Glück gehabt – kein Regen

Der Wind zerrte die ganze Nacht an den Rolladen.
Gestern abend bin ich glücklich und mit ein paar Kapiteln eines meiner neuen Bücher ins Bett gegangen, aber das Schlafen war eher nicht so gut.
Sind das jetzt Geräusche der Balkonverkleidung oder höre ich da Tropfen? Irgendwann stehe ich dann doch auf und es folgt mein üblicher Blick aus dem Fenster – Kein Regen, nur Wind und 10 Grad. Bin ich froh. Das Wetter sieht auch so aus als ob es durchhalten sollte, also keine Regenjacke! Die Regenjacke schützt aber auch vor Wind und der bläst kräftig. Ich will aber mein neues Shirt anziehen (am Do-abend bei Brooks bestellt – gestern schon in der Hand gehalten – top!). Also entscheide ich mich mein langes leicht komprimierendes Untershirt anzuziehen, Handschuhe bleiben zu Hause, nur das Stirnband nehme ich mit, falls der Wind meine Stirn doch zu sehr auskühlt. Los geht’s.

Während ich hier so schreibe, stelle ich fest, dass eine voll geile Lichtstimmung ist und es inzwischen 17:20 Uhr ist. So langsam ist es abends auch fast wieder lange genug hell, um da mal zu starten.

Aber zurück zum Lauf. Freitag war Ruhetag und gestern die 5 km haben eigentlich nur Lust auf mehr gemacht und stellten fast einen weiteren Ruhetag dar. Den hatte ich zwar nicht wirklich, weil ich Party vorbereiten und durchziehen musste, aber zumindest meine Beine wurden nicht sonderlich angestrengt. Also voller Elan los, 200 m, dann einmal um die Kurve und dann stand ich im Wind – dabei erstmal noch langsam einlaufen war gar nicht so einfach, ging aber ziemlich gut. Ab km 2 ging mein Stück Wiesenweg los, aber mit Weg war da heute eher nix. Schlamm, federt zwar wunderbar beim Aufsetzen, das Abdrücken ist dann aber gar nicht lustig. Nach dem knappen Kilometer war mein Puls ziemlich oben und ich auch, da ich eine 1 bis 2 cm Schlammschicht unter meinen Sohlen hatte. Bis ich die richtig abgelaufen hatte dauert es fast 4 km, aber auf denen hatte ich dann den Wind schon seitlich bzw. dann auch im Rücken. Ich schwitzte ziemlich heftig und dachte, ich bin zu warm angezogen und genoss jede Windböhe, die mir ins Gesicht fegte. Dann ging es so für sich hin, Kilometer für Kilometer.

Klar es ist nichts weiter passiert, aber das mir langweilig wäre, wie sich viele beim langen Lauf beschweren, kann ich nun wirklich nicht sagen. Die Gedanken kreisen, Puls wird beobachtet, Zwischenzeiten und der Musik gelauscht. Die Musik habe ich meist ziemlich leise, so dass sie sich nicht in den Vordergrund spielt. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber oft nehme ich viele Lieder nur über kurze Strecken war. Ein Hörbuch beim Laufen mir anzuhören, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, da muss man sich ja schon ein bisschen auch darauf konzentrieren. Ich will das aber mal testen.

Ich hatte mir vorgenommen den langen Lauf vom letzten Sonntag nachzuholen, da ich da wegen meiner Krankheitspause nicht gleich auf die 26 km gehen wollte. Die große Brückenrunde (Flügelweg bis Blaues Wunder) ist reichlich 22 km, mit meinem – jetzt schon mehrfach gelaufenen – Bergabstecher zur Bautzener Straße sollten es ca. 25 km sein. Ich wollte aber die 26 und eigentlich sogar noch einen Tick mehr, damit die freundliche Stimme meines iPod am Ende sagt „Glückwunsch. Das war ihr bisher längstes Training.“
Bei km 12 leerte ich eine der zwei kleinen mitgenommen Flaschen zur Hälfte bzw. zu einem Drittel (Kohlensäuregetränk in die Flaschen vom Trinkgürtel war wohl nicht so gut) und ich merkte, dass mich das leicht powerte. Eine Flasche hatte ich noch und den Rest, also entschloss ich mich meine Runde zu ändern und mich dem langen steilen Anstieg der Grundstraße zu stellen. Als der Begann trank ich noch den Rest der ersten Flasche.
Der Anstieg lief besser als ich dachte – dort störte auch kein Wind. Ich blieb bei einem ruhigen Tempo, aber versuchte nicht mehr meinen Puls bei unter 150 zu halten, sondern gönnte ihm Spielraum bis 160. Das lief echt super und auch die Kilometerzeit war gar nicht so schlecht. Es zog sich trotzdem – knapp 3 km. Kurz vor dem Ende gönnte ich mir große Teile der zweiten Flasche.

