Generalprobe gescheitert

Schließe ich also DIE Woche mit einem Scheitern ab – ganz toll. War vielleicht doch zu viel diese Woche, aber muss ja auch, wenn man den Marathon schaffen möchte. Ich bin mir gerade gar nicht mehr sicher, ob ich es ins Ziel schaffen werde. Aber von vorn.

Heute Vormittag bin ich eigentlich ziemlich ausgeruht gestartet, auch wenn es gestern zu spät wurde und ein Glas Rotwein zuviel – Fehler 1. Es war ein schöner Tag vorhergesagt, aber das Thermometer sagte mir um 9:30 Uhr nur 9°C und auch die Vorhersage lautete nur auf 13°C, also lange Tights, Singlet und dünnes langes Shirt. Es stellte sich schon bald heraus, dass das zuviel war, auch wenn ich zwischendurch mal einen Kilometer lang froh war – Fehler 2. Und irgendwie war ich antriebslos. Aber ich lief los, nachdem ich mir ein Gel reingezogen hatte. Ich wollte heute ja die Ernährung für den Marathon testen. Vorher gab es noch ein leichtes Frühstück aus 2 Toasts.

Die ersten Kilometer waren schrecklich. Wo ist denn mein Puls? Okay, ich bin auch ein bisschen zu schnell, aber so hoch deswegen? Ich kam auch in keinen Rhythmus und ich schaffte es nicht meinen Puls runterzukriegen und wie bei den anderen langen Läufen so mit 148-150 zu laufen. Ich schwitzte wie blöd. Das Wasser lief nur so. Ab km 6 wurde es dann so langsam besser. Ich lief auf meiner Standardrunde und verlängerte die diesmal nur bis zum blauen Wunder und dann sollte es noch eine zweite Runde geben, mit Wende am Fährgarten Johannstadt.
Es war schwer, die Wasserflaschen nervten mich. Die Gelhalterungen rissen ab, so dass ich mir das unter den Gurt von meiner Oberarmtasche für den MP3-Player steckte. Es war warm, ich hätte so gern jetzt weniger an, obwohl das nur ein Wunsch für den Kopf war, aber eigentlich nicht wirklich nötig. Nach 10 km gönnte ich mir den ersten Schluck Wasser – mein angemischtes Sportgetränk wäre mir jetzt lieber, aber das bekomme ich ja beim Marathon auch nicht. Die Gels sollten bei km 15 und 25 folgen. Bei km 12 grüßte noch ein Kollege vom Rennrad aus. Das tat für einen Augenblick richtig gut.
Dann übers Blaue Wunder wieder die Elbe queren und gegen – den nicht so schlimmen Wind – zurück. Da lief es mal eine Weile gut. Trotzdem machte ich mir Gedanken, ob ich nicht nach der ersten Runde aufhöre und den Lauf nächsten Sonntag nachhole. Da würde es aber auch nicht so richtig in den Terminplan passen, also heute durchziehen. Als ich bei mir zu Hause vorbeilaufe geht es zum Glück gerade gut, aber ich komme schon wieder in heftig hohe Pulsbereiche. Mein Tempo wird aber trotzdem langsamer. Ist das der „Mann mit dem Hammer“? Das zweite Gel steht an. Ich finde das ganz okay, gar nicht so schlimm ecklig, wie überall zu lesen steht und es bringt schon Energie und ich vertrage es gut. Aber nur Wasser trinken nervt mich. Ich will nach Hause und jetzt muss ich an den verlockenden ersten Brücken vorbei. Ich zwinge mich aber meinen Plan weiter zu befolgen, auch wenn es schwer geht. Ich bin einfach nur auf die Muskeln fertig und ich merke jetzt schon, dass ich wohl morgen großen Muskelkater haben werde. Auf der kleinen Schleife, die mich nicht direkt über die Albertbrücke führt, sondern erst nochmal einen Kilometer weg, kommt km 34 – meine letzte Trinkflasche und ich gehe beim Trinken! Weiter, wieder zur Brücke zurück. Ich gehe schon wieder. Nach 10 Metern wieder los. Auf der Brücke gehe ich wieder, gönne mir den Restweg bis zum Brückenkopf, damit ich mich evtl. etwas erhole. Der letzte Schluck Wasser. Ich hab noch 3 km bis heim. Die Brückenrampe abwärts wieder laufen, oh das brennt – nach weiteren 200 m gehe ich wieder und breche das Training ab. Pulsuhr aus, iPod aus – Schluss und vorbei, ich bin kurz vor km 36.

