bei einem Lauftreff natürlich nicht) und zeigte 5:00 Min/km – genau im Plan. Ich lief dann eine Weile mit Reinhardt zusammen und wir unterhielten uns. Nach einer Weile hatte ich aber das Gefühl, dass er lieber etwas langsamer wollte und die Lücke zu einer Gruppe vor uns wurde immer größer, als habe ich einen kleinen Zwischensprint eingelegt, ihn stehengelassen und war an der Gruppe dran. Und spätestens ab dann war es Freude pur. Vor der Gruppe liefen ein ganzes Stück entfernt – kaum noch in Sichtweite – die zwei Spitzenreiter und dann diese Gruppe, bei der wohl alle dachten, man kann einen Lauftreff auch zügiger gestalten. Der zweite Kilometer war nach 4:36 vorbei, der dritte nach 4:33. Die Gruppe wurde kleiner – es fielen einige nach hinten weg – aber immer gruppendynamischer, einmal führte der, einmal der und ab und an auch die schnellste Frau, die noch dabei war. Km 5 war nach 23:11 erreicht und dann sortierte es sich nochmal aus. Es ging mittlerweile eine ganze Weile bergan. Zwei Leute setzten sich nach vorn ab, denen folgte noch ein einzelner. Was hinter mir passierte – ich war mittlerweile Zugpferd – bekam ich nicht genau mit, aber wir waren irgendwann wohl zu dritt. Die Schnellste Frau und noch ein laut schnaufender Kollege waren dabei. An einer kleinen weiteren Steigung überlegte ich mir, mich des Geräusches hinter mir zu erledigen und gab mal nur 10 m etwas mehr Gas und siehe da mit so einem kleinem Antritt hätte ich mir gleich Luft verschaffen können, aber ich stellte es schnell wieder ein und die beiden schlossen wieder zu mir auf. Als es dann aufs Schloss Pillnitz zuging und die Uhr zum siebten Mal piepte zogen beide an mir vorbei und waren wohl froh, über einen guten Zugläufer. Jetzt versuchte ich dran zu bleiben und es trieb mich wirklich vorwärts, ich wollte einfach nicht abreißen lassen. Es war ein wunderbares Spiel mit dem Tempo. Keiner wusste wohl aber so richtig wo das Ziel ist und so konnte ich mir den Läufer wieder schnappen und auch bis zum Ziel hinter mir halten. In der Zielkurve sah ich Frau Stammhelferin, wir grüßten uns und ich fand es wunderbar als Siebenter ins Ziel zu laufen, die Frau lief leider 2 m vor mir ins Ziel. Obwohl leider, ich gönnte es ihr, es war einfach so schön mit den Leuten sich gegenseitig vorwärts zu treiben. Zur Streckenlänge sagten verschiedene Uhren sehr differnziertes aus – laut meiner waren es 7,68 km in ca. 35:30 – ich drückte erst ein paar Sekunden nach der Zielankunft auf Stopp.

Im Ziel wartete reichlich gute Verpflegung der Bäckerei Wippler. Noch ein paar nette Gespräche und viele strahlende Gesichter. Ich war klatschnass (geschwitzt – Regen gab es direkt während des Laufes nicht) und wollte meine Sachen. Dort war zu der Zeit noch kein Betreuer und so machten wir zu dritt – die wir dort ankamen – ein bisschen Eigeninitiative. Ein Tick ungutes Gefühl hatte ich dabei – da in meinen Sachen auch Schlüssel, Autoschlüssel und Handy waren. Das ist auch so ein kleiner Kritikpunkt – bei der Menge von Leuten sollte dann das Gepäck wohl auch markiert sein. Aber zumindest bei mir ging alles gut. Dann gab es doch noch einen Regenschauer, aber als ich mich auf den Rückweg – wieder läuferisch – machte, war der auch schon fast wieder Geschichte. Nach 7 km war ich am Ausgangsort, schwang mich auf mein Rad und heim.
Dort angekommen merkte ich doch die Belastung für meine Wunde und so habe ich jetzt wieder ein Kühlpad am Fuss.

Fazit: Für mich einer der – wenn nicht gar DER – wunderschönsten Läufe meiner (noch immer kurzen) Laufkarriere. Es war herrlich so mit der Geschwindigkeit zu spielen, die Gruppenarbeit und während des Laufes seine eigene Platzierung zu kennen 🙂 Gern wieder.

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2 Antworten zu Frühstückslauf(-treff)

  1. Pingback: Elbhangfest 2011 – Weniger Gäste, viel Engagement und schlechtes Wetter « Der Glasperlenspieler

  2. Din schreibt:

    Das hört sich wirklich wunderbar an und genau solche Läufe sind es doch, die uns Läufer immer weiter machen lassen. Schöner Bericht 🙂

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