Als ich oben angekommen war, wurde es dann böse. Im Kopf hatte ich mich gefreut, um die Ecke zu biegen und dann bergab geschützt durch die Häuser und den Wald locker runter zu kommen und einen Erholungsabschnitt vor mir zu haben. Nach der Ecke wartete leider doch noch – wenn jetzt auch leicht – ansteigendes Gelände auf mich. Außerdem war es dort gar nicht so sehr zugebaut und der Wald auch noch etwas weg – es kam also noch Gegenwind dazu. Es zog sich. Dann endlich etwas windgeschützter und nun deutlicher bergab, aber meine Beine waren ziemlich fest. Eine rechte Erholung stellte sich nicht ein, ich merkte wie die Koordinierungsfähigkeit nachließ. Mein linkes Knie fing leicht an zu schmerzen. Ich verfluchte meine Idee mit der Grundstraße. Bei km 22 wollte ich mir den Rest der Trinkflasche gönnen.
Mit zunehmenden Abwärtslauf, dann dem kleinen Flüssigkeitsnachschub und vor allem mit Konzentration auf saubere Technik wurde es dann doch leicht besser.

Bei km 23,5 ging es dann wieder aus aus dem schützenden Wald und der Stadt auf den Elberadweg – diesen noch 5 km folgen und dann sollte ich zu Hause sein. Der Gegenwind war übel. Ich wusste, ich bin doch nicht zu warm angezogen. Puls unten halten ging nicht. Ich überlegte zu gehen. Meine Fusssohlen brannten. Wenn ich jetzt gehe, werde ich immer wieder gehen – das will ich nicht. Außerdem wie soll ich jetzt heimkommen. Laufen ist da in der momenten Situation die beste Lösung, aber es ist so hart. Sollte ich doch gehen? Ziel um definieren, Puls und Zeit sind egal, einfach nur durchlaufen. Als ich noch reichlich 3 km vor mir habe, habe ich mich mit der Situation angefreundet. Den letzten Kilometer ganz ganz langsam auslaufen lassen, evtl. mit Gehpausen? Der Elberadweg ist ziemlich voll, einige Leute gehen mit dem Rücken gegen den Wind. Mein Kopf rechnet, auch wenn ich langsam bin, so dürfte ich immer noch doppelt so schnell sein, wie die – das motiviert. Die letzten 400 m könnte ich langsam gehen, einfach das Training ein Stück eher Schluss machen. Nein, beim Marathon bringt Dir auch niemand den Zielstrich entgegen. Durchlaufen! Endlich, die Ampel über die große Straße, ich drücke Stop an der Pulsuhr und halte meinen iPod an. Geschafft.
Laut iPod fehlen mir 10 m für die 30 km, laut GPS von der Pulsuhr war es aber nicht ganz so knapp, da waren es „nur“ 28,9 km.

Banane, Wasser, ISO-Trunk, Badewasser einlassen, ins heiße Wasser eintauchen – nach 30 min. habe ich meine Koordinationsfähigkeit zurück. Schnell essen – gut das ich von gestern noch Reste habe und nicht erst kochen muss, Trainingsdaten synchronisieren, Facebook – nein kein Facebook, ich will aufs Sofa. Ruhen, mal kurz wegnicken. Langsam werde ich wieder brauchbar, ich lese noch ein paar Kapitel in meinem Buch, entspanne dann noch bewusst ein bisschen länger beim Biathlon-schauen und mache mich dann an meinen Blogeintrag 🙂

Ich merke die Belastung jetzt immer noch deutlich. Der letzte Lang lauf, war irgendwie einfacher. Da war aber auch kein Wind und nicht so ein heftiger Anstieg. Nächsten Sonntag heißt es nochmal die Runde oder ich lasse mich wieder Richtung Moritzburg treiben. Mal sehen, wie es mir da geht.
Bis dahin ist aber volles Wochenprogramm – Montagabend Projektmanagementseminar, Dienstagabend Ernährungsseminar in Leipzig, Mittwoch Treffen mit einer Freundin und in meine 4 neuen Bücher, die es gestern noch als Geschenke gab will ich aus reinlesen. Da hätte ich jetzt die Auswahl zwischen „Lauf, du Sau“, „Mission Marathon“, „Laufen – Geschichte einer Leidenschaft“ und der „Vitalen Läuferküche“. Desweiteren wollte ich mich kümmern, ob ich in der Physiotherapie eine Massage für meine Beine bekommen kann, wie schnell ich da einen Termin bekomme, was es kostet. Schließlich wollte ich mich auch gründlich um die Regneration kümmern.
Beim Marathon geht es gegenüber heute noch 12 km weiter, aber ich sollte mich da nicht zu fertig machen. Erstens war das mit dem Wind und dem Anstieg wirklich ziemlich heftig und zweitens habe ich auch noch 3 Monate Zeit. Vor 3 Monaten war ich noch deutlich unfitter. Außerdem können sich bis dahin die Gelenke und Sehnen auch noch etwas anpassen. Von meinem Knie ist jetzt nix mehr zu spüren und ich glaube mit einem komischen Dehnen gestern und die Überwindung heute, habe ich mir auch die Schmerzen im rechten äußeren Oberschenkel weggelaufen. Ging ja links auch damals so. Hoffe ich mal, dass das morgen nicht wieder anders aussieht.

Wochenbilanz: 5 Trainings, 6:43:09 h, 68.32 km, Durchschnittsgeschwindigkeit: 5’54″/km, 4702 kcal, Durchschnittspuls 154

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