Citylauf Dresden oder Tempodurchhaltetraining

Heute war Citylauf in Dresden und ich für die 10 km gemeldet und im Gegensatz zum Lauf in Eilenburg, passte der Lauf nicht perfekt in den Trainingsplan. Es war keine Regnerationswoche, die letzte Woche hatte ich ein Training mehr und erstmals über 70 km pro Woche absolviert. Am Mittwoch gab es Intervalltraining, Donnerstag einen Brot-und-Butter-Lauf und dann am Abend leider einen unerwarteten Tritt voll ins Leben. Mein Vater kam mit Diagnose Krebs heim und kommt nächste Woche unters Messer. Das hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen, war am Freitag nicht mal arbeitsfähig.
Als ich Samstagfrüh zum Training aufbrach, war es kalt (1°C) und ich bin im Winteroutfit los. Auf dem ersten Kilometer war es gut Handschuhe zu haben und nach dem ersten Kilometer setzte ich doch was auf den Kopf, aber es wurde wärmer und in der Sonne war es deutlich angenehmer als das Thermometer sagte. Ich habe zwar auf meine Uhr geschaut, aber es hat mich nicht interessiert. Ich fing an alles in Frage zu stellen. Warum rennt man früh durch die Gegend? Machte mir ziemlich viel Gedanken um meine Eltern, was passiert, wenn er es nicht übersteht und lief relativ flott. Mir war es egal, auch wenn ich schon dachte, dass ich mir damit den Citylauf morgen erst recht kaputt mache, wenn ich jetzt noch so eine intensive Einheit laufe. Egal, darum geht es gerade nicht. Zwischendurch – mir war inzwischen viel zu warm – versuchte ich meine Kopfbedeckung wieder los zu werden, aber da wurde es kalt, wenn man die einmal aufgesetzt hat, dann muss sie auch auf dem Kopf bleiben. Irgendwann wünschte ich mir, daß heute mein Marathon angestanden hätte, jetzt mitten im Lauf hatte ich ein gutes Gefühl und noch genug Frust für die 42 km. Als ich nach reichlich 16 km mein zu Hause erreichen sollte, spürte ich schon die Belastung und das der Marathon dann wohl doch gescheitert wäre. Mir ging es aber deutlich besser, am Ende stellte ich das Laufen nicht mehr in Frage sondern war wieder mal überrascht, wie sehr es mich auch in solchen Situationen aufbaut.
Danach ging es zu einer Familienfeier auf der ich meine Eltern traf. War diesmal nicht so lustig, aber ich nutzte es wenigstens, um mir noch ein paar Nährstoffe zuzuführen und verschwand nicht allzu spät.

Heute stand dann also der Citylauf auf dem Programm. Ich wollte ihn als Durchhaltetraining gestalten und vorher schon 15 km laufen – schließlich standen auf meinem Trainingsplan auch 26 km. Früh bekam ich kurz Panik als ich die Oberarmtasche für den MP3-Player nicht fand, denn ohne Musik laufen – nee das geht nicht. Gerade meine 10 km-Playlist treibt mich an. Ich fand sie dann doch noch, fuhr in die Stadt und startete von dort aus auf meine Runde. Das war komisch, wenn die „Kilometermarken“ auf einmal an ganz anderen Punkten sind – aber so war es abwechslungsreich. Leider war heute das gleiche Spiel wie gestern – nur 1°C und ich bin zu warm angezogen los. Ständig musste ich mich zwingen langsamer zu laufen, denn ich wollte zwar Durchhalten trainieren, aber nicht den gesamten Weg im Renntempo zurücklegen, sondern nur vor dem Rennen schon eine Belastung haben. Nach knapp 15 km war ich wieder am Auto. Ich muss endlich mal meine Nike-Chips neu kalibrieren. Die Schrittlänge zu verlängern, was mir beim Laktattest geraten wurde, scheint mittlerweile geklappt zu haben und das Nike-System zeigt ständig zu wenig an und was mich vor allem ärgert – damit verbunden natürlich auch zu langsam.

Jetzt umziehen – wieder in die leichten T7 Racer schlüpfen -, noch ein Schluck Wasser, eine Banane, Startnummer befestigen und dann vor allem nicht wieder kalt werden. Am Auto klopf mir Andre vom Lauftreff (Laufszene Sachsen) auf die Schulter und meint „Bestzeitenwetter.“ Ich gebe ihm grundsätzlich recht, aber verneine für mich, da ich gerade die Einheit hinter mir habe, gestern intensiv unterwegs war und Eilenburg auch wirklich ideal war – ich nehme mir 48:00 vor und will aber auf jeden Fall unter 50:00 bleiben. Nochmal schnell auf Toilette und dann geht es auch schon los.

