Psychobelastungstraining

Irgendwann ist immer das erste Mal und so war es gestern bei mir das erste Mal (bis auf meine allerersten Anfänge und die Lauftreffs), dass ich ohne Musik auf den Ohren unterwegs war. Es tat gut, soviel vorweg.

Die Woche war einfach vom Kopf her ziemlich belastend. Am Dienstag konnte ich mich früh nicht so richtig durchringen, ich fühlte mich noch nicht richtig fit, es war kühl und so musste ich mich nach Arbeit überwinden, die Laufschuhe anzuziehen. Das ging dann aber ganz gut. Dann am Mittwoch aber doch gleich früh raus, da ich am Donnerstag Tempolauf auf dem Programm stehen hatte und da nicht wieder nur eine Nacht zur Erholung haben wollte. Der Tempolauf sollte über 6,5 km gehen in einem reichlich 12 km Lauf eingebettet. Ich fühlte mich immer noch nicht richtig fit und überlegte schon ihn zu verschieben, ausfallen zu lassen oder oder oder. Letztendlich bin ich aber doch los und es war dann auch ganz gut, aber ich war ziemlich fertig.

Freitag hieß es dann meinen Vater bei der Kur besuchen und am Wochenende wollte ich dann meiner Mutter im Garten ein bisschen helfen. Die musste ich dann aber abends auch ins Krankenhaus bringen. Um 10 Uhr sollte ich anrufen, was wird. Auf den Plan standen 4,8 km – die gleich früh laufen oder doch abends oder ausfallen lassen? Mittlerweile hatte mir die ganze Situation ziemlich auf den Magen geschlagen und mir ging es selbst nicht mehr gut. Ich raffte mich aber auf und absolvierte meine Strecke. Ich lief aber irgendwie wie neben mir. Nur gut, dass es einen Plan gab, so wusste ich, was abzuarbeiten ist. Der Lauf war komisch und ich war eigentlich nur froh, dass ich es hinter mir hatte und wieder ein Klo.
Danach gab es den nächsten Gong – Todesnachricht von meinem Großonkel. 5 Minuten später stand auch fest, dass meine Mutter drinnen bleiben sollte und ich ihr ein paar Sachen bringen. Gesagt, getan.
Dann habe ich irgendwann die Gartenarbeiten gemacht, nicht ohne nochmal bei ihr gewesen zu sein, weil mir diverse Schlüssel fehlten. Aber irgendwann war ich dann in der elterlichen Wohnung und nach einem Fernsehfilm, den ich auch nur so halb mitbekam, verzog ich mich ziemlich zeitig ins Bett.
Ich überlegte die ganze Zeit, ob ich den langen Lauf (19 km) auch bei meinen Eltern absolvieren sollte oder wie geplant zeitig nach Dresden fahren und dort laufen oder weil es mir selbst nicht so gut ging, ihn auf Montag verschieben. Da sollte aber das Wetter schlechter werden. Ich war ziemlich hin und hergerissen. Mir war die ganze Marathon-Sache gerade ziemlich egal. Aus der erhofften Entlassung wurde nix, aber das fand ich gar nicht so schlimm, denn so konnte ich sie in guten Händen wissend, beruhigt nach Dresden fahren.

In Dresden angekommen, zog ich mir – es war sehr warm – luftige Laufklamotten an und es war diesmal total klar, dass der iPod nur als Tracking-Gerät mitkommt, aber ich ohne Musik laufen würde. Zuviel ging mir im Kopf rum. Was soll ich sagen. Die 19 km waren herrlich. Puls und Tempo waren nicht top, aber okay, mein Kopf wurde von Kilometer zu Kilometer klarer und mein Bauch rebellierte auch nicht mehr. Endlich mal wieder ein bisschen Zeit für mich und die tat richtig gut und baute auf. So leicht und kurzweilig habe ich wohl selten 19 km hinter mich gebracht. Gute Erinnerung, wenn ich in 2 Wochen bei km 23 bin. Und so hat wohl auch diese Woche ihr Gutes zur Vorbereitung.

Wochenbilanz: 5 Trainings, 4:55:43 h, 53.50 km, Durchschnittsgeschwindigkeit: 5’32″/km, 3626 kcal, Durchschnittspuls 150

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6 Antworten zu Psychobelastungstraining

  1. Veronika schreibt:

    Genau das meinte ich. Nach besch*ssenen Tagen und Nachrichten, braucht man einfach Ruhe, Abschalten und Ent-stressen, und das geht hervorragend beim Laufen. Mittlerweile laufe ich nur noch ohne Musik, weil sie mich aus der Ruhe und dem Rhytmus bringt, außerdem ist mein MP3-Player kaputt 😉

    Und du hast den Schweinehund nicht siegen lassen. Auch in schwierigen Momenten bist du einfach „losgelaufen“ – dein Motto.

