Einmal Marathon und zurück

Mit Läufe in den Morgen legen war diese Woche erstmal wieder nix, sondern es war erneut Laufpause angesagt. Ich hatte mir am Wochenende die Fusssohle aufgeschnitten. Erst gar nicht weiter drüber nachgedacht, aber die Wunde entzündete sich und wurde am Dienstag von Stunde zu Stunde dicker. Ich bin dann zum Arzt und der hat mir richtig Angst gemacht. Mein Tetatnus-Schutz war mehr als überfällig, also gab es nicht nur den, sondern auch das Gegengift. Antibiotika und ich sollte den Fuss möglichst ruhig halten. Absolutes Bewegungsverbot, ich durfte also nicht nur nicht laufen, sondern auch mein neues Rad stand erstmal nur zu Hause rum. Den nächsten Tag schleppte ich mich ein bisschen fertig von der Spritze durch den Tag mit permanentem Kühlpack am Fuss rum. Donnerstagfrüh hatte ich dann schon das Gefühl, dass das Pochen in der Wunde weg war. Am Nachmittag dann erneut Arzttermin und da war fast ein Wunder passiert. Die Wunde sah sehr gut aus. Schwellung war weg, der dicke Verband kam ab und ich bekam nur noch einen kleinen Jod-Pflasterverband. Radfahren dürfte ich vorsichtig wieder und morgen sollte ich das Pflaster abmachen und wenn dann Schorf auf der Wunde ist, ab da darf ich auch wieder laufen.

Mein neues Bike

Mein neues Bike

Die Genehmigung zum Radfahren musste man mir natürlich nicht zweimal sagen. Ab ging es nach Hause umziehen und rauf aufs Bike. Ich hatte mit einem Kollegen mittags gesprochen, er wollte Richtung Meißen und weiter fahren – auch meine Stammstrecke wenn ich mal mit dem Rad unterwegs war. Also noch genaue Strecke besprochen, Treffpunkt machten wir nicht aus, sondern er würde mich sicherlich dann irgendwann einholen. Die Fahrt war wunderbar. Ich hatte oft 30 auf dem Tacho stehen. Als ich mal richtig kurz durchzog, kam ich auch auf 45, aber das übertrieb ich nicht, denn während der Fahrt fiel der Entschluss, dass ich zukünftig mit Helm unterwegs sein werde – die Geschwindigkeiten sind dann doch höher. Ich erreichte Meißen, für mich Wendepunkt – ich wollte es ja wirklich nicht zu sehr übertreiben. Der Kollege hatte mich nicht. Als ich 2 Minuten wieder auf dem Rückweg war, gab es eine SMS „Meißen“. Mhm, wo haben wir uns denn verpasst? Ein paar SMS und Kilometer weiter – er war inzwischen auch gedreht, da eine Gewitterfront aufzog – stand fest, dass ich in Niederwartha warte und wir die letzten Kilometer dann noch gemeinsam fahren. Dort fuhr er dann auf einmal wie der Blitz vorbei. Kurz angerufen – er hatte meine letzte SMS nicht gesehen und versuchte mich allen Mitteln trotzdem zu erreichen. Die letzten 15 km ging es dann für mich deutlich zügiger, für ihn entspannt, weiter und ich kam dann doch noch ins schwitzen. Kurz nachdem ich zu Hause war, fing es an zu regnen, aber ich hatte sehr schöne 55 km in den Beinen.
Es ist schon krass, wir sind eigentlich beide fit, aber ich schlage ihn im Laufen um Welten und er mich im Radfahren. Allgemeine Fitness reicht also doch nicht, spezielles Disziplin-Training ist also absolut notwendig.

Bastei

Bastei

Am Freitag konnte ich mir dann noch die Klickpedalen und -schuhe abholen und heute wollte ich nun auf die nächste Ausfahrt. Schnell stand auch fest, was ich machen wollte. Die Strecke vom Oberelbemarathon und zurück. Ich wollte das schon lange mal machen, aber hatte dann doch ein bisschen Respekt von der Strecke, wollte evtl. mit dem Zug hinfahren… Jetzt trainiert und mit dem neuen Rad würde es natürlich komplett auf dem Rad abgespult werden. Also umziehen, diesmal mit Pulsuhr und los. In die Klickis komme ich heute schwierig rein, noch keine 500 m gefahren merke ich, dass da ja noch was fehlt – der Helm. Bis jetzt hatte ich den erst einmal auf – letztes Jahr beim Fahrradfest, aber ich bin jetzt eh im Sportoutfit, hab keinen Spiegel vor mir und so kann ich das Ding auch aufsetzen. Also nochmal umdrehen. Dann aber doch los. Es läuft gut, ich bin – wenn ich nicht ausweichen muss – konstanz bei 30. Aber jetzt habe ich auch Rückenwind – rückzu werde ich mich dann quälen müssen, mal sehen, was da für Geschwindigkeiten drin ist.
Bastei

