Nach dem Marathon ist vor dem Marathon

Im letzten Post klang es ja schon dezent an 🙂 – ich werde wohl nochmal Marathon laufen. Schließlich will ich die 4-Stunden-Marke knacken. Da ich noch immer etwas Muskelkater habe, habe ich mir verboten bis gestern schon wieder zu laufen – auch wenn die Lust schon wieder groß ist – und regeneriere noch etwas und habe so etwas Zeit für eine Nachbetrachtung.

Laut Zielzeitenrechner hätte ich die 4 Stunden locker schaffen sollen und ich wollte es ja auch, also wird die Frage erlaubt sein, warum hat es nicht geklappt, habe ich evtl. was falsch gemacht – beim Rennen und bei der Vorbereitung. Was würde ich das nächste Mal anders machen – grob gesagt: nix. Ich muss mich nur mal ein bisschen zurückerinnern. Der Entschluss Marathon zu laufen ist aus der mehr als idealen Vorbeitung und Form für die Vorbereitung meines ersten Halbmarathons entstanden. Das war mein Jahresziel 2011 – HM unter 2 h. Dieses Ziel habe ich in der Marathonvorbereitung pulverisiert. Als ich mich entschied auf den Marathon zu gehen stand sehr zur Diskussion, ob ich überhaupt die Strecke schaffe – ich hatte bis dahin nur drei Läufe über 20 km auf meinem Konto. Zwischenbemerkung: Ehrlich gesagt ist mein Marathon durch die Gehpausen auch nicht ordentlich geschafft, so im Kopf. Als ich im Training mal abbrechen musste, habe ich mich auch noch irgendwie heimgeschleppt und dann eine hohe km-Zahl stehen, aber das war nicht so ein langer „Lauf“. Nach meinem Laktattest (im Herbst) gab es eine mögliche Marathonzeit von 4:13 h. In meiner Laufplanung habe ich stehen „Marathon – finishen – gern unter 4:15 h“. Wirklich richtig zugetraut – wo ich nicht so sehr Angst/Respekt vor dem Marathon gehabt hätte – habe ich mir einen Pace von 6:00 Min/km. Alle diese Ziele habe ich erreicht, also ist überhaupt nix schief gelaufen! Und es fühlt sich auch absolut nicht so an, ich bin noch immer megaglücklich.

Nur weil die Vorbereitung also scheinbar gut lief, kam ich auf die Idee, die 4-h-Marke zu brechen und nur das hat nicht geklappt. Es geht also bestenfalls um Detailfragen.
Zum ersten wäre da die immense konzentrierte Leistungssteigerung. Vor einem Jahr war ich froh 5 km überhaupt laufen zu können. Das Jahr über plagte ich mich mit Schmerzen im Knie, dachte schon das Laufen ganz aufgeben zu müssen und bin eigentlich erst seit August letzten Jahres wirklich regelmäßig gelaufen. Die Steigerung kann man gut an meinen Monatskilometern sehen ab Juni 2010 – 12, 5, 33, 93, 62, 136, 164, 209, 259, 287, 237. Es ist bestimmt etwas anderes, wenn man schon eine Weile länger läuft, der Körper sich schon – zumindest an mittlere Belastungen – angepasst hat und dann für einen Marathon trainiert. Also habe ich eigentlich das Ziel etwas zu zeitig gewollt – das war mir aber auch bewusst und der nicht guten Möglichkeit der Vorbereitung für einen Herbstmarathon geschuldet.
Wahlloser Trainingsplan könnte man evtl. auch als Fehler nennen, aber ich finde meinen Trainingsplan im Nachhinein eigentlich wunderbar und würde ich in der Situation wieder nehmen – für einen weiteren Marathon passt es dann aber nicht mehr ganz. Ich bin in diesen langen Plan (26 Wochen) aus dem Nike-Portal nicht ganz am Anfang eingestiegen und habe so die Phase von dreimal die Woche Training auf viermal und dann auf fünfmal übersprungen und bin gleich von dreimal auf fünfmal gewechselt. Das war nicht so optimal, aber sonst gibt der Plan nur Kilometer vor (gefällt mir) und nur selten die Art des Trainings. Man hat also noch einige Freiheiten. In diesen Wochen bin ich über 1.300 km gelaufen. Also der Umfang stimmt auch. Trainingsplan scheidet für mich somit als Ursache aus.
Die langen Läufe. Ich habe eigentlich genug davon gemacht (6mal über 30 km). Für mich und mein Kopf würde ich das nächste Mal aber einen Lauf noch länger als 36 km einbauen. Diese Unbekannte der Strecke an sich hat mich Energie gekostet und ich habe in den Trainings auch gemerkt, ob ich 34 km oder 36 km gelaufen bin. Auch habe ich nach dem einen Scheitern im Wald die langen Läufe alle im ebenen Gelände absolviert. Ich würde das nächste Mal Höhenprofil drin lassen.
Und daran schließt sich gleich das nächste Thema an. Ich würde den letzten langen Lauf und damit den Start des Tapering etwas kürzer vor das Rennen legen – also 3 statt 4 Wochen reduzieren. Das ist aber mehr für den Kopf. Das Tapering also solches war gut.
Beim Rennen selbst gibt es auch an sich nix auszusetzen. Gut wäre es, wenn ich an der einen Getränke-Station den Becher über den Kopf nicht vergessen hätte. Außerdem hätte man 2 km eher Tempo rausnehmen sollen, wenn es anfängt schwer zu gehen (aber das sagt sich leicht im Nachhinein) und ich hätte mich evtl. noch etwas mehr quälen sollen und die Gehpausen länger vermeiden sollen. Aber auch da verklärt wahrscheinlich die nachträgliche Betrachtung.
Ob ich mit aufgebrauchten, aber für den Kopf guten Schuhen oder mit noch perfektem Schuhwerk laufen sollten, weiß ich auch im Nachhinein nicht zu beurteilen. Meine Zehen schmerzen katastrophal und ich habe jede Menge Blasen, aber im Rennen habe ich davon fast nix mitbekommen bzw. hat mich überhaupt nicht gestört, also hätte es wohl auch nichts verbessert.
Mein anvisiertes Tempo finde ich auch im Nachhinein völlig in Ordnung und ich kann mir vorstellen, dass es mir genauso ergangen wäre, auch wenn ich mit 5’40″er Pace gelaufen wäre.
Übrigens: Meine beiden Krankwochen Ende Januar und zwei Wochen vorm Rennen fand ich nicht schlimm, sondern eher gut, um mal komplett zu regenerieren. Gerade im Januar hätte ohne die Krank-Auszeit mich mein Ehrgeiz evtl. ziemlich böse Wege gehen lassen, so mit Schmerzen ignorieren etc.
Bei der Leistungssteigerung am Anfang hatte ich auch echt ein paar körperliche Probleme – den regelmäßigen Lesern sind die nicht verborgen geblieben 🙂 – aber im Rennen selbst war ich dann einfach nur fertig. Ich hatte mich im Tapering gut erholt und habe im Rennen auch keine gesundheitlichen Probleme bekommen – Asthma war (gerade noch) okay, Knie und Sehnen waren hervorragend, ich war nur insgesamt erschöpft.
Insgesamt bleibt zu sagen, dass ich denke keines dieser kleinen Details hätte mir an diesem Tag wirklich die 4 Minuten gebraucht, um unter die 4 Stunden zu kommen, aber ich finde das auch nicht schlimm, sondern bin stolz auf mich und so habe ich noch ein tolles Ziel.