    Wann ist es für einen Anfänger, also wie mich, sinnvoll, auch Tempoeinheiten, also die Schnelligkeit zu trainieren? Dauert das noch? Sollte ich weiterhin auf den Puls achten und die „Grundlagenausdauer“ trainieren…Deine „lockeren“ Pace-Zeiten sind bei mir Sprinttempo.
    Einen schönen letzten freien Tag

  2. Ralf schreibt:

    Ich denke schon, dass ich weiterhin mit Musik laufen werde und gerade beim Wettkampf kann ich damit auch gut Tempo steuern und mich pushen. Aber es gibt halt auch Tage, da will man seine Ruhe. Als ich die Generalprobe abgebrochen habe, war auch die erste Handlung die Ohrstöpsel rauszuziehen, ich wollte nix mehr hören.

    Das Loslaufen ist immer wieder das Entscheidende – danach wird es schon und alles wird meist gut und um so mehr man sich Überwinden muß, um so besser wird es meist.

    Zeiten solltest Du vorerst nicht mit anderen vergleichen – schon gar nicht mit Männern – sondern nur mit Dir! Richtiges Intervalltraining würde ich noch nicht unbedingt machen, aber mal hier und da einen Sprint einbauen oder mal den letzten Kilometer Puls Puls sein lassen und alles geben, das kannst Du schon machen – denke ich.

    • Veronika schreibt:

      auch bei den langen langsamen Läufen? Gestern war ich 10-11km unterwegs, LANGSAM, 1,5 h – und die letzten 10-15 min war mein Puls kontinuierlich hochgepusht worden, sodass er auch über 80% kam… Das wird doch in Ordnung sein?! So gewöhnt der Körper sich dran, am Ende nochmal Gas zu geben, oder?
      Hast du deine gesunde Ernährung noch im Griff?

      Achja, was ich noch fragen wollte: Was trinkst du so an Trainingstagen? Also klar, normal trinke ich nur Kaffee, Tee und viel Wasser. Nach den Läufen vllt. auch noch Saftschorlen, Wasser mit Magnesium- oder Calciumtabletten. Alkohol generell einschränken, wobei ich 1-2 Gläser Wein die Woche okay finde… Aber so Iso-Zeuch, alkoholfreies Bier und was man noch so mitbekommt, trinkst du das auch? Oder Eiweißshakes? Nimmst du auch Vitamine oder Mineralien so zusätzlich irgendwie auf?

      • Ralf schreibt:

        Das kontinuierliche Pulsansteigen würde ich nicht als solches Tempotraining ansehen. Es sollte da schon wirklich einen Punkt geben, aber dem es los geht und dann auch wieder ein Punkt an dem es zu Ende ist, so dass man sich auch zwingt bis dahin durchzuhalten.

        Ernährung habe ich nach der gescheiterten Generalprobe wieder im Griff.

        Das Trinken ist nicht nur an den Trainingstagen wichtig, sondern auch an den anderen. Gerade den Wasserhaushalt kann ich kaum an einem Tag wieder ins Lot bringen, wenn ich mal 30 km unterwegs war. Ich trinke hauptsächlich stilles Wasser. Schorlen mag ich gar nicht. Beim langen Lauf gibt es ein selbstgemixtes Energiegetränk mit Salz, Molke,… (aus dem Seminar bei Dr. Feil) und danach gibt es den Refresher-Drunk von Ultra Sports. Der Refresher ist echt gut und mir wichtig. Sonst ab und an nach dem Lauf auch ein ISO-Trunk vom Netto – weil der einfach mal Geschmack hat. Alkoholfreies Bier gibt es bei mir nur bei Laufveranstaltungen. Vitamine und Mineralien nehme ich nur durch die ganz normale Ernährung auf.
        Den Alkohol als solches müsste ich weiter reduzieren, daran arbeite ich noch.

  3. ultraistgut schreibt:

    Wieder einmal ein klassisches Beispiel, dass Laufen frei macht, wenn der Kopf und das Herz schwer wie Blei sind.

    Was das Laufen mit Musik angeht, ich laufe nie mit, weil ich alles um mich herum bewusst erleben möchte und mit nicht den Kopf zu dröhnen will, aber das ist eine Frage des Geschmackes, der eine so, der andere………………….

    Viel Glück für deine Eltern ! 8)

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