Also laut Plan reicht die Entfernung, aber nicht nach meinem Plan, wie ich heute laufen wollte, da wollte ich schon zu Hause ankommen. Ich lasse mich aufs Gras fallen und verfluche, dass ich mal wieder kein Telefon mithabe und mich von niemand abholen lassen kann. Geld für ein Taxi natürlich auch nicht. Ich raffe mich wieder auf und gehe weiter, sonst komme ich wohl gar nicht mehr hoch. Jetzt 3 km über die Eblflaniermeile nach Hause. Nicht dass die 3 km gehen schon allein heftig wird, aber dann noch die ganzen Blicke. Ich gehe hoch zur Straße, gehe bis zur Augustusbrücke und setzt mich in die Straßenbahn. Falls ich jetzt erwischt werde, ist mir das egal, ich will einfach nur noch heim.
Ich frage mich die ganze Zeit nach den Gründen. Zu Hause angekommen stelle ich mich zu erst auf die Wage – 61,1 kg ganze 3,4 kg weniger als heute früh und danach habe ich noch was getrunken und das kleine Frühstück gehabt. Unterwegs habe ich 750 ml zu mir genommen. Ich habe wohl in den letzten Tagen nicht ordentlich Wasser getankt gehabt.

Jetzt startet das Tapering.

Wochenbilanz: 5 Trainings, 7:22:36 h, 78.83 km, Durchschnittsgeschwindigkeit: 5’37″/km, 5335 kcal, Durchschnittspuls 154

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7 Antworten zu Generalprobe gescheitert

  1. SilberLäufer schreibt:

    Nur so viel dazu: Meinen besten Marathon lief ich nach der schlechtesten Vorbereitung. Also besser jetzt als später. Was mich beim lesen überraschte war ist der Umstand, dass du ziemlich „aufmunitioniert“ unterwegs warst. Ich meine jetzt zu warme Bekleidung, etliche Trinkflaschen, Gel und IPod. Das kann dann schon ein wenig belasten, oder?

    • Ralf schreibt:

      Die Trinkflaschen habe ich von 2 auf 4 erhöht und fand das letztens auch gut, man braucht ja die Flüssigkeit und leider gibt es ja im Training keinen Getränkestand. Gel war einfach nur der Test un der iPod ist immer dabei. Nur die Flaschen nerven richtig und belasten.

      • SilberLäufer schreibt:

        Ja da haben wir es am Land leichter, eine „Tränke“ findet sich oft und ich versuche daher bei langen Einheiten die Strecke danach zu richten. So erspare ich mir die lästigen Gurte und die nervigen Trinkflaschen. Das mit dem Gel-Test finde ich gut. Daran habe ich nicht gedacht!

  2. Auch wenn dein wirklich toller Bericht nach deinen Ausführungen wie ein Misserfolg nach dem anderen klingt, habe ich Respekt vor dieser Leistung. Ich meine: 36km ist schon eine ziemliche Strecke und das dann mit einem sub6 Pace. Bleib mal locker! 😀

  3. Ralf schreibt:

    Ich schiebe es mal wirklich alles auf Dehydrierung und wenn ich dann hier noch lese, dass man bei Benutzung der Gels noch mehr trinken soll, dann bestätigt mich das nur. Ich habe am Sonntag noch fast 4 Liter getrunken und gestern auch und reichlich gegessen und der Lauf heute morgen war auch wieder in Ordnung.

  4. Gerald schreibt:

    Hallo, wenn ich ein bissal „länger“ laufe dann habe ich so ein kleines Ritual, zB.: Lauf diesen Samstag, 09.04.2011:
    Am Freitag war ich Running Sushi essen, aber nicht zu viel eher mehr Reis als Fisch und ein paar andere Meeresfrüchte.
    Am Samstag um 0600 Tagwache, zum Frühstück gibt es einen Milchreis mit Zimt (der der schön macht) , einen Cliff Chrunchy Peanut Butter Riegel (http://www.clifbar.com/ aus USA mitgenommen) und Magnesiumbrause.
    danach noch ein bissal ausruhen und um 0900 loslaufen.
    Unterwegs hatte ich 0,6 L PowerbarGetränk und ein PowerbarGel, ist bei mir alles in einer Flasche vermischt und so ca alle 5-6 Km gibts einen Schluck davon.
    Wetter war ok, Wind ging auch, Strecke eher eben auf Asphalt (ca 80%) und Schotterweg (ca 20%), IPod, PulsUhr (Puls war ganz ok), Lauf war dann 38,5 K mit 05:45 Schnitt (geht so), hatte keine Zeit mehr sonst hätte ich die 40 K vollgemacht.
    Ich glaube du solltest einmal statt dem Tost (der gibt ja nicht viel her) etwas mit mehr und besseren Kohlenhydraten versuchen ((Milch)Reis, Müsli, …), ein bissal einwirken lassen damit die Stoffe dann zu richtigen Zeit zur Verfügung stehen.

    Work hard, run harder 🙂
    Gerald

  5. Chris schreibt:

    Auf meinem zweitletzten langen Lauf nervte mich auch einiges. Zuerst rutsche der Pulsgurt, dann machte der MP3-Player Probleme – und das auf den ersten zwei von 33 Kilometern. Aber nach 5 km war dann Ruhe – und es wurde ein toller, aber fordernder Lauf. Bei den Longjogs habe ich nur Wasser zu mir genommen und keine Kohlenhydrate. Das kurbelt die Fettverbrennung an. Hat mir echt geholfen.

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