Aber ich habe ja gesagt, ich will nochmal und so geistert schon ein bisschen in meinem Kopf wann und wie und wo. Für den Dresden-Marathon im Herbst ist das halt so eine Sache mit der Vorbereitung, die kann ich über den Winter einfach optimaler gestalten, außerdem habe ich Lust an einigen Läufen nur so teilzunehmen und das dann nicht in einen Trainingsplan einbauen zu müssen. Da die Strecke des OEMs mit etwas Profil und der Windproblematik auch mit topfebenen Rundkursen nicht zu vergleichen ist, ist ein würdiges Schlagen der 4-h-Marke eigentlich nur an genau der gleichen Stelle möglich. Es gibt aber auch andere schöne Marathons. Evtl. könnte man ja Spreewald oder Leipzig einfach nur als langen Trainingslauf absolvieren. Wir werden sehen.

Gefreut habe ich mich auch, dass sich mein Marathon, trotz ziemlich Verfehlung der prognostizierten Zeit, gelohnt hat und ich beim Brooks Paceproheten noch einen kleinen Preis abräumen konnte.

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4 Antworten zu Nach dem Marathon ist vor dem Marathon

  1. mlange99 schreibt:

    Da hat aber jemand Blut geleckt! Du hast alles richtig gemacht, also mach dir mal keine Gedanken. Gerade bei der Hitze muss man die Distanz erstmal packen und das hast du ja toll hinbekommen. Glückwunsch von uns auch noch nachträglich zu deinem Finish! Bleib dran!

    Gruß Marek von den Running Twins

  2. Björn schreibt:

    Bomben Leistung! Nicht zu vergessen bei den Temperaturen. Und die ganzen Kleinigkeiten sind eben die Erfahrungswerte, die man beim Ersten gewinnt. Die Erkenntnis bleibt, das unter 4 Stunden dicke drin sind beim nächsten Mal. Herzlichen Glückwunsch und Spaß bei der Vorbereitung auf den nächsten Marathon!

    Interessanter Punkt mit den Zwangspausen. Oft liest man, dass die sogar helfen. Vielleicht, weil man weniger verkrampft. Könnte man es planen, müsste man mal kurz vorm Tag X einen kleinen Infekt einbauen 😉

  3. -timekiller- schreibt:

    Servus,
    also mit dem Hintergrund, dass Du erst seit einem Jahr regelmäßig läufst, läßt Dein Ergebnis beim Marathon in einem ganz anderen Licht erstrahlen. Das muss Dir erstmal einer nachmachen…

    Also mache Dir nicht zuviel Gedanken über „hätte“, „wäre“, „wenn“. Viele Läufe werden im Kopf entschieden, die Niederlagen leider auch.

    Grüße -timekiller-

  4. Andreas schreibt:

    Ich finde, du hast das ganz gut in der Nachbetrachtung zusammengefasst: es gibt keinen Grund betrübt zu sein, du hast alles richtig gemacht! Beim ersten Mal geht es ausschließlich um das Ankommen, ab dem zweiten schielt man auf die Zeit. Also: beim nächsten Mal packst du die 4-er-Marke locker!

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