Urkunde Citylauf Dresden 2011

Urkunde Citylauf Dresden 2011

Startschuss und ab. Die ersten 200 m sind heftig. Es hat wohl vor mir sogar einen Sturz gegeben, aber ich sehe nix, es wird aber gerangelt und geschoben. Ich versuche Lücken zu finden oder bleibe auch einfach mal dahinter – schnell angehen ist eh schlecht. Als ich das erste Mal auf die Pulsuhr schaue, ist der Puls noch im grünen Bereich, aber ich habe einen Speed von 4:04 drauf. Der Angabe darf man nicht wirklich vertrauen, aber ich bin zu schnell unterwegs – soviel ist sicher. Ich erschrecke aber nicht so sehr davon wie noch in Eilenburg – ich weiß ja jetzt, dass ich es doch relativ schnell kann – und reduziere nur ganz gering. Der Puls ist dann deutlich schneller beim gewünschten Bereich angekommen – der Lauf vorher und die Woche machen sich bemerkbar, denke ich. Bei einem weiteren Blick auf die Uhr sehe ich einen Speed von über 5:00 und der Puls ist aber nicht geringer. Okay, es wird dann wohl wirklich heftig werden, aber das wollte ich ja trainieren. Erste Runde rum – auf geht es in die Zweite. Ich laufe gleichmäßig, versuche wieder technisch sehr sauber zu laufen. Diese Runde ist – wie dann die letzte auch – etwas länger, ich hätte ja gern die kurze Runde am Ende gehabt, aber durch die Km-Schilder kann man auch so sein Rennen gut einteilen. Km 5 – 22:03 – aua, ich bin fast eine Minute schneller als in Eilenburg, aber es geht. Ich bleibe ziemlich stur in meinem Pulsbereich. Kurz vor km 7 fange ich an zu rechnen, was ich für eine Durchgangszeit brauche, um bei meiner Persönlichen Bestzeit anzukommen. Km 7 – es sieht gut aus. Puls halte ich nur soweit unter Kontrolle, dass ich auf keinen Fall höher steigen will, aber nicht mehr langsamer mache, um ihn runterzubekommen. Es sind ja mittlerweile auch nur 3 Schläge mehr als ich die ganze Zeit gelaufen bin. Bei km 8 bin ich gerade noch so im Kurs der PB. Dann sehe ich Eleonore, die immer die schönen Fotos vom Lauftreff macht, sie sieht mich auch und evtl. habe ich ja jetzt noch ein schönes Foto von mir. Ich versuche ganz leicht noch anzuziehen, aber es ist ja noch ein Stück, ich schnappe mir ein paar Leute, aber im Gegensatz zu Eilenburg werde ich auch noch von Leuten überholt. Der letzte Kilometer, nochmal dran bleiben – ich hätte jetzt gern ein 500 m Schild – so ziehe ich Meter um Meter an. Leider ist durch Baustellen der Bereich dort gerade nicht ideal. Endlich wieder Asphalt und nur noch 2 Kurven – es könnte klappen. Auf der kurzen Zielgeraden sehe ich die Uhr – das mobiliert nochmal Kräfte. 45:22, 45:23, 45:24,…45:30 Ziellinie. Geil! Auch wenn nur knapp, aber ich habe meine PB nochmal verbessert. An der Ergebisliste finde ich mich mit 45:32 wieder. So langsam glaube ich wirklich an meinen Marathon unter 4 h. Als ich mir meine Urkunde abhole, gibt es noch eine kleine Überraschung. Es gibt hier ja Nettozeiten und das macht hier auch wirklich Sinn – meine Zeit ist also noch ein bisschen schneller – 45:21. Ich bin zufrieden, Durchhaltetraining bestanden, auch wenn die zweite Hälfte langsamer war.

Wochenbilanz: 5 Trainings, 6:01:33 h, 64.44 km, Durchschnittsgeschwindigkeit: 5’37″/km, 4368 kcal, Durchschnittspuls 155

Mit diesen Wochenkilometern habe ich für dieses Jahr schon so viele Kilometer hinter mich gebracht, wie komplett in 2010!

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5 Antworten zu Citylauf Dresden oder Tempodurchhaltetraining

  1. Bernd schreibt:

    Gratuliere zu Deiner PB, super Leistung nach 15 Km einlaufen. Vielleicht hätte ich heute doch mitlaufen sollen 🙂 ?
    Wenn bei mir ein mal Marathon in der Planung ist, geh ich dann bei Dir in die Schule!

  2. Claudia schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! Super gemacht und das nach der Vorbelastung! Respekt!

  3. Veronika schreibt:

    boah heftig. Herzlichen Glückwunsch! Das motiviert ordentlich. Super!!

  4. Ralf schreibt:

    Danke für die Glückwünsche.
    @Bernd: Du hättest mich schon noch geschlagen! Und den Marathon muss ich erstmal finishen.

  5. -timekiller- schreibt:

    Fetten Respekt !!! PB nachdem du schon eine 15km Einheit in den Füßen hast, das muss Dir erst mal einer nachmachen. Wirklich großartig.

    Übrignes, sollte Deine Nettozeit im Text nicht 45:21 heißen?

    Grüße -timekiller-

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