Schnee-Match-Trail

Gestern abend war Party bei mir – die letzten Gäste sind irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr gegangen, ich bin auf dem Sofa eingeschlafen und dann erst 7 Uhr ins Bett.

Geweckt wurde ich vom Wind der an meinen Jalousinen zerrte und entsprechend Krach machte. Es war erst 9:30 Uhr. Da keimte in mir die Idee, den Lauftag von Sonntag auf Samstag zu verschieben und sich diesem Wind zu stellen und außerdem die erst 2 Wochen alten Trailschuhe doch auch mal auf etwas matschigere Wege zu lassen und nicht nur damit etwas sicherer durch den Schnee zu stiefeln.
Also raus aus dem Bett. Jalousie hoch und was sehe ich – es regnet auch noch. Nee – dann doch nicht. Schade.

Na gut, dann nicht, also gemütlich Zeitung lesen und frühstücken. Eigentlich wollte ich heute auch nochmal auf Arbeit rein, aber dazu hatte ich gar keine Laune und dann würde das, was ich machen wollte, auch nix werden.

Nach dem Frühstück schaue ich nochmal so vom Balkon und siehe da der Regen hat sich verzogen, hat zwar ordentlichen Matsch hinterlassen, aber selbst ist er weg. Noch schnell Wettermeldung schauen – leichter Schneefall für Mittag und Nachmittag angesagt und eine Unwetterwarnung für die Region wegen dem Wind. Aber ich wollte ja eine Herausforderung.
Also schnell Klamotten und Schuhe an. Statt warmer Jacke lieber warmes Shirt und dünne Regen-/Windjacke. Bei der Jacke noch schnell das eine innenliegende Schild entfernen, welches mir irgendwie meine ganzen Shirts zerreibt. Und das erste Mal den Kragen umgemacht – könnte ja unangenehm werden. Und los geht es.

IPod an, Pulsuhr an und was sehe ich da – wir starten mit einem Puls von 155 – geht’s noch? Ich bin doch gerade nur die 200 m bis über die Ampel gelaufen (danach starte ich immer erst die Aufzeichnung), normal bin ich da bei 120 – 130. Baut mein Körper noch Alkohol von gestern ab, bin ich aufgeregt oder was. Nach ein paar Metern auf dem Elberadweg wird es noch schlimmer und der Puls steigt weiter. Naja, ich ignoriere das – hab ja auch genug zu tun nicht hinzufallen. Es ist richtig glatt und matschig. Meist muss ich auch erst reinkommen – das hat beim letzten langen langsamen Lauf auch 4 km gedauert, bis ich ordentlich mein Tempo gefunden hatte und Puls in Ordnung war.

Nach 1,5 km – und der Wind war schon nicht ohne – ging es dann auf den Trampelpfad durch die Flutrinne, den ich schon immer mal bis zum Ende laufen wollte. Und da war er – der Wind. Sonst quere ich diesen Abschnitt nur und es zieht dort immer – diesmal sollte es aber voll reingehen. Vom Pfad hat man natürlich nix gesehen, okay es gab Fussabdrücke und Stellen mit vielen Fussabdrücken, aber mehr auch nicht. Der Wind war kräftig und auch wenn mir die Handschuhe eigentlich ein bisschen zu warm waren, jetzt habe ich sie aufgelassen. Im Gesicht ging es, aber ich hatte das Gefühl überhaupt nicht mehr voran zu kommen – ich war bei einer Geschwindigkeit von weit über 7 Min pro Kilometer angekommen und mein Puls mittlerweile bei über 170.

Es zog sich, aber ich wolle auch nicht, dass es aufhört, ich fühlte mich gut bei dem was ich gerade tat. Zwischendurch war ich erstaunt, wie warm meine Füsse sind und wie gut die Nässe wieder wegtransportiert wird. Als ich dann so langsam zum Ende der Flutrinne kam – irgendwo kurz vor km 5 – war mir aber klar, dass heute meine Füsse während des Laufens wohl nicht wieder trocknen werden.

Endlich Linksschwenk – Wind nur noch als Seitenwind, sogar leicht von hinten. Handschuhe aus. Weg gab es mittlerweile keinen mehr. Ich stapfte durch den Schnee und sank bei jedem Schritt fast 10 cm ein. Mein Puls beruhigte sich, ich wurde schneller. Autobahnbrücke durchlaufen und dann weiter zur Flügelwegbrücke – es zieht sich schon wieder und es gibt noch immer keinen Weg wieder, der irgendwie festgetreten oder so wäre. Flügelwegbrücke durchlaufen – ich geniese die 20 Meter ohne Schnee und einem definierten Untergrund. Über die Brücke drüber – der Wind bläst, aber der Fussweg ist geräumt. Meine Hände sind im nu eiskalt. Runter und wieder auf den Radweg. Fahrrad scheint hier aber auch gerade niemand mehr zu fahren. Die Matsch-Tour geht weiter. Ich komme in einem Abschnitt bei dem ich den Wind jetzt als Rückenwind habe – herrlich. Mein Puls dankt es mir und sagt mittlerweile 150.
Der Schnee wird wieder höher, der Weg schlechter, der Puls steigt.
Ich komme ins Stadtzentrum und quere die Augustusbrücke – Touristen-Lücken-Springen – und wieder runter auf den Radweg.

Aua, was ist das denn? Wieder voll Gegenwind, Schneematsch und ganz ganz viele Pfützen, versehen mit zig Eisklumpen. Bei fast jedem Tritt schwappt Wasser in meinen Schuh. Mir wird kalt. Es wird eklig. Ich fange an mich auf meine Dusche zu freuen. Ich bin mir selbst dankbar, dass ich die Runde nicht noch bis zur nächsten Brücke ausgedehnt habe. Noch 2 km beißen. Mein Puls ist wieder irgendwo – ist mir heute aber egal. Das viele Gleichgewichthalten und austarieren strengt halt zusätzlich mit an. Und dann kurz vor Schluß kommt es doch noch dazu – mir begegnet ein anderer Läufer – sonst hat es heute wohl alle zu Hause gehalten. Zu Hause. Dusche. Herrlich.

Fazit: Herausforderung gemeistert und Spaß gehabt.

Mit dem Lauf habe ich auch mein Ziel von vor ein paar Wochen – 250 km bis Weihnachten zu laufen – geschafft. Neues Ziel ist auch schon bestimmt: 450 km bis zum 3.4.2011 – dem Berlin Halbmarathon.
Wie ich das festgelegt habe. 27 Wochenkilometer sollten mittlerweile passen, das halt mit den Wochen multipliziert und einen Tick aufgerundet.
Eigentlich soll der Berlin-Halbmarathon ja nur Spaß und Training für den Oberelbemarathon werden, was mein eigentliches Ziel ist und bei dem ich 2 h knacken will, aber ich ahne, dass ich das dann doch nicht so ruhig angehen werde und dort schon Ehrgeiz entwickle.

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