Bastei

Mein Puls schwankt zwischen 135 und 145 – bei meinen langen Läufen bin ich bei ca. 149. Es ist schon anders, so mit dem Rad, immer wieder hat man kurz Erholungsphasen, bei engen Kurven, schwierigem Untergrund oder wenn es mal bergab geht. Dann sinkt der Puls gleich wieder. Zum Halbmarathon in Pirna fange ich dann an, zu spüren, dass es auch Training ist. Meist pendelt mein Tacho jetzt um die 28. Es macht einfach Spaß.
Die Schleife des Marathons durch Pirna spare ich mir und bleibe auf dem Radweg. Ein Radfahrer vor mir biegt auf einmal ohne Ankündigung links ab – Vollbremsung, Schlenker und vorbei. Da war mein Puls vor Schreck gleich hochgegangen. Weiter, jetzt wird es richtig schön, die Sächsische Schweiz fängt an. Als ich die Bastei sehe, mache ich einen kleinen Fotohalt, da man die von dieser Richtung viel besser sieht, eigentlich wollte ich Fotos erst auf dem Rückweg machen und hinzu einfach Training durchfahren.
Zwischendurch gibt es eine heikle Stelle. Es geht in einer ganz schmalen Unterführung durch die Bahnschienen und dort ziemlich kräftig bergan. Vor mir auf einmal ein Kind und eine Frau mit Kinderanhänger, die die komplette Breite einnehmen. Ich muss ganz langsam werden, schnell runterschalten und dann voll Bergfahrt, anhalten ist schlecht, jetzt ausklicken ist schwierig, da ich evtl. bei dem Vorgang schon zu langsam werde. Die Frau strengt sich an, ist durch, dann gibt sie doch auf und steigt ab, dabei zieht sie aber ganz leicht nach rechts und für mich geht die kleine Lücke auf, dass ich vorbei kann. Puh – das war knapp vorm Sturz. Mein Puls ist jetzt auch mal auf 155 gestiegen.
Der Wind weht im Elbtal irgendwie wie er will, aber hauptsächlich ist es schon Rückenwind. Nach reichlich 1:30 h stehe ich nach reichlich 43 km am Startbereich des Oberelbemarathons (Durchschnitt: 26,5 km/h). Ich halte an, erinnere mich ein bisschen, mache ein paar Fotos und ab geht es nach Hause.

Der Wind strengt ganz schön an. Ich fahre meist im Bereich der Durchschnittsgeschwindigkeit, aber jetzt bei einem dauerhaften Puls von 155. Am zweiten zu passierenden Bahnübergang habe ich diesmal Pech und muss warten. Dabei fällt mein Blick auf eine Tafel an der Gaststätte – „Radlermenu – Schnitzel auf Toast mit viel Salat und ein Radler“. Nach einigem Hin und her im Kopf – eigentlich will ich zum Start des 24-h-Rennens um 16 Uhr zu Hause sein – steige ich ab und esse. Ich hatte mir ja zwischendurch schon einen Supermarkt gewünscht, an dem ich mir ne Banane oder ein paar Riegel kaufen könnte. Hatte ich doch bis jetzt nur 2 Toasts gegessen.
Nach der Stärkung geht es weiter – insgesamt habe ich unterwegs viel zu wenig getrunken, aber das merke ich erst zu Hause so richtig. Irgendwann habe ich 60 km weg, dann 70, aber so langsam nervt der Gegenwind richtig und zerrt vor allem an den Nerven, aber auch körperlich merke ich jetzt etwas die Anstrengung in den Beinen. Ab und an gab es auf dem Rückweg auch einen kurzen Fotohalt. Das ist auf dem Rad echt gut, dass man in einer kleinen Tasche Handy, Geld, Kamera usw. mithaben kann. Beim Laufen nervt die Mitnahme von solchen Dingen viel viel mehr. Als ich den Fernsehturm sehe, freue ich mich echt. Dann noch vorbei am Elbhangfest auf der anderen Seite, weiter auf dem Weg vom Blauen Wunder zum Fährgarten Johannstadt, dort wo ich beim Marathon das Gehen angefangen habe. Elbseitenwechsel und dann sind es noch gut 3 km bis heim. Bei km 87 klicke ich die Schuhe vor der Haustür aus.
Jetzt erstmal wieder Flüssigkeitshaushalt ausgleichen und nun merke ich, dass die 3:30 h doch gut Energie gekostet haben, aber es war soooo schön und ein guter Ausgleich für den langen Lauf, wenn man nicht laufen darf. Jetzt pflege ich noch ein bisschen meine Wunde, damit ich morgen am Lauftreff teilnehmen kann.

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2 Antworten zu Einmal Marathon und zurück

  1. Vero schreibt:

    Der Monat Juni war bei dir genauso eine Flaute, wie bei mir.
    Aber jetzt nach einem Monat, wo ich nur 4x (!!!) lief und 2x schwamm, verspühre ich den Wunsch wieder zu laufen. Regelmäßig. Ralf, ich glaube ich schaffe den HM Ende Aug. nicht mehr in knapp 7,8 Wochen und werde den auf´s Frühjahr verschieben. Bin Ja von Mitte Sept. bis mitte Feb. in Krakau Auslandssemester machen (werde dort mich einer Laufgruppe anschließen am besten)… und den HM dann im April/Mai oder so laufen. Ich und meine Gelenke brauchen mehr EIngewöhnungszeit an die langen Strecke.

    Und wie geht es dir so mit dem Laufen? Hab nicht geschafft alles zu lesen, aber du scheinst jetzt Fahrrad zu fahren? Das Teil sieht toll aus und die Bilder sprechen auch für sich. Genau dieses Gefühl in der Natur ist auch der Grund, wieso ich wieder loslaufen möchte.
    EInfach loslaufen, ohne den Leistungsgedanken dahinter (erstmal ;-))

    Wünsche dir noch ein schönes WE. Liebe Grüße, Vero

  2. Ralf schreibt:

    Bei wurde nix, ich operiere noch ein bisschen an meinem Fuss und werde am Sonntag meinen Halbmarathon nach fast 3 Wochen Laufpause angehen.
    Ich bereite mich jetzt auf einen kleinen Triathlon vor. Koordiniertes Training wird es wohl erst wieder für den OEM 2012 geben.
    Du solltest Dich nicht stressen, einfach laufen, wenn es passt

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